«Wir haben den Jackpot noch nicht geknackt», sagt Lukas Häusler. Der junge Bio-Bauer steht auf der Weide oberhalb des Mooshofs am Fusse des Goffersbergs in Lenzburg. Mit Jackpot meint er das Brüten des Wiedehopfs, ein seltener Vogel, der in unseren Gegenden nicht mehr verbreitet ist. Der Natur- und Vogelschutzverein Lenzburg (NVSVL) will dem Vogel hier wieder ein Zuhause geben. Im letzten Mai hat der NVSVL zusammen mit Häusler 10 Nistplätze am Goffersberg eingerichtet. Dieses Jahr sind weitere 15 dazugekommen. Die Nistplätze sollen den Wiedehopf zum Brüten animieren. «Es wäre eine Sensation, könnten wir dem Wiedehopf in Lenzburg wieder eine Heimat geben», sagte er vor einem Jahr beim Start des Projekts (az berichtete). Ist ihm die Sensation gelungen? «Es gab bis jetzt noch kein Brutpaar», muss Häusler verneinen. Aber nach einem Jahr schon Resultate sehen zu wollen, sei eher unrealistisch. «Erst nach 20 Jahren ist es sinnvoll, ein Fazit zu ziehen.»

Trotzdem war sein Engagement keine vergebene Liebesmüh. Der Wiedehopf wurde in diesem Jahr zweimal in der Nähe des Hofes gesichtet. Häusler hat vor einem Jahr schon Plakate aufgestellt, mit denen der Wiedehopf im Stil eines Steckbriefes gesucht wird. Sichtungen des seltenen Vogels sollen sofort gemeldet werden. Das passierte dann auch: Im April entdeckte ihn eine Spaziergängerin. Er sass direkt neben seinem Steckbriefschild. Das zweite Mal wurde Häusler selbst auf den Vogel aufmerksam. Im Mai vernahm der kundige Hobby-Ornithologe den Ruf des Wiedehopfs. Häusler hofft, dass der Vogel die Lage ausgekundschaftet hat, um in näherer Zukunft zum Brüten zurückzukehren. «Ich bin zuversichtlich», sagt er. Der Ruf sei von den Nistkästen hergekommen, so falsch seien sie mit der Platzierung der Brutmöglichkeiten also nicht gelegen. «Der Ort könnte stimmen».

Der Wiedehopf war in den 60er-Jahren im Mittelland weit verbreitet. Intensive Landwirtschaft beinträchtige seinen Lebensraum, weshalb sein Bestand rapide sank. Dieser erholt sich nun langsam, der Wiedehopf gilt nicht mehr als stark gefährdete, sondern als verletzliche Art. Zwischen 2007 und 2011 gab es in der Schweiz etwa 190 bis 230 Brutpaare, vorwiegend im Walliser Rhonetal.