6,8 Millionen Franken investiert die Credit Suisse Real Estate Fund Living Plus, ein Immobilienfonds der Credit Suisse AG, Zürich, in einen Neubau an der Bahnhofstrasse. Der viergeschossige Bau mit Gewerberäumen im Erdgeschoss und 18 Wohnungen komplettiert das bereits vor Jahren gestartete Living-Plus-Projekt der Credit Suisse, welches einen neuartigen professionellen Dienstleistungsservice umfasst. Von den rund 70 Mietern in der bereits bestehenden Überbauung nutzt etwa jeder fünfte Mieter diese Dienste, die teilweise extra berappt werden müssen: Pflanzen giessen, Briefkasten leeren und kräftiges Durchlüften der Wohnung bei Ferienabwesenheit gehören dazu.

Keine zusätzlichen Parkplätze

Das neue Gebäude mit einer Länge von knapp 50 Metern wird zwar nur noch gut einen Drittel so lang wie die vor sechs Jahren parallel zum Bahndamm erstellte Baute mit ihren satten 140 Metern. Projektverfasser ist die Gautschi Leupin Schenker Architekten AG, Aarau.

Der Neubau kommt direkt an die Bahnhofstrasse zu stehen. Das bedeutet, dass der leicht abfallende Hang von der bestehenden Villa Fischer zur Strasse und die davor stehende Mauer abgetragen werden müssen.

Im Erdgeschoss wird Gewerbe einquartiert, in den drei darüber liegenden Geschossen werden sechs 3,5-Zimmer-Wohnungen und zwölf 2,5-Zimmer-Wohnungen gebaut. Sie sind über zwei Treppenhäuser erschlossen. Jede Wohnung verfügt über eine Loggia, die gegen Süden offen sind.

Für die Hausfassade ist eine Holzkonstruktion mit Betonelementen vorgesehen, was dem Gebäude einen öffentlichen Charakter verleihen soll.

Explizit will man darauf verzichten, für die 18 geplanten neuen Wohnungen das Parking-Angebot weiter auszubauen. Das ist offenbar nicht nötig. Gemäss den heutigen Normen habe es genügend Autoabstellplätze, heisst es beim Bauamt Lenzburg. Laut Christoph Schnegg, Abteilungsleiter Hochbau, hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, «dass Leute, die in dieser unmittelbaren Nähe zum Bahnhof oftmals gar kein Auto mehr besitzen.»

Hingegen denkt man darüber nach, entlang der Längsachse des Neubaus direkt an der Bahnhofstrasse einen Mehrzweckstreifen einzurichten. Hier könnten Kurzzeitparkings für Auto erstellt werden, was den Kontakt mit dem künftigen Gewerbe und die An- und Auslieferung erleichtern würde. Eine entsprechende Realisation hängt jedoch von der ebenfalls geplanten Neugestaltung der Bahnhofstrasse ab. Diese wird spruchreif, wenn die grössten Neubauten an der Bahnhofstrasse fertig sind.

Ende einer Ära

Das Neubau-Projekt der Credit Suisse bedeutet einen markanten Einschnitt in das aktuelle Erscheinungsbild an der Bahnhofstrasse. Es beendet gleichzeitig das Ende der über 130 Jahre alten Ära Baugeschäft Fischer in Lenzburg.

Gleichzeitig mit der Projektauflage beantragt die Credit Suisse nämlich den Abbruch der Villa Fischer. Vom einst umfangreichen Gebäudekomplex des alteingesessenen Baugeschäfts ist sie am Schluss noch übrig geblieben. Die andern Gebäude sind dem Ausbau des SBB-Geleises im Gexi und der ersten Etappe der Credit Suisse-Überbauung gewichen. Die Max Fischer AG ist schon vor Jahren ins Hetex-Areal nach Niederlenz gezogen. Nun verschwindet auch noch die letzte Zeitzeugin des Baugeschäfts an der Bahnhofstrasse. Noch ist die Villa belebt, doch werden die Bewohner wohl schon bald ihre Koffer packen und eine neue Bleibe suchen müssen.

Villa nicht schutzwürdig

Die alte Villa stehen zu lassen, stand nicht zur Debatte. Sie wurde von den städtischen Gremien als nicht schutzwürdig befunden. Auf Anfrage sagt Christoph Schnegg: «Die Villa steht weder unter Kantonalem Denkmalschutz, noch ist sie auf der gemäss rechtskräftiger Bauordnung aktuellen Liste kommunal schutzwürdiger Bauten verzeichnet.» Und weiter: «Der Stadtrat sieht – gestützt auf die Beurteilung der Stadtbildkommission – durch einen Strassen begleitenden Neubau aus städtebaulicher Sicht die Chance, einerseits dem kommunal schützenswerten ehemaligen ‹Hitachi-Gebäude› ein ebenbürtiges Gegenüber zu bieten, anderseits die südseitig auf der anderen Strassenseite stehende Villa Bahnhofstrasse 17 durch den entstehenden Freiraum über die Strasse hinweg zu stärken.»

Stärkung Achse Stadt bis Bahnhof

Mit andern Worten: Das Neubau-Projekt passt in die Strategie der räumlichen Entwicklung der Stadt Lenzburg, die eine Aufwertung der Achse von der Stadt an den Bahnhof vorsieht. Die entsprechenden planerischen Instrumente wurden in einem Mitwirkungsverfahren mit der Bevölkerung in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet.

Die Credit Suisse will sich während der Baugesuchsphase zum geplanten Projekt nicht äussern und verweist auf die derzeit laufende Projektauflage auf dem Lenzburger Bauamt.