Schafisheim
Das Ende der Giesserei: Zwölf Ferrum-Mitarbeitende verlieren ihren Job

Vor gut einem Jahr feierte man erst noch das 100-jährige Bestehen und Regierungsrat Urs Hofmann zeigte sich beeindruckt vom erfolgreichen Aargauer Konservendosen-Hersteller. Doch nun schliesst die Ferrum AG ihre Giesserei in Schafisheim Ende August. Damit geht eine lange Tradition zu Ende.

Nadja Rohner
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Die Ferrum AG war vor 100 Jahren in Rupperswil durch den Zusammenschluss einer Giesserei und einer Maschinenfabrik entstanden. Und nun gibt die Firma eins ihrer einstigen Kerngeschäfte auf. Die Ferrum hat entschieden, ihre Giesserei am Standort Schafisheim zu schliessen.

Es kommt nicht überraschend, und doch schmerzt es für die Betroffenen. Schon anlässlich der Firmen-Jubiläumsfeier vor gut einem Jahr hatte Manfred Ladurner, langjähriger Leiter der Giesserei, die schwierige Lage angetönt – der Konkurrenzkampf sei gross, viele Auftraggeber würden ins kostengünstige Ausland auswandern. In der Schweiz gab es zu diesem Zeitpunkt noch sechs Giessereien im Stil der Ferrum. Die Firma giesst auf Auftrag, etwa für die ABB.

Doch per Ende August 2018 ist Schluss: Die Ferrum habe «beschlossen, sich aus dem Giessereigeschäft zurückzuziehen», schrieb die Firma gestern in einer Medienmitteilung. «Die Giessereiaktivitäten haben in den letzten Jahren weniger als 10 Prozent zum Umsatz der Ferrum AG beigetragen, uns aber fortlaufend Sorgen bereitet. Der Giessereimarkt Schweiz ist seit vielen Jahren rückläufig, Strukturanpassungen sind dringend nötig.»

Die Ferrum AG habe zwar eine aktive Rolle in der Konsolidierungsphase eingenommen, was aber nicht den angestrebten Erfolg gebracht habe. Man wolle sich nun auf die Wachstumschancen in den Hauptgeschäften konzentrieren. Für das Giessereigeschäft werde man künftig mit der Benninger Guss AG (Uzwil SG) zusammenarbeiten. «Zahlreiche Mitarbeiter haben die Möglichkeit erhalten, bei der Benninger Guss AG zu arbeiten», sagt CEO Andreas Kunzmann.

Mehrere weitere Mitarbeitende werde man für andere Aufhaben innerhalb der Ferrum einsetzen, für andere bestehe die Möglichkeit einer frühzeitigen Pensionierung. «Trotzdem mussten wir heute schweren Herzens zwölf Kündigungen aussprechen», lässt sich der CEO in der gestrigen Medienmitteilung zitieren. «Diese Mitarbeiter werden wir aber finanziell unterstützen, sie im Veränderungsprozess aktiv begleiten und ihnen bei der Stellensuche helfen», versichert Andreas Kunzmann.

Die Uzwiler Firma Benninger Guss übernimmt, sofern diese das wünschen, die Kunden der Ferrum AG. Ihnen werde angeboten, «im Verlaufe des Sommers von einem gesicherten Know-how-Transfer Gebrauch zu machen». Die Ostschweizer Firma ist bereits seit 1873 im Giessereigeschäft tätig, mittlerweile in der fünften Generation.

Deren Verwaltungsratspräsident Charles Peter sagt: «Wir sind seit Jahren freundschaftlich mit Ferrum verbunden und werden uns dafür einsetzen dass die Kunden der Ferrum-Giesserei bei uns dieselben hoch qualitativen Dienstleistungen erhalten werden.»

Gross im Dosen-Geschäft

Die Ferrum bleibt der Region trotz Giesserei-Schliessung erhalten. Sie beschäftigt insgesamt rund 500 Mitarbeitende und verfügt über Standorte in Rupperswil und Schafisheim sowie in den USA (Houston, Havre de Grace), Indien (Mumbai) und China (Kunshan). Die Firma bezeichnet sich in der Medienmitteilung als «Weltmarktführerin im Dosenverschliessgeschäft und spezialisierte Nischenanbieterin von Separationstechnologien.