Sintflutartige Regenfälle, Strassen, die sich in reissende Bäche verwandeln und unzählige vollgelaufene Keller – der Bezirk Lenzburg war am Mittwoch besonders stark vom Unwetter betroffen. Am schlimmsten hat es die Gemeinden Othmarsingen, Hendschiken und Möriken-Wildegg erwischt. Ein vergleichbares Ausmass an Unwetterschäden hat die Feuerwehr in den letzten Jahrzehnten nie erlebt.

In ganz Möriken-Wildegg wurden rund 50 Keller überflutet. Der Gehrenweg in Möriken hat sich vorübergehend in einen reissenden Bach verwandelt. Ebenfalls unter Wasser stand die Strassenunterführung in Wildegg Richtung Veltheim. Die Feuerwehr war bis zum Abend damit beschäftigt, die Wassermassen aus der Unterführung abzupumpen.

Zum sechsten Mal überflutet

Laut Anwohnern ist dies bereits das sechste Mal innerhalb der letzten Jahre, dass diese Unterführung in Wildegg überflutet wurde. Ein Wildegger erklärte gegenüber «Tele M1»: «Die Unterführung war ursprünglich ein Bachbett.» Man habe dann dort eine Strasse durchgebaut und diese Breite fehle dem Bach jetzt. Eine Überflutung der Unterführung sei halt die Konsequenz, «wenn Petrus meint, er müsse etwas Wasser runterlassen».

Im Mai 2015 ist der Aabach letztmals über seine Ufer getreten und hat die Unterführung geflutet. Die Wassermassen bedrohten auch die neue Überbauung Jurapark gleich nebenan. Mit Sandsäcken konnte die Feuerwehr das Schlimmste verhindern. Damals liess die kantonale Abteilung für Tiefbau verlauten, man werde Massnahmen treffen, welche die Kantonsstrasse künftig besser vor Hochwasser schützen sollte. Und nun ist es wieder passiert. Denn: Eine konkrete Lösung, wie eine Hochwassersituation künftig werden kann, gibt es noch nicht. «Planungsansätze sind vorhanden, entschieden ist aber noch nichts», sagt Markus Zumsteg, Leiter der Sektion Wasserbau beim kantonalen Departement für Bau, Verkehr und Umwelt. «Ein möglicher Lösungsansatz ist die Erhöhung der Mauer zwischen Bach und Strasse.»

Zuständig für Wasserschäden in Möriken-Wildegg ist die regionale Feuerwehr Chestenberg. Für Vize-Kommandant Roger Häusermann war das Ausmass der Unwetterschäden ein Novum: «Meines Wissens hat es solch massive Überschwemmungen in den letzten 30 oder 40 Jahren nie gegeben.» Die Feuerwerk Chestenberg betreut auch Niederlenz. Dort sind die Anwohner vom ebenfalls nicht verschont worden. Am Mittag hat es dermassen stark geregnet, dass der Fussballplatz und die umliegenden Felder – die sich am höchsten Punkt von Niederlenz befinden – das Wasser nicht schlucken konnten. Es strömte deshalb die Rössligasse hinunter und flutete 30 bis 35 Keller.

Man hilft sich gegenseitig

Noch schlimmer als in Möriken-Wildegg und Niederlenz waren die Unwetterschäden gestern in Othmarsingen und Hendschiken. Aus diesen beiden Gemeinden sind bei der Kantonspolizei Aargau die meisten Schadensmeldungen eingegangen.

Auch in Hendschiken wurden Strassen vorübergehend zu Bächen, Keller liefen voll und Felder wurden überschwemmt. Glück hatten die Hendschiker Bauern. Keiner der angefragten Höfe vermeldete Ernteausfälle, wie das beispielsweise in Dottikon der Fall ist. Der Kommandant der regionalen Feuerwehr Maiengrün, Thomas Spinner, hatte auch gestern, am Tag nach dem Unwetter, noch alle Hände voll zu tun. Bis zum Abend war die Feuerwehr Maiengrün unterwegs, um Wasser und Schlamm aus den überfluteten Kellern zu pumpen. Sie wurde unterstützt von den Feuerwehren der Nachbarregionen. Man hilft sich gegenseitig. Spinner pflichtet seinem Kollegen von der Feuerwehr Chestenberg bei: «Derart gravierende Unwetterschäden habe ich hier noch nie gesehen.»

Vergleichsweise glimpflich davongekommen ist die Stadt Lenzburg. Überflutet wurde dort die Schützenmattwiese, sagt der Kommandant der Regio Feuerwehr Lenzburg, Roger Strebel. «Das Wasser floss von der Schützenmattwiese auf die Niederlenzer Strasse. Wir mussten sie für vier Stunden sperren.»