Coronavirus

Corona-Spekulation um Schwäne sorgt für Wirbel am Hallwilersee

Nachdem es letztes Jahr keinen Nachwuchs gab, hat es aktuell am Hallwilersee sechs mit Eiern belegte Schwanennester.

Nachdem es letztes Jahr keinen Nachwuchs gab, hat es aktuell am Hallwilersee sechs mit Eiern belegte Schwanennester.

Gibt es nun mehr Schwaneneier wegen Corona oder nicht? Darüber wird zur Zeit heftig diskutiert. Bleibt die Frage: Wer hat Recht?

Das Hauptereignis im Vereinsjahr der Schwanenkolonie Hallwilersee ist jeweils die Inspektionsfahrt. Sie war auf morgen Sonntag angesetzt, kann Corona-bedingt aber nicht stattfinden. Trotzdem sorgen die Schwäne seit Donnerstag im Seetal für erargoheblichen Gesprächsstoff. Thomas Eichenberger, seit 2017 Vereinspräsident, hat sich auf Radio Argovia so geäussert, dass AZ Online den Titel machen konnte: «Dank Corona: Endlich wieder Schwanen-Nachwuchs am Hallwilersee».

Die Ausgangslage: Letztes Jahr gab es auf dem Hallwilersee keinen einzigen Jungschwan, was sehr aussergewöhnlich, aber nicht weiter tragisch war. Schliesslich kämpfte man in den Vorjahren eher mit einer Überpopulation. Die Ursache für das Ausbleiben von Schwanen-­Nachwuchs im Frühling 2019 ist unklar. Es könnte mit dem Wetter, insbesondere den Stürmen zusammenhängen.

«Corona vermutlich einen positiven Dienst erweist»

Aktuell hat es auf dem See sechs gut mit Eiern belegte Nester. Die Küken dürften in etwa zwei Wochen ausschlüpfen. Warum gibt es dieses Jahr viel mehr Jungschwäne?

Für Vereinspräsident Thomas Eichenberger ist der Fall klar. Er sagte auf Radio Argovia: «Wegen Corona fahren die grossen Kursschiffe nicht. Deshalb ist der See viel ruhiger und die Nester werden viel weniger bewegt und geschaukelt.» Zudem habe es weniger Fischer und Spaziergänger mit Hunden. Eichenberger sagt: «Wir freuen uns, dass Corona den Schwänen vermutlich einen positiven Dienst erweist.»

Die Konstruktion eines Zusammenhangs zwischen Corona, Schifffahrt und Schwänen ist im Seetal vielen in den falschen Hals gekommen. Allen voran Ueli Haller, dem Chef der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee (SGH). «Es stimmt nicht, dass die Schiffe in normalen Jahren in irgendeiner Form die Nester der Schwäne beeinträchtigen», erklärt Haller. «So etwas war noch nie ein Thema.» Er ist überrascht über die Aussage von Eichenberger. «Wir haben doch seit Jahrzehnten immer gut zusammengearbeitet.» Den Titel Schwanenvater (nicht Präsident) trägt im Übrigen Hans Häfeli, der Mann, der während 43 Jahren die Schifffahrtsgesellschaft geleitet hat (als Vorgänger von Haller).

Haller hofft, dass die SGH ihren Betrieb am 8. Juni wieder aufnehmen kann – wenn auch Corona-bedingt in angepasster Form (die entsprechenden Konzepte sind in Ausarbeitung).

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

Meistgesehen

Artboard 1