Heute bezieht die Gemeinde Meisterschwanden das benötigte Trinkwasser aus der Grundaufwasseraufbereitungsanlage Delphin sowie aus verschiedenen Quellen.

Beim Quellwasser zeichnet sich jedoch ab, dass sowohl die Quantität als auch die Qualität für den Bedarf der wachsenden Gemeinde nicht mehr genügen wird. Auch die Grundwasseraufbereitung beim «Delphin» wird längerfristig nicht mehr ausreichend sein.

Aus diesem Grund plant die Gemeinde Meisterschwanden das erste und wohl einzige Seewasserwerk im Kanton Aargau. Seit Freitag und noch bis zum 14. Oktober liegt das dazugehörige Baugesuch bei der Gemeindeverwaltung auf.

Dies nur zehn Wochen, nachdem die Gemeindeversammlung am 27. Juni dem Baukredit von über 6,9 Millionen Franken ohne Gegenstimme bewilligt hatte.

Wasser anderen Gemeinden anbieten

Für das Seewasserwerk wird zum einen ein Rohwasserpumpwerk benötigt, das zwingend in der Nähe des Seeufers gebaut werden müsse, wie es im Baugesuch heisst. Als optimal dafür hat sich eine bisher ungenutzte Parzelle neben dem Strandbad herausgestellt.

Diese liegt in der Spezialzone Hallwilerseeschutzdekret (Bauten und Anlagen, die der Allgemeinheit dienen, sind dort gestattet), ist gut zugänglich und das Land gehört bereits der Gemeinde Meisterschwanden.

Die Aufbereitungsanlage entsteht neben dem Fussballplatz.

Die Aufbereitungsanlage entsteht neben dem Fussballplatz.

Von aussen wird nicht viel vom Rohwasserpumpwerk zu sehen sein. Es erstreckt sich über drei unterirdische Geschosse und nur der Zugang zum Pumpwerk befindet sich an der Oberfläche. Dieser wird zudem mit einer Hecke umpflanzt und somit für Spaziergänger nicht auffallend sein, wie Urs Weiss, Leiter Bau und Umwelt der Gemeinde Meisterschwanden, erklärt.

Das Wasser wird ungefähr 300 Meter vom Ufer entfernt in 25 Metern Tiefe aus dem See gepumpt. Das Seewasserwerk wird gemäss einer Expertise keinen messbaren Einfluss auf den Pegel des Hallwilersees haben, wie der Seewasserwerk-Experte Markus Haller an der Gemeindeversammlung im Juni erklärte: «Wir trinken den See nicht leer.»

Die Aufbereitung des Wassers wird in der Seewasseraufbereitungsanlage stattfinden. Diese befindet sich einige hundert Meter entfernt, neben dem Sportplatz. Man habe ursprünglich auch geprüft, ob man die Anlage näher bei der Pumpe bauen wolle, sich jedoch unter anderem aufgrund des Landschaftsbildes für den Fussballplatz entschieden, so Urs Weiss.

Das Rohwasserpumpwerk und die Aufbearbeitungsanlage werden durch zwei Transportleitungen verbunden, die Leitungen können dafür in die gemeindeeigene Strasse verlegt werden. Eine Leitung wird von der Aufbereitungsanlage hinunter zum See gebaut.

Das Seewasserwerk entsteht, um den Wasserbedarf der Gemeinde Meisterschwanden auch über die nächsten Generationen decken zu können – aber nicht nur. Über eine Seeleitung soll in Zukunft Wasser an die umliegenden Gemeinden verkauft werden.

Sowohl Fahrwangen als auch Seengen haben laut Gemeindepräsident Ueli Haller schon Interesse angemeldet. Die Kosten für das Trinkwasser aus dem Hallwilersee würden sich auf höchsten 85 Rappen pro Kubikmeter belaufen, so der Gemeindepräsident.

Mit dem Bau des Seewasserwerks will der Gemeinderat gleich an mehreren Fronten Lösungen finden, wie er in einer diese Woche versandten Pressemitteilung schreibt. Man löse so das Problem mit dem klimabedingten Einbruch der Quellerträge, wie auch das der zu hohen Nitratwerte in den Quellfassungen von Meisterschwanden.

Gleichzeitig erhoffe man sich, mit der Aufbereitungsanlage künftige Herausforderungen – nicht voraussehbare Verunreinigungen, zum Beispiel durch Pestizide – besser meistern zu können.

«Wenn alles optimal läuft, hoffen wir, dass wir im Januar 2020 die Baubewilligung erhalten und im Herbst mit dem Bau beginnen können», so Urs Weiss. Wenn auch die Bauphase planmässig abläuft, könnten die Meisterschwander bereits im Frühling 2022 aufbereitetes Hallwilerseewasser trinken.