Der Aufmarsch der 670 Freischaren vor ihrem General auf dem Freischarenplatz mitten in der Stadt war imposant und machte ihren offenen und heimlichen Verehrern Hoffnung auf die langersehnte Wende. Seit 1852 reden die Freischaren schliesslich mit schöner Beständigkeit den Sieg herbei. So liess General Stephano il Notaio ex pralino seine Truppen wissen, dass dieses Jahr die Kadetten mit Sicherheit besiegt würden. «Dank einer neuen, genialen und geschickten Taktik eures Generals, werden wir die Stadt einnehmen», sagte Stephano. Und er fügte an, dass sogar die Regierung in Aarau die Freischaren unterstütze und ihre Frau Landammann ins Manöver nach Lenzburg entsandt habe. «Susanne Val Verde ist eine von uns».

Einmal mehr: Die Kadetten gehen als Sieger des Freischarenmanövers 2016 hervor.

Einmal mehr: Die Kadetten gehen als Sieger des Freischarenmanövers 2016 hervor.

Nur, als sich dann die neue Geheimwaffe als aufgeblasenes Mammut entpuppte, welches in Erinnerung an Hannibals Elefanten das Glück wenden sollte, kamen erste Zweifel auf, ob diese Rechnung aufgeht.

Lenzburg im Ausnahmezustand

Lenzburg im Ausnahmezustand

Das traditionelle Jugendfest mit Umzug und grossem Manöver rund ums Schloss sorgt für Spektakel. Dies zieht nicht nur Lenzburger in den Bann.

So nahm das Manöver rund um und auf dem Goffersberg seinen Lauf. Die Kadetten, versteckt in den Wäldern griffen an und bald wechselten die Freischaren ihre Taktik in hinhaltenden Kampf. Der Speaker auf der Schützenmatte liess sich gar zu Aussage verleiten, die Kadetten seien fies. Da merkte rasch einmal jeder, auf wessen Seite sein Herz schlug.

Noch verbreitete er Hoffnungsparolen, musste aber bald eingestehen, dass die disziplinierten Kadetten die Schlaufe um die Freischaren immer enger zogen. Schön war es mit anzusehen, welch farbenfrohe Bilder die Akteure lautstark in die Landschaft des Schlossbergs malten.

Mit dem Aufmarsch rund um die Burg, versuchten die Freischaren das Manöverglück auf der Schützenmatte noch zu wenden, ihre Kanonen feuerten aus allen Rohren. Reiterei, Stahlrösser (Radfahrer) drehten eine imposante Runde und schon griffen die Freischaren an.

Jugendfestmorgen: Der Umzug durch die Altstadt

Jugendfestmorgen: Der Umzug durch die Lenzburger Altstadt

Die Parade der Schüler durch die Strassen von Lenzburg verlief wie aus dem Bilderbuch: Die Sonne und die Gesichter der Teilnehmer strahlten um die Wette.

Allerdings hatten sie nicht mit der disziplinierten Abwehr der Kadetten gerechnet. Was blieb da in der Not noch übrig? Der Kriegsberichterstatter hat es mit eigenen Augen gesehen. In ihrer grössten Verzweiflung zündeten zwei Freischaren ihre Burg an. Lieber kein Schloss als ein verlorenes Schloss. So nahm das Manöverspiel seinen Lauf, grossmundige Ankündigungen und Geheimwaffen führten zu keinem Erfolg. Der General und sein Adjutant hissten die weisse Flagge und traten vor den Kadettenhauptmann und seine Entourage. «Wir geben auf, verlangen freien Abzug und etwas zu Trinken und Essen.»

Kadettenhauptmann Andrin Taubert nahm aus den Händen des Generals dessen Säbel in Empfang. Einmal mehr hatten die Kadetten, so wie es die Tradition seit dem Jugendfest von 1852 festschreibt den Sieg davongetragen. Und die Freischaren? Sie warten auf die neue Gelegenheit zum Siegen im Juli 2018.