Seetal/Wynenthal

Das «Dorfheftli» expandiert in weitere Gemeinden

Erfolgreich mit ihren «Dorfheftli» (v.l.): Heinz Barth, Thomas Moor und Hans Ruedi Eichenberger

Erfolgreich mit ihren «Dorfheftli» (v.l.): Heinz Barth, Thomas Moor und Hans Ruedi Eichenberger

In bereits sieben Gemeinden der Region Seetal und Wynental erscheint jeden Monat ein individuelles «Dorfheftli» der Reinacher Artwork AG. Nun sollen weitere Dörfer dazustossen. Das Team von Heinz Barth ist damit auf Erfolgs- und Expansionskurs.

Heinz Barth ist ein schneller Denker und umtriebig dazu. Innert weniger Tage stampfte der Werber aus Beinwil am See im Frühjahr 2011 den «Böjuer» aus den Boden, das «neue monatliche Informationsmagazin für Beinwil am See». Damit brachte er die Macher der bestehenden Dorfzeitung, die seit über 30 Jahren in Beinwil erscheint, arg ins Schwitzen (siehe Text rechts unten). Inzwischen hat sich Heinz Barths «böjuer.ch» unter dem neuen Namen «Dorfheftli» etabliert und ist die klare Nummer 1 in der Gemeinde.
Die sieben «Dorfheftli» der Reinacher Artwork AG

Die sieben «Dorfheftli» der Reinacher Artwork AG

Das war erst der Anfang. Wenige Monate darauf lancierte Heinz Barths Artwork AG mit Sitz in Reinach weitere Dorfzeitungen nach gleichem Muster in Menziken, Reinach, Boniswil und Seengen. Im Mai 2012 stiess Meisterschwanden dazu, Anfang 2013 Leutwil. Damit erscheint heute unter dem Titel «Dorfheftli» in sieben Gemeinden monatlich eine individuelle Dorfzeitung mit Gemeinderatsnachrichten, Artikeln über Anlässe und anderen Informationen aus dem Dorfleben.
Zur «Dorfheftli»-Familie dürften bald weitere Dörfer im Wynental und Seetal hinzustossen. «Es laufen Verhandlungen mit einem halben Dutzend Gemeinden», sagt Heinz Barth. «Unser Ziel ist, die auf der Landkarte verstreuten ‹Dorfheftli›-Gemeinden auf ein zusammenhängendes Gebiet zu erweitern, was journalistisch sinnvoll und für die Inserenten attraktiv ist.» Bereits heute erscheinen in den verschiedenen «Dorfheftli» auch deckungsgleiche Artikel, die überregional interessieren, darunter Tipps der Regionalpolizeien.

Ein neues «Dorfheftli» wird nur lanciert, wenn der entsprechende Gemeinderat einverstanden ist. Widerstände gibt es kaum, denn das Konzept ist eine Win-Win-Situation: Die Bevölkerung erhält frei Haus eine Dorfzeitung, die Inserenten eine Werbeplattform, der Gemeinderat kann über aktuelle Geschäfte informieren – und die «Dorfheftli»-Macher verdienen damit Geld. Letzteres jedoch noch spärlich, denn die «Dorfheftli» werfen kaum Geld ab. «Nicht alle Gemeinden haben ein starkes Gewerbe, das bei uns inserieren kann», erklärt Heinz Barth, dessen Werbeagentur durch die Expansion der «Dorfheftli» innert zwei Jahren von zwei auf sechs Personen gewachsen ist.

Starke Online-Strategie

Nebst Heinz Barth als Gründer und Aussendienstmitarbeiter Hans Ruedi Eichenberger steht das «Dorfheftli» vor allem für einen Namen: Thomas Moor. Wo immer in den sieben Gemeinden musiziert, debattiert und gefeiert wird, ist der Redaktor und Fotograf für das «Dorfheftli» mit dabei. Vor allem am Abend und Wochenende steht Thomas Moor im Dauereinsatz. «Es ist zeitlich und organisatorisch aufwendig, gleichzeitig sieben Gemeinden abzudecken, aber auch spannend», sagt Moor. «An einem Wochenende kommen schnell einmal sieben bis zehn Veranstaltungen zusammen.»

Der einmonatige Erscheinungsrhythmus wirkt dabei nur vordergründig als lockeres Arbeitsumfeld: Kaum ist eine Veranstaltung vorbei, veröffentlicht Thomas Moor erste Fotos auf Facebook. Am nächsten Tag werden Text und Fotos auf der «Dorfheftli»-Internetseite publiziert. «So können wir trotz monatlichem Erscheinungsrhythmus aktuell berichten», erklärt Heinz Barth.

Gutes Echo von Gemeinderäten

In den Gemeinden kommt das an. «Neben dem ‹Wynentaler Blatt› als offizielles Publikationsorgan ist das ‹Dorfheftli› für uns ein wichtiges Medium, um die Bevölkerung zu informieren», sagt Peter Lenzin, Gemeindeammann von Beinwil am See. In der Bevölkerung habe das monatliche Dorfmagazin eine grosse Akzeptanz. Lenzin: «Wir arbeiten deshalb eng mit der Redaktion zusammen.»

Auch in der Seetaler Gemeinde Leutwil stösst das «Dorfheftli» auf Interesse. «Für uns ist dieses ein Gewinn», so Gemeindeammann Walter Scheurer. Einige Bürger würden jedoch bedauern, dass das frühere Infoblatt der Gemeindekanzlei durch das «Dorfheftli» ersetzt wurde, das zwar vierfarbig und regelmässiger erscheint, dafür jedoch mit Werbung daherkommt. «Im Grossen und Ganzen ist das ‹Dorfheftli› aber etwas Gutes», so Walter Scheurer.

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