Seengen

Das «Brestenberg» bekommt ein neues Dach

Das ehemalige Schlosshotel Brestenberg wartet weiterhin auf einen Märchenprinzen.

Das ehemalige Schlosshotel Brestenberg wartet weiterhin auf einen Märchenprinzen.

Die Seetaler trauen ihren Augen kaum: Beim ehemaligen Schlosshotel Brestenberg in Seengen sind seit dieser Woche Handwerker aktiv. Es handelt sich um die ersten Bauarbeiten seit 1994 am zum Dornröschenschloss verkommenen einstigen Vorzeigeobjekt.

Die Dachdeckerarbeiten sind jedoch nicht etwa Vorboten einer umfassenden Sanierung vor einer allfälligen Reaktivierung des brachliegenden Gebäudes aus dem frühen 17. Jahrhundert. Vielmehr sollen mit den Regie-Arbeiten dieser Woche weitere Schäden an der Bausubstanz und den eingelagerten Kunstschätzen verhindert werden.

«Es regnete rein»

Dass nun, wenige Monate, nachdem sich ein weiterer Anlauf zur Wiederbelebung des einstigen Prunkschlösschens zerschlagen hat, überhaupt etwas gemacht wird, ist in erster Linie Schlosswartin Ursula Netzer zu verdanken. Sie hat mit unermüdlichen Interventionen bei ihrem Vorgesetzten, dem Winterthurer Immobilienmagnaten Bruno Stefanini, der via die «Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte» seit 1984 Besitzer des «Brestenberg» ist, den Einsatz der Dachdecker erreicht.

Die örtliche Dachdeckerfirma Franz Widmer hat von den Stiftungsexponenten in Winterthur den Auftrag erhalten, das Dach über der Wohnung der Schlosswartin zu isolieren und neu zu decken. Vier Mitarbeiter sind seit Montag mit diesem Auftrag beschäftigt.

«Es hat schon seit einiger Zeit reingeregnet», schildert Ursula Netzer die eigentlich unhaltbaren Zustände. Ihr liegt aber nicht in erster Linie ihr eigenes Wohl am Herzen, sondern das Schicksal der eingelagerten Kunstwerke und die Substanz des ehemaligen Schlosshotels, in dem beispielsweise im letzten Jahrhundert viele Exponenten der Aargauer Hautevolee ihr Hochzeitsfest feierten.

Fortsetzung folgt – oder nicht?

Die aktuellen Arbeiten an einem eng eingegrenzten Dachteil gelten offensichtlich als Testlauf für eventuelle weitere Dachreparatur-Arbeiten an für Passanten viel augenfälligeren Stellen, etwa auf dem Nordwestflügel, der einen wirklich heruntergekommenen Eindruck macht.

Neben den steten Bitten von Ursula Netzer gab es wohl weitere Auslöser dieser ersten Arbeiten seit dem von Stefanini 1994 verhängten Baustopp. Ein lange nicht beantworteter Brief der kantonalen Denkmalpflege nach einem Augenschein vor Ort (az Aargauer Zeitung vom 5. August 2010) und jüngst ein geharnischtes Schreiben aus dem Seenger Gemeindehaus haben wohl Wirkung erzielt. Ob die Besitzer-Stiftung allerdings weitere Mittel gegen die vollständige Verlotterung des denkmalgeschützten Gebäudes freigibt, bleibt offen.

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