Dintikon

«Das ist ein frühes Weihnachtsgeschenk für uns»

Gemeindehaus und Mehrzweckhalle Dintikon

Gemeindehaus und Mehrzweckhalle Dintikon

Eine sechsköpfige Familie aus Russland wurde an der Gmeind im zweiten Anlauf eingebürgert

Verstohlen wischen sich Adlan Ayskhanov und seine Frau Eliza Ayskhanova eine Träne aus den Augen. Sie wendet sich zum Publikum, das in der Mehrzweckhalle sitzt und sagt leise: «Danke vill Mol.»

Die Erleichterung ist dem Ehepaar anzumerken. Erleichterung, dass es das Schweizer Bürgerrecht nun doch noch bekommt. Auch wenn dazu zwei Anläufe nötig waren. Wenige Minuten zuvor hatten die Dintiker an der Gemeindeversammlung vorgestern Abend das Einbürgerungsgesuch der Familie aus Russland mit ihren vier Töchtern gutgeheissen. Mit 74 Ja und 20 Nein. Gleichzeitig war auch eine Familie mit drei Kindern aus Deutschland eingebürgert worden. Diesem Antrag hatten 90 Personen zugestimmt.

Regierungsrat hiess Rekurs gut

Wenn alles glatt läuft, erregen Einbürgerungen heutzutage keine grosse Aufmerksamkeit, sie sind Teil unseres demokratischen Rechtsstaates.

Doch hier liegt der Fall etwas anders: Vor Jahresfrist an der Wintergmeind hatten die Dintiker Stimmbürger in den Medien für Aufsehen gesorgt, als sie zwei Familien, darunter der Familie Ayskhanov, die Einbürgerung verweigerten. Dies, obwohl die formalen Bedingungen erfüllt waren und auch der Gemeinderat das Gesuch zur Annahme empfahl. Daraufhin hatte das Ehepaar beim Regierungsrat gegen den Entscheid erfolgreich rekurriert. Aus formellen Gründen wurde in Aarau der Beschluss der Gemeindeversammlung aufgehoben. Einbürgerungen unterlägen verfassungsmässigen Verfahrensgarantien und seien zu begründen, lautete die Erklärung des Regierungsrates. Dieser Begründungspflicht sei die Gemeindeversammlung nicht nachgekommen, obwohl der Gemeinderat vor der Abstimmung ausdrücklich darauf hingewiesen hatte. Auf diesen Sachverhalt hatte der Gemeinderat auch am Dienstag wieder explizit aufmerksam gemacht.

Irrtum aufklären

In der anschliessenden kurzen Diskussion wollten einzelne Stimmbürger mehr über die Familie erfahren, als im «Gmeindsbüechli» enthalten war. Im Saal war für kurze Zeit eine leise Anspannung spürbar, als Gemeindeammann Ruedi Würgler zur Abstimmung schritt. Diese fiel mit drei Viertel der anwesenden Stimmen deutlich aus.

Aufatmen bei der Familie, die nach der Abstimmung mit einem kurzen Applaus wieder im Saal empfangen wurde. «Wir sind dankbar; das ist ein frühes Weihnachtsgeschenk», sagte Adlan Ayskhanov.

Sie wolle die alte Geschichte nicht mehr aufrollen, antwortete Eliza Ayskhanova auf die Frage, weshalb die Familie den negativen Bescheid vor einem Jahr nicht einfach akzeptiert habe, sondern beim Regierungsrat dagegen Beschwerde erhob. Sie habe beim knappen Resultat gespürt – es ging um eine Differenz von 3 Stimmen – dass ein Irrtum vorliege. «Ich war mir sicher, dass es sich bei der Abstimmung um ein Missverständnis gehandelt hat. Deshalb wollten wir heute anwesend sein und uns den Leuten zeigen.»

Auch Gemeindeammann Ruedi Würgler zeigte sich erleichtert. «Ich bin froh, dass die Stimmbürger dem Antrag des Gemeinderates gefolgt sind.»

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