Othmarsingen
Das älteste Geburtshaus der Schweiz zieht nach einem Jahr in Othmarsingen Bilanz

Vor einem Jahr ist das «Storchenäscht» mit der neuen Leiterin Anita Arnet von Lenzburg nach Othmarsingen umgezogen. Der Storch hat seinen Weg ins neue Geburtshaus definitiv gefunden.

Elia Diehl
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Gründerin Doris Erbacher (r.) und Leiterin Anita Arnet sowie der Storch fühlen sich im neuen «Storchenäscht» in Othmarsingen wohl. Emanuel Freudiger

Gründerin Doris Erbacher (r.) und Leiterin Anita Arnet sowie der Storch fühlen sich im neuen «Storchenäscht» in Othmarsingen wohl. Emanuel Freudiger

An der Bahnhofstrasse 11 in Lenzburg erinnert nichts mehr ans «Storchenäscht». 30 Jahre führte die 65-jährige Gründerin Doris Erbacher hier das älteste Geburtshaus der Schweiz. Das Haus, in dem seit 1984 über 5000 Kinder geboren wurden, ist längst Geschichte – nicht aber das «Storchenäscht». Seit einem Jahr sind das Geburtshaus und die neue Leiterin Anita Arnet in Othmarsingen zu Hause.

Die letzte Geburt in Lenzburg war am 26. Mai 2012, wenige Tage vor dem Umzug. «Die Kinder gönnten uns eine kurze Zügelpause», sagt Anita Arnet. Ein gutes Omen für den Neustart. Die Eltern des letzten Lenzburger Storchenkindes kamen aus Othmarsingen.

Bereits am 2. Juni, einen Tag nach Eröffnung, brachte die erste Mutter ihr Kind an der Hendschikerstrasse 12 zur Welt. Seither sind innert eines Jahres über 100 Kinder dazugekommen. «Der Storch ist auch in Othmarsingen aktiv und arbeitet gut», sagt die 29-jährige Hebamme zufrieden.

Neben dem Wohnzimmer wird gebärt

Das «Storchenäscht» ist im Haus mit den orange-braunen Fensterläden nur eingemietet. Anita Arnet kaufte es privat, als sie die Leitung des Geburtshauses übernahm. Nach dem Umbau der drei Wohnungen befinden sich im Parterre nun zwei Gebärzimmer, ein Wohnzimmer und eine Küche.

Im ersten Stock hat Arnet vier individuell gestaltete Wochenbettzimmer eingerichtet, jedes in einer anderen Farbe. Ein kleiner Garten hinter dem Haus lädt Mütter und Familien zum Verweilen ein. Das Geburtshaus ist zwar kleiner und jünger geworden, aber am Grundkonzept hat Arnet nichts geändert. «Die Frau soll sich ungezwungen und wie zu Hause fühlen.»

Arnet und zwei weitere Hebammen werden dabei von Doris Erbacher unterstützt. «Ich bin noch immer zu 75 Prozent als Hebammen-Grossmutter hier», sagt die Besitzerin schmunzelnd. Noch kümmert sie sich um die administrativen Aufgaben, ihr Wunsch wäre aber, dass Arnet die AG einst kaufen und «weitere 30 Jahre weiterführen wird».

Finanziell stand es um das Unternehmen noch nie so gut. Seit 1992 steht das Geburtshaus zwar ununterbrochen auf der Spitalliste, aber erst seit der Revision des Krankenversicherungsgesetzes 2012 wird das Geburtshaus auch teilsubventioniert.

Die Hebammen verdienen dadurch im «Storchi» nun annähernd so viel wie in einem Spital. «Der Kanton ist uns wohlgesinnt, die Frauen wollen uns und Kinder gibts immer», sagt Erbacher.

Sowohl die Lenzburger Kundschaft als auch die rund 50 Prozent Erstgebärenden haben den neuen Standort gut angenommen. So gut, dass es nach einem Jahr zum ersten Jubiläum fürs neue «Storchenäscht» kommt: Im Juli wird erstmals eine Frau zum zweiten Mal in Othmarsingen gebären.