CrossFit
Handstand, Rudern und Gewichte heben: In Lenzburg messen sich die fittesten Athletinnen und Athleten der Schweiz

Zum ersten Mal findet in Lenzburg die «Functional Fitness Schweizermeisterschaft» statt. Gastgeber ist das frisch umgezogene «House of Movement». Gleichzeitig hat ein Gränicher Chancen, ganz weit nach vorne zu kommen.

Larissa Gassmann
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Wird am Sonntag an der Schweizermeisterschaft antreten: Der 27-jährige Pascal Plüss setzt seit mehreren Jahren auf CrossFit.

Wird am Sonntag an der Schweizermeisterschaft antreten: Der 27-jährige Pascal Plüss setzt seit mehreren Jahren auf CrossFit.

Alex Spichale

Wo sonst Dutzende Menschen schwitzen und ächzen, Gewichte auf den Boden geknallt werden, Turnringe knarzen und AirBikes surren, herrscht in den frühen Tagesstunden Ruhe. Wäre die aufgedrehte Stereoanlage nicht, so wäre es beinahe mäuschenstill. Das aber wird sich im «SouthFoot CrossFit», das Teil des von Marco Vock und Roger Guerdi geführten «House of Movement» ist, spätestens am Sonntag ändern. Dann, wenn sich die Fitness-Elite an der «Functional Fitness Schweizermeisterschaft» zum Stelldichein trifft. Insgesamt 24 Athleten aus der ganzen Schweiz, je 12 Männer und 12 Frauen, haben sich dafür qualifiziert.

Teilnehmen wird auch der 27-jährige Pascal Plüss aus Gränichen, der in Lenzburg trainiert. CrossFit übt der ehemalige Turner seit 2015 aus, darauf aufmerksam wurde er durch einen Kollegen. «Angefangen habe ich wie alle in sogenannten Klassen», sagt Plüss. Bereits nach ein oder zwei Monaten verbrachte er fast jeden Tag vor Ort. «Oftmals bin ich bereits früher erschienen und länger geblieben. Es wurde immer mehr und immer intensiver», so Plüss.

In der Qualifikation erreichte er zweiten Platz

Anders als beim Turnen braucht man beim CrossFit nicht nur Kraft, sondern auch Ausdauer. Absolviert werden am Sonntag sechs Disziplinen, sogenannte Workouts. Im Bereich Ausdauer etwa werden Einheiten auf dem AirBike oder Ruder-Ergometer absolviert. Dazu kommt das Hochheben von Langhanteln oder kurioseres wie Handstandlaufen. «Grundsätzlich wird dabei der fitteste Mensch der Erde – oder hier der aus der Schweiz – gesucht», sagt Guerdi. So finden jährlich die weltweiten Crossfit Games statt – nur wer sich hierzulande durchsetzt, kann dort landen.

So sieht die Handstand-Challenge aus:

Irgendwann einmal soll das Ganze zur Olympischen Sportart werden, das zumindest hat sich nicht nur der Swiss Functional Fitness Verband zum Ziel gesetzt. Weil waschechte Allrounder gefragt sind, hat denn auch Plüss kein Lieblingsworkout. Gut gefallen würde ihm das Gewichtheben, Handstand und alles mit Hindernissen. Obwohl Guerdi ihm «gute Chancen ganz weit nach vorne zu kommen» attestiert, sei es schwierig, sein Können einzuschätzen, so Plüss. So ist dies seine erste Schweizermeisterschaft. Immerhin: In der Qualifikation erreichte er den zweiten Platz. «Das zeigt, dass ich mithalten kann. Es ist aber relativ eng und viele haben hart gearbeitet», so Plüss. Erschwerend kommt hinzu, dass im letzten Jahr keine Wettkämpfe stattgefunden haben und eine Standortbestimmung fehlt. So oder so ist die Freude über das «Heimspiel» aber gross.

«Das Gefühl hat ein gewisses Suchtpotenzial»

«Dass die Schweizermeisterschaft bei uns stattfindet, ist eine grosse Ehre. Es freut uns, die besten Athleten der Schweiz empfangen zu können», so Guerdi. Dies nicht zuletzt, weil die Platzverhältnisse in Lenzburg optimal sind. «Wir verfügen mit 1200 Quadratmeter über eine grosse Fläche und haben am Niederlenzer Kirchweg die optimale Location gefunden», sagt Guerdi. So befand sich das 2017 eröffnete «House of Movement» einst am Unteren Haldenweg in Lenzburg.

Weil Gewichtheben dort aufgrund von Lärm und Erschütterung nicht in gewohnter Form möglich war, musste nach einer Lösung gesucht werden. Im Industriegebiet ist dies nun ohne Probleme machbar. So trainiert Plüss mittlerweile um die 12 bis 18 Stunden pro Woche. Das Aufhören fällt ihm jeweils nicht leicht. Denn: «Das Gefühl, welches man nach getaner Arbeit verspürt, hat ein gewisses Suchtpotenzial.» So ist es längst nicht nur die Freude an der Bewegung, die ihn antreibt. «Es ist spannend, immer wieder zu testen, wie leistungsfähig man ist und wie weit man gehen kann», sagt Plüss.

Bereits um 7 Uhr erfolgt für die Athleten am Sonntag nun der Check-in, betreten darf die Halle, wer entweder geimpft, getestet oder genesen ist. Selbst wenn die anwesenden Topathleten bis zu 120 Kilo stemmen, ist CrossFit auch etwas für Normalos. «Alle Übungen, die wir machen, sind skalierbar. Der Sport ist für jedermann geeignet», sagt Guerdi. Auch Plüss bestätigt, dass Spass und Zusammensein im Vordergrund stehen. Und: «Viele wissen nicht, was CrossFit überhaupt ist. Gleichzeitig ist es schwierig, das Ganze zu erklären. Darum empfiehlt es sich, einfach mal vorbeizuschauen. Dann kann man sich darunter auch etwas vorstellen.»

War früher Turner: Nun will Pascal Plüss beweisen, dass er auch ein «Allrounder» sein kann.

War früher Turner: Nun will Pascal Plüss beweisen, dass er auch ein «Allrounder» sein kann.

Alex Spichale

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