Dorfmuseum

«Chröschweggen» und «Hintersasser»: Als sich Rupperswil und Auenstein das Leben schwer machten

Chröschweggen der Versöhnung: Fritz Kummer (links), Präsident der Rupperswiler Museumskommission, Veltheimer Bäcker Alfred Richner und der Auensteiner Martin Joho.

Chröschweggen der Versöhnung: Fritz Kummer (links), Präsident der Rupperswiler Museumskommission, Veltheimer Bäcker Alfred Richner und der Auensteiner Martin Joho.

Das Dorfmuseum thematisiert die schwierige Beziehung zu den Auensteinern. Die Museumskommission hat zusammen mit dem Rupperswiler Dorfchronisten und Auensteiner Helfern Anekdoten über Prügeleien, geworfene Steine und Chiltgang über die Aare gesammelt.

Jahrhundertelang gab es zwischen Rupperswil und Auenstein keine Brücke über die Aare. Damals blieb den Robischwilern und Gauesteinern nichts anderes übrig, als sich über den Fluss Schimpfnamen zuzurufen.

Zum Glück. Denn wenn die Nachbarn aufeinandertrafen, hat es geklöpft. Zum Beispiel um 1790, als zwei Auensteiner und zwei Rupperswiler auf der Mitte der Aare in ihren Booten aufeinandertrafen. Mit den Rudern sollen sie sich die Köpfe blutig geschlagen haben. Drei von ihnen landeten auf dem Grund des Flusses, einer im Käfig auf der Lenzburg.

Zwei Dörfer mit einer schwierigen Beziehung. Diesem Thema widmet das Dorfmuseum Rupperswil seine Saisonausstellung 2017. «Wir versuchen, zwischen Kultur- und Industriethemen abzuwechseln», sagt Bernhard Stüdli von der Museumskommission. Dieses Jahr ist die Streitkultur dran.

Die Museumskommission hat zusammen mit dem Rupperswiler Dorfchronisten Traugott Berner und den Auensteiner Helfern Martin Joho und Hans Andres Frei Anekdoten über Prügeleien, geworfene Steine und Chiltgang über die Aare gesammelt.

«Rupperswil und Auenstein waren zwei über Hunderte von Jahren sehr ähnliche Dörfer», erklärt Stüdli. Klein und mausarm. Und sie haben sich nichts gegönnt. Die Ernte war knapp, wenn die Aare über die Ufer trat, zerstörte sie wertvolles Ackerland. Deshalb bauten die Auensteiner in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Wehr, welches die Wassermassen zu den Rupperswilern rüberdrückte. Diese klagten beim Regierungsrat, das Wehr musste entfernt werden.

Jetzt war der Streit erst recht entbrannt. In vielen Anekdoten schildert die Ausstellung, wie die Nachbarn einander das Leben schwer machten und wie die Abneigung über Generationen weitergegeben wurde. Noch heute kennt jeder die Schimpfwörter für die anderen.

«Chröschweggen» sagen die Auensteiner den Rupperswilern, «Hintersasser» schallt es zurück. Die Ausstellung erklärt, was es mit diesen Namen auf sich hat. Und wieso böse Zungen behaupten, dass bei den Auensteinern nicht beide Beine gleich lang seien.

Die Museumskommission will mit dieser Ausstellung auch die Auensteiner über die Aare locken. «Die haben ja keine solche Institution», sagt Bernhard Stüdli. Doch wie die Ausstellung zeigt, arbeiten die beiden Gemeinden heute in vielen Belangen zusammen.

Spitex, Schwimmbad, Feuerwehr. Die Rupperswiler und Auensteiner können sich heute ohne Prügeleien begegnen. «Doch der Argwohn ist noch nicht ganz verschwunden», erzählt Marianne Brudermann von der Museumskommission. In der Ausstellung liegt ein Gästebuch auf. Vielleicht hat der eine oder andere Gauesteiner Besucher noch eine bis heute unbekannte Geschichte parat.

Saisonauftakt Sonntag, 2. April, Dorfmuseum Rupperswil, Alter Schulweg 11, 11 Uhr.

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