Lenzburg
«Das gute Ergebnis ist nicht nachhaltig»

Die Stadt legt einen Top-Abschluss vor – trotzdem hebt Finanzministerin Möhl den Mahnfinger

Ruth Steiner
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Präsentieren erstmals gemeinsam die Jahresrechnung: Vizeammann Franziska Möhl und Finanzchef Marc Lindenmann.

Präsentieren erstmals gemeinsam die Jahresrechnung: Vizeammann Franziska Möhl und Finanzchef Marc Lindenmann.

Chris Iseli

Von einem rabenschwarzen Tag für das Weltgeschehen sprach Vizeammann Franziska Möhl mit Blick auf die jüngsten Anschläge in Brüssel. Im beschaulichen Lenzburg jedoch herrschte gestern bei der Präsentation der Jahresrechnung der Stadt eitel Sonnenschein.

Das «Unternehmen Lenzburg» hat im letzten Jahr 6,6 Mio. Franken Gewinn erwirtschaftet. Damit steigt das Nettovermögen der Stadt auf 8,3 Mio.. Pro Einwohner entspricht das 901.60 Franken.

Vor Jahresfrist, als Lenzburg erstmals seit der statistischen Erfassung der Vermögenssituation schwarze Zahlen vorwies, hatte die Schatzmeisterin jedoch vor allzuhohen Erwartungen gewarnt. Die Situation werde sich im Hinblick auf die geplanten Investitionen rasch wieder ändern. Vorerst aber sprechen die vorliegenden Zahlen eine andere Sprache. Möhl bekennt denn auch: «Wir haben vor einem Jahr nicht damit gerechnet, das Ergebnis von 2014 noch toppen zu können.» Wenn das so ist: Hat man in Lenzburg etwa zu konservativ budgetiert? Möhl lacht und winkt ab. «Die Ertragsrechnung gibt uns recht, dass unsere Zahlen realistisch waren.»

Finanzchef Marc Lindenmann, der den Jahresabschluss zum ersten Mal verantwortete, bestätigt dies. Das unerwartet positive Ergebnis verdanke man vor allen der Ausgabenseite. Konkret einem rigorosen Kostenmanagement in der Verwaltung, deren Kosten mit 2,5 Mio. Franken um 8,4 Prozent unterschritten wurden, und budgetierten Investitionen, die zeitliche Verzögerungen erfahren haben. Dazu gehören die Bautätigkeit auf dem Schulcampus Lenzhard, wo Investitionen von 1,7 Mio. Franken erst im laufenden Jahr verbucht werden können und die Lärmschutzwand an der Aarauerstrasse, ein Bauprojekt des Kantons wird erst jetzt gebaut. Daran muss sich die Stadt mit einer halben Million Franken beteiligen. Ebenso wurde die Sozialhilfe dank verschiedener Rückzahlungen mit 500 000 Franken weniger belastet als vorgesehen. Zudem flossen 1,7 Mio. Franken aus einer einmaligen Rückzahlung der Investitionsbeiträge in die Kasse der Abwasserrechnung.

Speziell erwähnt Möhl die Regionalpolizei Lenzburg, bei der sich die Auswirkungen der Fusion mit der Repol Seetal nun in der Rechnung niederschlagen. Bisher habe die Repol 30 Prozent der Gesamtkosten aufgezehrt. Dank fusionsbedingter Synergieeffekte habe dieser Betrag auf knapp über 10 Prozent gesenkt werden können.

Künftige Steuererträge ungewiss

Vizeammann Möhl warnt denn auch vor allzu hohen Freudensprüngen. «Das gute Ergebnis wird nicht nachhaltig sein.» Anlass zur Sorge bereitet der Finanzministerin die Entwicklung bei den Steuereinnahmen. Und sie betont, die einzelnen Steuerpositionen widerspiegelten deutlich die aktuelle Wirtschaftslage. Und diese sieht nicht gerade rosig aus. Am deutlichsten bemerkbar machte sich dies im Berichtsjahr bei der wichtigsten Ertragsquelle der Stadt, den Einkommens- und Vermögenssteuern natürlicher Personen. Mit 25,6 Mio. Franken lagen diese rund 1,2 Mio. Franken oder 4,4 Prozent unter dem budgetierten Wert von 26,8 Mio. Franken. Auch bei den Aktiensteuern konnte das letztendlich positive Ergebnis von 5,1 Mio. Franken (+ 5,6 Prozent) erst im Schlussspurt erreicht werden. Die Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie die Nachsteuern und Bussen lagen deutlich über Budget. Erfahrungsgemäss sind diese Positionen stets grossen Schwankungen unterlegen. Für Vizeammann Möhl ist klar: Auch bei steigender Bevölkerungszahl wird sich der Verlauf der Steuererträge verflachen. Zudem sei das Sparpotenzial in der Verwaltung nun ausgeschöpft, «ausgepresst wie eine Zitrone», so Möhl. Weitere Einsparungen würde die Qualität der Dienstleistungen reduzieren. Die Finanzministerin bezeichnet 2016 deshalb als «Gradmesser, wie es um die Lenzburger Finanzen tatsächlich steht.»

Schulden wegen Schulhäusern

Bei der aktuellen Vermögenslage von 13 Mio. Franken und dem laufenden Investitionsplan ist klar, dass sich das Blatt schon bald wieder wenden wird. Die vom Volk bewilligten 25,5 Mio. Franken in Schulhausbauten im Lenzhard und im Bleicherain kommen in den kommenden drei Jahren zum Tragen. Für diese Bauvorhaben wird sich Lenzburg wieder verschulden müssen.