Birrwil
Das Jugendfest als dreitägige Zeitreise ins Mittelalter

Am Jugendfest vom Wochenende begibt sich das Dorf auf eine Zeitreise: Das Motto lautet «Birrwil – a. D. 1264 – Graf Rudolf kommt».

Fritz Thut
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Verantwortliche des Birrwiler Jugendfestes, in der Mitte Gemeindeammann Verena Christen, werben in Mittelalter-Gewändern für den Anlass vom Wochenende.

Verantwortliche des Birrwiler Jugendfestes, in der Mitte Gemeindeammann Verena Christen, werben in Mittelalter-Gewändern für den Anlass vom Wochenende.

Fritz Thut

Während weiter unten im Seetal, in Boniswil und Seon, am Wochenende Jugendfeste mit traditionellem Umzug anstehen, taucht man in Birrwil für drei Tage ein ins Mittelalter. «Bei uns gibt es alle fünf Jahre ein Jugendfest. Die Schüler können jeweils Vorschläge zum Thema machen; da gibt es jeweils eine lange Liste», schildert Mauro Mungo als Präsident des Organisationskomitees die Vorgeschichte zu dieser Zeitreise in die Vergangenheit des Dorfes.

Das gewählte Thema Mittelalter wurde konkretisiert in das etwas unhandliche Motto «Birrwil – a. D. 1264 – Graf Rudolf kommt». Hintergrund und Details des dreitägigen Festes wurden an einer Medienorientierung im Primarschulhaus präsentiert. Die Tatsache, dass man da von einem Quintett in historischen Gewändern empfangen wurde, zeigt, wie ernst man das Motto in Birrwil nimmt.

Mit von Partie war Gemeindeammann Verena Christen und ihre Gemeinderatskollegin Jeanette Plangger. Auch beim Gemeindeoberhaupt ist die Vorfreude gross: «Es soll ein Wochenende werden, wie es das Dorf noch nie erlebt hat. Dazu wird ‹Berbu› während dreier Tage ins Mittelalter zurückversetzt.»

OK-Präsident Mungo will der Bevölkerung «bewusst machen, wie es hier war im Mittelalter». Dies obwohl recht wenige Details bekannt sind über die Geschichte von Beriwillare, wie Birrwil in den ersten Aufzeichnung aus dem 12. Jahrhundert geheissen wurde.

Mit dem Jugendfest-Wochenende tauchen die Birrwiler jedoch ein ins 13. Jahrhundert, als der Ort ein Lehen der Kyburger war.

Huldigung und Tafeley

Nachgespielt wird der Einzug von Graf Rudolf I. von Habsburg, dem später römisch-deutschen König und Mitbegründer der Habsburg-Dynastie. Sein Mündel, Anna von Kyburg, erbte noch minderjährig Birrwil. Ob Rudolf I. je in Birrwil war, ist nicht nachgewiesen, doch dies hindert niemand, am Samstag-Morgen eine Huldigung zu inszenieren.

Fachtechnisch beraten wurden die Birrwiler Organisatoren vom Zähringervolk Burgdorf, einer Gruppe von geschichts- und theaterinteressierten Frauen und Männern. Hier holte man sich das Wissen zu Kleidern und Bräuchen der damaligen Zeit.

Die Schüler dürfen am Freitagabend in Zelten mittelalterlich übernachten und am Samstag nach dem Empfang Rudolfs sind sie – zusammen mit einigen Gästen – zur Tafeley eingeladen, einem mittelalterlichen Mittagsschmaus. Garniert wird das Ganze mit umfangreichen Mitmach- und Erlebnisangeboten, einem Mittelalter-Markt und Demonstrationen, etwa von grossen Steinschleudern namens Blide.

Parkplätze sind nur eingeschränkt vorhanden und den Festbesuchern wird empfohlen, «für ein authentisches Erlebnis auf Gewohnheiten der heutigen Zeit zu verzichten». So bleibt vielleicht das Mobiltelefon für einmal daheim.