Das an den Regierungsrat adressierte Schreiben mit Absender «Gemeindeverband Lebensraum Lenzburg Seetal» (LLS) will man in Lenzburg nicht als Antwort auf die Aktivitäten aus den andern Regionen verstanden wissen. Im Gegensatz zum Fricktal und der Region Zofingen (mit einer Motion von Herbert H. Scholl), welche schon jetzt für die Beibehaltung ihrer Berufsschulen auf der politischen Ebene aktiv geworden sind – noch bevor sich der Regierungsrat offiziell zur Berufsschulstandortreform hat verlauten lassen –, konzentriert man sich in Lenzburg darauf, in einem Brief die Bedeutung sowohl der gewerblich-industriellen Berufsschule als auch des KV für die Region nochmals herauszustreichen.

«Die gewerblich-industrielle Berufsschule und das KV sind wichtig für die Region», fasst der LLS-Präsident und Lenzburger Stadtammann Daniel Mosimann zusammen.

Ansonsten will man den Entscheid aus Aarau abwarten. Im März will der Regierungsrat offiziell bekannt geben, wie er die Berufsschullandschaft im Kanton Aargau in Zukunft gestalten will. Bereits sind jedoch einige Details dieser Schulstandortreform durchgesickert. In den Regionen macht sich deshalb offensichtlich Nervosität breit. Trotzdem will man sich in Lenzburg nicht in den Reigen der übrigen Player einreihen. Im Gegenteil: Man zeigt sich beim LLS «befremdet» über das Vorgehen der andern Regionen. «Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass zuerst die Antwort des Regierungsrats auf einen politischen Vorstoss abgewartet werden sollte, bevor man einen neuen lanciert», erklärt Mosimann die Haltung von LLS und Stadt Lenzburg.

Gar nicht gut angekommen ist in Lenzburg der Inhalt des Vorstosses aus Zofingen im Grossen Rat. Darin wehrt sich Zofingen gegen die offenbar vorgesehene Abgabe der Maschinenbau-Lernenden an die Berufsschule Lenzburg und schlägt vor, den Spiess umzukehren. Für dieses Vorgehen braucht Mosimann markige Worte: «In dieser Motion wird explizit auf den Standort Lenzburg gezielt. Das Kompetenzzentrum Lenzburg wird infrage gestellt. Das können wir so nicht stehen lassen.»

Im Schreiben an den Regierungsrat, das der AZ vorliegt, hat der LLS die Bedeutung des Standorts Lenzburg für die Maschinenbau-Ausbildung besonders hervorgehoben. «Mit der Berufsschule Lenzburg verfügt der Kanton Aargau bereits heute über ein echtes Kompetenzzentrum für die Ausbildung im Maschinenbau», heisst es da. Zudem würden aktuell alle überbetrieblichen Kurse der swissmecanic-Unternehmen in Lenzburg durchgeführt. Im Brief ebenso erwähnt wird ein breites Angebot in der Berufsmaturität der Berufsschule.

Im Bereich KV wird im Brief insbesondere die Bedeutung Lenzburgs als kantonales Kompetenzzentrum und einziger Anbieter der Erwachsenenmaturität (BM 2) hervorgehoben. Mehr als ein Drittel der BM-Absolventen würde in Lenzburg unterrichtet.

Im Brief an den Regierungsrat schlägt der LLS moderate Töne an. Dort wird festgehalten, man sei, entgegen der eingereichten «Motion Herbert Scholl und Mitunterzeichnende» überzeugt, dass die notwendigen Grundlagen geschaffen wurden, um die Schulstandortreform nun zu realisieren.