Minergiestandard
Dank Sanierung: Vorbildlichstes Geschäftshaus der Schweiz gehört einer Bank

Das NAB-Gebäude in Lenzburg ist frisch saniert worden. Schweizweit ist es nun das erste mit Minergie-A-Standard – es soll ein Leuchtturm sein für Energieeffizienz.

Ruth Steiner
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Mike Geissmann, Geschäftsstellenleiter NAB Lenzburg, Regierungsrat Stephan Attiger, NAB-Geschäftsleitungsmitglied Roberto Belci und Christian Röthenmund, Geschäftsführer Minergie Schweiz (v.l.), bei der Zertifikatsübergabe.

Mike Geissmann, Geschäftsstellenleiter NAB Lenzburg, Regierungsrat Stephan Attiger, NAB-Geschäftsleitungsmitglied Roberto Belci und Christian Röthenmund, Geschäftsführer Minergie Schweiz (v.l.), bei der Zertifikatsübergabe.

Alex Spichale

Mike Geissmann, Leiter der Geschäftsstelle der Neuen Aargauer Bank Lenzburg, ist froh, dass die manchmal schier unerträglich heissen Temperaturen im Büro der Vergangenheit angehören: «Im Sommer hat die herkömmliche Glasfassade auf der Ostseite das Gebäudeinnere derart aufgeheizt, dass Kundengespräche am frühen Nachmittag praktisch unmöglich waren. Wir wurden sozusagen zu einer unfreiwilligen Siesta verdonnert», sagt er augenzwinkernd.

Nun ist das 25-jährige Bankgebäude nach neusten Erkenntnissen der Energieeffizienz im Minergie-A-Standard saniert und erneuert worden – als erstes Verwaltungsgebäude der Schweiz. Gestern durften die Vertreter der in der Region tätigen Tochter der Credit Suisse dafür von Regierungsrat Stephan Attiger, Vorsteher Departement Bau, Verkehr und Umwelt Kanton Aargau, das Minergie-A-Label in Empfang nehmen. «Ich freue mich, dass wir damit im Aargau ein Musterbeispiel in Sachen Steigerung der Energieeffizienz auszeichnen können», sagte Attiger.

Das spreche für den Aargau und dessen Status als Energiekanton. Nirgendwo sonst in der Schweiz bestehe eine derart hohe Dichte an Energietechnologie wie im Aargau, betonte der Regierungsrat. «Ich freue mich jedoch besonders, dass gerade in einer Bank, jenem Wirtschaftszweig, wo sonst vor allem Renditen und Gewinne zu Hause sind, in diesem Masse über Nachhaltigkeit und Ressourcen nachgedacht worden ist.» Natürlich müsse auch bei einer Sanierung nach Minergie-Standard die Kosten-/Nutzenrechnung am Schluss aufgehen. Doch sei klar, dass eine derartige Massnahme als langfristiges Engagement zu betrachten sei: Bei der Sanierung müsse zwar mehr investiert, doch könne anschliessend im Unterhalt gespart werden.

Zertifikat steigert Gebäudewert

Der Minergie-Standard, gab sich Attiger überzeugt, hat Auswirkungen auf die Marktattraktivität des Gebäudes: «Der Marktwert von einem zertifizierten Gebäude steigt.»

Im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 des Bundes verwies der Vorsteher des Departments Bau, Verkehr und Umwelt auf das grosse Energiesparpotenzial im Gebäudebereich. «Hier wird 50 Prozent der Energie verbraucht», sagte Attiger. Kann dieser Bedarf nicht gesenkt werden, so ist seines Erachtens «die Energiestrategie 2050 kaum umsetzbar». Für die NAB die Auszeichnung möglich gemacht hat die Kombination aus einer optimalen Gebäudehülle auf Minergie-P-Niveau und einer energieeffizienten Gebäudetechnik nach Minergie-A. Mit dem Bau einer Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach wurde die zwei Jahre dauernde Bauphase in diesem Jahr abgeschlossen.

Dabei bestand die Herausforderung für die Fachleute darin, die charakteristische Architektursprache der Gebäudehülle nicht zu verändern. Das markante Bankgebäude direkt am Bahnhof ist leicht geschwungen und hat auf seiner Ostseite eine vollflächig transparente Glasfassade.

Gebäudecharakteristik erhalten

Die Baute entspricht heute einem «Nearly Net Zero Energy Building», das Haus in Lenzburg produziert seinen Energieverbrauch jedoch vollständig aus eigenen Ressourcen. «Für die NAB ist diese Sanierung ein Pilotprojekt, für die Bank ein Leuchtturm für Energieeffizienz», sagte Peter Elste, bei der Credit Suisse und den Töchtern zuständig für Umweltmanagement.

Roberto Belci, Geschäftsleitungsmitglied der NAB, betonte, der Bank sei eine ökologische Nachhaltigkeit ebenso wichtig wie die wirtschaftliche. Er zeigte auf, dass die NAB bei der Modernisierung ihres Geschäftsstellen-Netzes grossen Wert auf die Schonung der Ressourcen legt. Der kürzlich renovierte Regionensitz in Rheinfelden entspricht ebenso dem Minergie-Standard wie der Neubau, in dem die NAB Bremgarten Ende November ihre neue Geschäftsstelle eröffnen wird.

Zufrieden ist nun auch Geschäftsstellenleiter Mike Geissmann. Er und seine Berater können jetzt im Sommer wieder Kundentermine vereinbaren, ohne vorher einen Blick auf die Wetterprognosen werfen zu müssen.

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