Möriken-Wildegg
Dank Bakterien gelangen 50 Prozent weniger Abwasser in die Aare

Die Abwasserreinigungsanlage Langmatt erneuert ihre Klärbecken und hofft, bis im nächsten Sommer 50 Prozent mehr Abwasser reinigen zu können als bisher. Bakterien haben dabei eine wichtige Rolle inne.

Hanny Dorer
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Das erste der fünf Klärbecken (rechts) funktioniert bereits mit derverbesserten Technologie, zwei sind gegenwärtig in Arbeit, zweiweitere (links) sind nächstes Jahr an der Reihe. DO

Das erste der fünf Klärbecken (rechts) funktioniert bereits mit derverbesserten Technologie, zwei sind gegenwärtig in Arbeit, zweiweitere (links) sind nächstes Jahr an der Reihe. DO

Die steigende Belastung der ARA Langmatt macht eine Kapazitätssteigerung unumgänglich. Da aufgrund der Platzverhältnisse eine Vergrösserung der Schwachlastbiologie nur schlecht möglich und der Zustand der bestehenden fünf Klärbecken gut ist, hat man sich für eine Kapazitätserhöhung durch Umrüstung auf ein Hybridverfahren entschieden.

In der ARA werden in einem ersten Schritt die festen Stoffe in feinmaschigen Gittern zurückgehalten. In einem zweiten Schritt werden die schweren Industrieverunreinigungen entfernt und in einem dritten Schritt schliesslich die restlichen, noch schwachen Schmutzresten mittels Mikroorganismen in der sogenannten Schwachlastanlage beseitigt

Vor einem Jahr wurde die Modernisierung in Angriff genommen. Die Zwischenbilanz fällt positiv aus: «Sowohl der Terminplan als auch das Budget werden eingehalten», stellt SWL-Direktor Markus Blättler fest. Der budgetierte Betrag von 5,2 Mio. Franken werde voraussichtlich nicht einmal ausgeschöpft.

Kapazitätsreserven für 20 Jahre

Eines der fünf Klärbecken funktioniert bereits mit der verbesserten Technologie, zwei werden gegenwärtig erneuert und zwei befinden sich noch im alten Zustand. Wenn die gesamten Arbeiten im Sommer 2014 abgeschlossen sind, wird die ARA 50 Prozent mehr Abwasser reinigen können als bisher. «So schaffen wir Kapazitätsreserven für die nächsten 20 Jahre.»

Die aktuelle Bauphase ist die heikelste der ganzen Erneuerung, muss doch der normale Betrieb während der ganzen Bauzeit aufrechterhalten werden. Weil erst ein Becken erneuert ist und dank der neuen Technologie effizienter arbeitet, gleichzeitig jedoch zwei Becken ausser Betrieb sind, beträgt die Reinigungsleistung insgesamt nur 70 Prozent. Dennoch seien bisher keine Probleme aufgetreten, erklärt Reto von Schulthess, Fachmann für Siedlungswasserbau des Ingenieurunternehmens Holinger AG. «Die ARA reinigt zuverlässig wie immer das gesamte Schmutzwasser der angeschlossenen Gemeinden», bestätigt er.

Mehr nützliche Bakterien

Die Modernisierung sorgt dafür, dass sich in der Schwachlastanlage mehr nützliche Mikroorganismen wie Bakterien ansiedeln. Diese binden die Schmutzstoffe im Wasser und reinigen es dadurch. In den erneuerten Becken erhalten die Mikroorganismen eine grössere Oberfläche, an der sie sich anheften können. Dazu werden die Becken dreigeteilt und mit sogenannten Aufwuchskörpern, einer Art Chips mit Gitterstruktur, gefüllt. Neue energieeffiziente Turbogebläse sorgen dafür, dass die Aufwuchskörper im Wasser durchmischt und die Organismen mit genügend Sauerstoff versorgt werden.

Die ersten Betriebserfahrungen mit dem erneuerten Becken beweisen, dass sich die Kombination dieser Massnahmen bewährt. Die Reinigungsleistung wird wie geplant verbessert und führt zu hervorragenden Abwasserwerten. «Die moderne Technologie sorgt also nicht nur dafür, dass mehr Wasser gereinigt werden kann – es fliesst auch mit noch besserer Qualität als bisher zurück in die Aare», bringt Direktor Blättler das Resultat auf den Punkt.

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