Lenzburger Freischaren-Manöver
Das Mammut brachte kein Siegesglück: Die Kadetten gewinnen schon wieder!

Trotz Übermacht erlebten die Freischaren auch 2016 eine schmähliche Niederlage gegen die Kadetten, welche von ihrem Hauptmann straff geführt wurden.

Peter Siegrist
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Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
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Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Vor riesiger Zuschauerkulisse ziehen die Kadetten auf die Schützenmatte.
Die Marketenderinnen zeigten viel Bein und versuchten so, die jungen Kadetten abzulenken.
Die Piraten sind vor dem Schloss Lenzburg im Einsatz.
Das Freilichttheater machte viel Lärm.
Die Piraten sind vor dem Schloss Lenzburg im Einsatz.
Die Piraten sind vor dem Schloss Lenzburg im Einsatz.
Die Disziplin der Kadetten gab am Schluss erneut den Ausschlag.
Die wilden Freischaren-Horden vor ihrer brennenden Burg.
Die Piraten sind vor dem Schloss Lenzburg im Einsatz.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.
Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.

Impressionen vom Freischarenmanöver in Lenzburg.

Chris Iseli

Der Aufmarsch der 670 Freischaren vor ihrem General auf dem Freischarenplatz mitten in der Stadt war imposant und machte ihren offenen und heimlichen Verehrern Hoffnung auf die langersehnte Wende. Seit 1852 reden die Freischaren schliesslich mit schöner Beständigkeit den Sieg herbei. So liess General Stephano il Notaio ex pralino seine Truppen wissen, dass dieses Jahr die Kadetten mit Sicherheit besiegt würden. «Dank einer neuen, genialen und geschickten Taktik eures Generals, werden wir die Stadt einnehmen», sagte Stephano. Und er fügte an, dass sogar die Regierung in Aarau die Freischaren unterstütze und ihre Frau Landammann ins Manöver nach Lenzburg entsandt habe. «Susanne Val Verde ist eine von uns».

Nur, als sich dann die neue Geheimwaffe als aufgeblasenes Mammut entpuppte, welches in Erinnerung an Hannibals Elefanten das Glück wenden sollte, kamen erste Zweifel auf, ob diese Rechnung aufgeht.

So nahm das Manöver rund um und auf dem Goffersberg seinen Lauf. Die Kadetten, versteckt in den Wäldern griffen an und bald wechselten die Freischaren ihre Taktik in hinhaltenden Kampf. Der Speaker auf der Schützenmatte liess sich gar zu Aussage verleiten, die Kadetten seien fies. Da merkte rasch einmal jeder, auf wessen Seite sein Herz schlug.

Noch verbreitete er Hoffnungsparolen, musste aber bald eingestehen, dass die disziplinierten Kadetten die Schlaufe um die Freischaren immer enger zogen. Schön war es mit anzusehen, welch farbenfrohe Bilder die Akteure lautstark in die Landschaft des Schlossbergs malten.

Mit dem Aufmarsch rund um die Burg, versuchten die Freischaren das Manöverglück auf der Schützenmatte noch zu wenden, ihre Kanonen feuerten aus allen Rohren. Reiterei, Stahlrösser (Radfahrer) drehten eine imposante Runde und schon griffen die Freischaren an.

Allerdings hatten sie nicht mit der disziplinierten Abwehr der Kadetten gerechnet. Was blieb da in der Not noch übrig? Der Kriegsberichterstatter hat es mit eigenen Augen gesehen. In ihrer grössten Verzweiflung zündeten zwei Freischaren ihre Burg an. Lieber kein Schloss als ein verlorenes Schloss. So nahm das Manöverspiel seinen Lauf, grossmundige Ankündigungen und Geheimwaffen führten zu keinem Erfolg. Der General und sein Adjutant hissten die weisse Flagge und traten vor den Kadettenhauptmann und seine Entourage. «Wir geben auf, verlangen freien Abzug und etwas zu Trinken und Essen.»

Kadettenhauptmann Andrin Taubert nahm aus den Händen des Generals dessen Säbel in Empfang. Einmal mehr hatten die Kadetten, so wie es die Tradition seit dem Jugendfest von 1852 festschreibt den Sieg davongetragen. Und die Freischaren? Sie warten auf die neue Gelegenheit zum Siegen im Juli 2018.

Historischer Hintergrund: Manöver und Landschaftstheater seit 1852

Der Ursprung des farbenfrohen Spektakels auf der Schützenmatte in Lenzburg liegt über 150 Jahre zurück. Um 1852 finden im Zusammenhang mit Manöverübungen am Jugendfestnachmittag erstmals Freischaren Erwähnung. Die Kadettenkorps entstanden in der Schweiz bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Ein mehrstündiger militärischer Unterricht wurde damals den Knaben der Oberstufe geboten. Das Kadettenwesen bekam einen immer sportlichen Inhalt, wurde aber 1972 im Aargau aufgehoben. Seither lebt das Kadettenkorps in Lenzburg alle zwei Jahre wieder kurz auf. Ein freiwilliges Korps, mittlerweile nehmen auch Mädchen teil, bereitet sich in der Jugendfestwoche vor, dem Treiben der Freischaren Einhalt zu gebieten. Engagierte Lenzburgerinnen und Lenzburger haben eine heute in der Bevölkerung breit verankerte Tradition am Leben erhalten. Das Landschaftstheater wird jeweils zum Anziehungspunkt für Tausende von Zuschauern. (psi)