Seengen

Das angelieferte Abwasser ist zu sauber für die Bio-Reinigung

Betriebsleiter Theo Rölli und Verbandspräsident Eduard Frey neben den neuen Bio-Becken der Abwasserreinigungsanlage Hallwilersee in Seengen.

Betriebsleiter Theo Rölli und Verbandspräsident Eduard Frey neben den neuen Bio-Becken der Abwasserreinigungsanlage Hallwilersee in Seengen.

Die Sanierung der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Hallwilersee hat Halbzeit. Grösster Brocken ist die Bio-Reinigung. Diese muss mehr Regenwasser bewältigen können.

Die ARA im Seenger Schlatt ist derzeit eine Baustelle. Neben dem eigenen Personal sind zahlreiche Arbeiter im Einsatz, die die sogenannten Werterhaltungsmassnahmen ausführen, die sicherstellen, dass die Anlage auch in Zukunft die Auflagen erfüllen kann.

Im Jahre 2012 genehmigten die angeschlossenen zehn Gemeinden eine erste Sanierungstranche und bewilligten dafür den jeweiligen Gemeindeanteil an die Totalkosten von 5,6 Millionen Franken.

Dieses von 2012 bis 2017 zu realisierende Paket umfasst verschiedene Bereiche wie den Ersatz von Steuerung und Prozessleitsystem (fürs alte erhielt man keine Ersatzteile mehr), die Verstärkung der Zufahrt von Hallwil her oder Vorrichtungen für die Schlammbehandlung.

Rückstand beim Trennsystem

Mit Kosten von rund 2,7 Millionen Franken ist die «Ertüchtigung und Erweiterung der Biologischen Reinigungsstufe» der mit Abstand grösste Einzelposten der gegenwärtig laufenden Sanierung. Hier hat man sich für einen grundsätzlichen Systemwechsel für die in zwei sogenannten Strassen ausgeführte Biofiltration entschieden.

Die ARA Hallwilersee steht vor speziellen Herausforderungen, da das angelieferte Schmutzwasser «zu dünn» ist. «So komisch das tönt: Wir haben ein Problem, weil wir zu sauberes Abwasser angeliefert bekommen», hält Eduard Frey, der Präsident des Trägerverbandes fest.

Ein Grund dafür ortet Frey beim in vielen Gemeinden noch nicht realisierten Trennsystem: «Eigentlich müsste Regenwasser separat erfasst und abgeleitet werden. Dies ist vielerorts noch nicht der Fall.» 

Mehr Oberfläche für Bio-Stufe

Das Regenwasser in der Kanalisation erhöht die Abwassermenge beträchtlich und verdünnt sie. Schon vor 15 Jahren hat man bei der ARA Hallwilersee diese Problematik erkannt und für die biologische Reinigungsstufe eine eigene Verfahrenstechnik, die Biofiltration, gewählt.

Doch die Bevölkerungsentwicklung der angeschlossenen Gemeinden und zudem ein Befall mit abwasserresistenten Schnecken sorgten für eine Überforderung des Systems. «Wir sind viel schneller gewachsen als ursprünglich angenommen», so Frey.

Mit einem neuen Trägermaterial für die aktive Biomasse will man die Kapazität auf die mittelfristig erforderlichen 22 000 Einwohnerwerte erhöhen: «Als neue Basis dienen Blähtonkugeln, die eine wesentlich grössere Oberfläche aufweisen», sagt Betriebsleiter Theo Rölli.

Diese Umstellung bedingt eine Anpassung der Gebläse und Abwasserpumpen. Dafür – dies ist ein finanzieller Vorteil – können die bestehenden Betonbecken weitgehend übernommen werden.

Zweite Tranche noch offen

Obwohl gewisse Arbeiten wetterabhängig sind, «liegen wir zur Halbzeit der Sanierungsetappe im Fahrplan», so ein Präsident Frey. Ob die für 2018 bis 2022 vorgesehen zweite Tranche mit einem voraussichtlichen Finanzbedarf von bis zu 10 Millionen Franken noch angegangen wird, lässt Frey angesichts von Projektideen in wesentlich grösseren Dimensionen offen.

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