Gemeindepräsidentin Ruth Imholz Strinati (44) ist richtig begeistert. Von Brunegg sowieso. Aber ganz speziell vom Dorfladen. Dieser hat sein erstes ganzes Betriebsjahr hinter sich. «Er ist definitiv eine tolle Erfolgsgeschichte», schwärmt Ruth Imholz Strinati. «Wir haben das Budget übertroffen.»

Dazu beigetragen hat der Bancomat, dessen Betrieb noch defizitär ist. Er soll Passanten motivieren, anzuhalten – und nicht nur Bargeld zu beziehen, sondern einen (kleinen) Teil davon auch gleich im Laden auszugeben. Denn, so Ruth Imholz Strinati: «Brunegg ist zu klein für einen Dorfladen. Alleine mit unserer Bevölkerung könnten wir ihn nicht halten. Wir sind darauf angewiesen, dass Vorbeifahrende einen Einkaufs-Stopp machen.»

Wachstumsschub

Brunegg hat heute gut 800 Einwohner. Es dürften in absehbarer Zeit gegen 900 werden. Denn die neun Gebäude der Siedlung Breitacher sind zwar fertig gebaut, aber erst zur Hälfte bezogen. Ruth Imholz Strinati erwartet von der Überbauung insgesamt 150 Neuzuzüger.

Brunegg als Wohndorf mit hoher Lebensqualität? Viele Passanten nehmen das nicht so wahr. Für sie besteht Brunegg aus den Gewerbebauten (Chicorée, Lekkerland Sulser, Vianco Arena), die sie beim Vorbeifahren von der A1 aus sehen. Die grossen Hallen haben auch einen Vorteil: Sie halten den Strassenlärm ab.

«Die eingesessenen Brunegger sind sehr offen gegenüber Neuzuzügern.» Ruth Imholz Strinati weiss das aus eigener Erfahrung. Die Zürcherin zügelte 2009 ins Dorf, wurde als Parteilose 2013 erstmals in den Gemeinderat gewählt, ist seit 2015 Gemeindepräsidentin – und das mit Leib und Seele. «Ich habe noch keinen einzigen Tag bereut», sagt Ruth Imholz Strinati. «Gemeindeammann ist für mich nicht ein Job, sondern meine Berufung.» Und der Dorfladen eine grosse Herzensangelegenheit.

1996 landesweite Pioniertat

Der Brunegger Laden war schon vor über zwanzig Jahren etwas Spezielles. 1996 wurde dort ein landesweites Pilotmodell gestartet. Die Kombination eines Dorfladens mit einer Post – heute ist so etwas bekannt und stark verbreitet als «Post-Agentur». Die Zusammenarbeit Volg-Post brachte nicht den erhofften Erfolg. Am 30. April 2002 ging in Brunegg die Post ab – und der gelbe Reise ist seither im Dorf nicht mehr vertreten. Ende 2013 war dann auch der Volg nicht mehr zu halten, die Zeit eines Ladens mit einem kleinen Vollsortiment definitiv vorbei.

Es begannen Übergangsjahre mit einem Verkaufswagen der Bäckerei-Konditorei Lehmann (Schinznach-Dorf), ehe anfangs Dezember 2016 der heutige Laden eröffnet werden konnte. Wieder betrieben von den Lehmanns. Nicht nur als Bäckerei mit ausgebautem Sandwich-Sortiment, sondern auch mit gewissen Fleischwaren, einem angegliederten, unkonventionellen Café und einer Ecke, in der Einheimische ihre Produkte verkaufen. Geführt bis am Dienstag vom jungen Armin Lehman. Er hat den Laden jetzt plangemäss verlassen. Neue Filialleiterin ist Daniela Ferkovic.

Bancomat als Standortförderung

«Der Laden ist ganz wichtig für die Standortförderung von Brunegg», erklärt Ruth Imholz Strinati. Und der angegliederte Bancomat sei so etwas wie eine Marketingmassnahme, seine Kosten letztendlich darum unter dem Titel der Standortförderung abzubuchen. Ohne Subventionierung würde keine Bank im Dorf einen Bancomaten aufstellen.

Brunegg hat in der Valiant einen Partner gefunden, der es vergleichsweise kostengünstig macht. Wenn die Zahl der Geldbezüge hoch ist, muss die Gemeinde weniger einschiessen. Ab einer gewissen Schwelle wird der Bancomat sogar ganz gratis. Für dieses Jahr hat Brunegg 15 000 Franken für den Bancomaten budgetiert. Der Souverän hat den Betrag bewilligt. Man kann sich den Bancomaten leisten. Brunegg hat einen vergleichsweise tiefen Steuerfuss von 99 Prozent.