Die Vision des Architekten Beat Ullmann, welcher selber einen Teil der Liegenschaft bewohnt, ist der Betrieb des Hächlerhauses als «Kulturdrehscheibe». Zumindest bis zu einer definitiven Vermietung des Erdgeschosses als eine Art «Zwischenlager».

So war das geräumte Versicherungsbüro während des letzten Winters willkommener Rückzugsraum und Garderobe für die Filmdreharbeiten «Mord hinter dem Vorhang» in der Altstadt mit der kürzlich verstorbenen Schauspielerin Stephanie Glaser.

«Darlings Loop» nach Madrid

Jetzt dient das Lokal zwei Kunststudenten an der Fachhochschule für Gestaltung Luzern für ihr Projekt Austauschatelier. Marco Baltisberger und Timo Ullmann sind in der Szene keine Unbekannten. So präsentierten sie an der Jahresausstellung 2010 im Aargauer Kunsthaus die Performance und Installation «Darlings Loop». Ein ähnlicher Event wurde dieser Tage beim Hächlerhaus öffentlich zelebriert.

Der Abend dämmert. Marco sitzt in seinem Atelier an der Leuengasse 21 in Lenzburg, Timo weilt gleichzeitig an der Calle Doctor Pigon 4, 3b, in Madrid. Sie kommunizieren miteinander optisch und akustisch, über das Internet verschmelzen virtueller und reeller Raum zu einem Aktionsort. Das vorwiegend jugendliche Lenzburger Publikum sieht und hört mit via Schaufenster.

Thematisiert wird der Austausch über Distanz, Raum und Zeit, per Skype mithilfe von Kameras und Projektoren im Massstab 1:1 zusammengeführt.

«Das war Ping-Pong mit Tönen», versucht Timo Ullmann dem Laien die «Geräuschkunst» zu erklären; er verbringt ein Austauschsemester an der Kunstschule in Madrid und ist anderntags heimgekommen.

Für Marco Baltisberger ist Einrichtung und Betrieb des Ateliers im Hächlerhaus die Semesterarbeit an der Fachhochschule. Als Plattform hat er teilweise das Objekt «Asyl» von Sabine Trüb, Aarau, verwendet, ebenfalls im Kunsthaus ausgestellt. Es ist ein Floss, schwimmend im Eismeer, wirkt fragil, sperrig, schwankt beim Betreten, ist aber einigermassen stabil. Der gesellschaftlich-politische Bezug ist spürbar.

Strassenlärm gegen Vogelgesang

Und was für Töne wurden nun ausgetauscht? Schlicht der Strassenlärm von Madrid, der durchs offene Fenster drang. Da ging der Vogelgesang aus dem Süden bald einmal unter, die Motoren machten die Musik. Elektronisch hin und her geworfen, verändert sich durch Datenverlust der Geräuschteppich laufend, und als nach einer Viertelstunde wieder Amseln flöten, sind es diejenigen von Lenzburg. Der abendliche Event wird wiederholt am Mittwoch, 13. April, von 20.30 bis 20.45 Uhr; und vermutlich tönt dann alles wieder ganz anders.

Als Nächstes präsentiert Peter Fischer vom 11. Juni bis Ende August 2011 im Hächlerhaus einige seiner Projektionsmaschinen in Erdgeschoss und Kellerräumen.