Lenzburg
CVP fordert «Mittagstisch-Fünfliber»

Die Stadt Lenzburg soll über 60'000 Franken bereitstellen, damit die Nachfrage nach dem Mittagstisch-Angebot wieder steigt.

Janine Gloor
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Die CVP will den Mittagstisch für mehr Familien erschwinglich machen.

Die CVP will den Mittagstisch für mehr Familien erschwinglich machen.

KEYSTONE

Tagesstrukturen sind ein wichtiges Angebot, um Familien die Erwerbstätigkeit von beiden Elternteilen zu ermöglichen. Mit der Einführung des kantonalen Kinderbetreuungsgesetzes (KiBeG) hat sich auch in Lenzburg vieles geändert und noch immer ist einiges im Umbruch, wie eine Motion der Einwohnerratsfraktion der CVP zeigt. Die Motion heisst «Mittagstisch-Fünfliber».

Früher kostete der Mittagstisch in Lenzburg pro Kind 16 Franken. Seit dem neuen Schuljahr zahlen Eltern bis zu 22 Franken für ein Essen und Betreuung über den Mittag. Die Kosten für den Mittagstisch stiegen, weil die Betreiber für das Angebot keine Subventionen mehr erhalten. Neu erhalten die Eltern das Geld direkt. Entscheidend für die Subventionsberechtigung ist das steuerbare Einkommen der Eltern und die Subventionsberechtigung hört relativ früh auf. «Seit August 2018 wird der Mittagstisch für Familien mit einem jährlich steuerbaren familiären Einkommen über 90'000 Franken nicht mehr subventioniert», heisst es in der CVP-Motion.

CVP hilft CVP-Grossrätin

Geändert hat nicht nur die Gesetzeslage, sondern auch die Trägerschaft des Mittagstisches. Früher wurde dieser vom Verein Tagesstrukturen Lenzburg organisiert. Der Verein, dessen organisatorischen und administrativen Tätigkeiten ehrenamtlich ausgeführt wurden, hat Pionierarbeit geleistet. Nach zehn Jahren löste er sich auf und wurde vom Verein Erziehung und Bildung (VEB) abgelöst. Aufgrund der fehlenden Subventionen hätte der Verein Tagesstrukturen von einer Non-Profit-Organisation in eine Organisation mit kostendeckender Geschäftstätigkeit überführt werden müssen.

Präsidentin des neuen Trägervereins ist die Lenzburger CVP-Grossrätin Sabine Sutter-Suter. Ein knappes halbes Jahr, nachdem der VEB den Mittagstisch in Lenzburg übernommen hat, reicht die Partei von Sutter-Suter nun völlig überraschend einen Vorstoss ein, der für den Mittagstisch eine Subvention nach dem Giesskannenprinzip fordert. «Die Motion will, dass der Mittagstisch wieder für alle Kinder mit mindestens 5 Franken subventioniert wird», heisst es im Text. Die Erhöhung der Kosten hätte dazu geführt, dass weniger Kinder den Mittagstisch in Anspruch genommen hatten, heisst es in der Motion. Momentan werde in der Schulzeit das Angebot des Mittagstisches von durchschnittlich 43 Kindern genutzt. Mit Einbezug der steigenden Nachfrage rechnet die CVP mit einem Betrag von 62'500 Franken, der jährlich für den «Mittagstisch-Fünfliber» anfallen würde. «Potenziell könnten mit diesem Angebot rund 40 zusätzliche Familien vom Angebot profitieren, weil der Mittagstisch wieder erschwinglich wird, heisst es in der Motion.

Der Verein Erziehung und Bildung wurde 2008 gegründet und hat seinen Sitz in Aarau, ein Vorstandsmitglied ist die Aargauer SP-Präsidentin Gabriela Suter. Neben Lenzburg betreibt der Verein Erziehung und Bildung in Aarau, Erlinsbach und Wohlen Tagesstrukturen.

Drei Motionen für die Familienstadt

Neben der Motion «Mittagstisch-Fünfliber» hat die CVP noch zwei weitere Motionen eingereicht, mit denen sie Lenzburg zur Familienstadt machen will. Die Familie solle nicht als Privatsache schubladisiert werden, schreibt die Partei.

- Die Motion «Lenzburg wird kinderfreundliche Gemeinde gemäss Unicef» will, dass Lenzburg sich um ein Gütesiegel des Kinderhilfswerks bewirbt. Eine Standortbestimmung soll eruieren, wie kinderfreundlich die Stadt bereits ist und welche Massnahmen noch getroffen werden müssen.

- Der Veloverkehr ist Inhalt der dritten Motion «sichere Velowege Lenzburg». Velowege sollen mit roten Markierungen bei neuralgischen Stellen und gestaffelter Ampelführung sicherer werden. Ein weiteres Kernthema ist die Entflechtung von Fussgänger- und Velowegen.