Niederlenz
Das Aus für die Gartenbauschule – nach 110 Jahren

Die Gemeinnützigen Frauen lösen die Trägerschaft für die Gartenbauschule auf. Die Gründe sind finanzieller Natur.

Ruth Steiner
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Das Aus für die Gartenbauschule.
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Gartenbauschule Niederlenz
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BBZ3600417
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Sandra Ardizzone

«Hundert Jahre in voller Blüte», titelt die Chronik zum hundertjährigen Bestehen der Schweizerischen Gartenbauschule vor zehn Jahren. Doch damit es nun vorbei. Schon bald blüht in Niederlenz nichts mehr.

Die Schweizerischen Gemeinnützigen Frauen verabschieden sich aus der Verantwortung für die ehemalige Gartenbauschule und das heutige Berufsbildungszentrum Niederlenz (BBZ). Mit grossem Mehr haben sie an der ausserordentlichen Generalversammlung vom Dienstag im alten Gemeindesaal in Lenzburg dem Antrag des Dachverbandes auf Aufhebung der Trägerschaft per Ende Schuljahr 2018/19 stattgegeben.

Dabei täuscht das klare Resultat darüber hinweg, dass die Versammlung über weite Strecken hinweg emotional geführt wurde und eher chaotischen Charakter hatte. «Es ist ein Trauerspiel», hiess es aus Mitgliederkreisen, man habe so etwas noch nie erlebt. Barbara Ducceschi, Vorstandsmitglied der Aargauischen Gemeinnützigen Frauen (AGF), formulierte es so: «Ich bin enttäuscht, wie unwillig die Frauen auf Diskussionen reagiert haben, Voten keinen Platz geben wollten. Schliesslich geht es hier um eine gute, wertvolle Institution.»

Bis zum Schluss hatten die Sympathisantinnen der Werke Niederlenz, allen voran der AGF, für ein Weiterbestehen gekämpft. Doch blieben ihre Gegenanträge auf «Nichteintreten auf das Geschäft» ebenso wie die «Rückweisung des Geschäfts und Umsetzung des an der SGF-Jahresversammlung 2012 beschlossenen Massnahmenplans» chancenlos. Keine Gnade vor den zahlreich aus der ganzen Schweiz angereisten Mitgliedern fand auch der dritte Antrag auf «Errichtung einer unabhängigen Stiftung», in welche sämtliche Aktiven und Passiven der Werke Niederlenz überführt worden wären. Das von Doris Lüscher aus Uster gestellt Gesuch unterlag am Schluss mit 89 zu 160 Stimmen der Trägerschaftsauflösung.

Vorwurf der Misswirtschaft

Die Gründe, welche den SGF zu diesem Schritt zwingen, sind primär wirtschaftlicher Natur. Man habe Verständnis für alle, die für die Werke Niederlenz gekämpft haben. Doch würden die Vorstellungen über die Zukunft auseinanderdriften. «Das BBZ kämpft für die Schule, der SGF kämpft für seine Zukunft, welche es zu sichern gilt», erklärte SGF-Zentralpräsidentin Béatrice Bürgin. Tatsächlich präsentiert sich die finanzielle Situation des Dachverbands alles andere als rosig. Es bestehen Verpflichtungen von rund vier Millionen Franken. Die Sanierungen der Werke Niederlenz würde weitere Millionen verschlingen. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Ein neuer Zentralvorstand hat im Frühling die Reissleine gezogen und die Auflösung der Trägerschaft beantragt. Es nützte wenig, dass BBZ-Schulvorstandsmitglied Markus Schaffer den schwarzen Peter dem Zentralvorstand zuschob, indem er ihm eine schlechte Bewirtschaftung der Liegenschaften durch Aufschiebung des Unterhalts vorwarf.

Kanton kürzt Beiträge erneut

Für die verbleibenden Trägerschaftsjahre wird der SGF finanziell in die Verantwortung genommen. Vor wenigen Tagen hat der Kanton angekündigt, seine Beiträge an das BBZ bereits zum nächsten Schuljahr 2017/2018 um zwei Drittel zu kürzen. Er hat die Einrichtung bisher grösstenteils finanziert. Diese Zusatzbelastung sei für den Verband nicht tragbar, man werde das Gespräch mit dem Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) suchen. Man wolle eine gute Lösung bis zum Ende des Schuljahres 2018/2019 finden, die es allen Lernenden ermögliche, ihre Ausbildung abzuschliessen. Auch die Mitarbeitenden sollen Zeit haben, sich eine neue berufliche Perspektive aufzubauen, versprachen die SGF-Verantwortlichen am Dienstag.

Zu Kernaufgaben zurückfinden

«Ich bin persönlich erleichtert über den Entscheid», sagte SGF-Zentralpräsidentin Béatrice Bürgin am Schluss der Veranstaltung. «Eine Epoche geht zu Ende. Indem er sich von seinem letzten eigenen Werk trennt, schreibt der SGF Geschichte.» Nun könne man sich in Zukunft wieder seinen Kernaufgaben, den frauenpolitischen Themen und den Sektionen, widmen.