Hochbetrieb herrscht vor und in Robert Werrens Werkstatt. Auf der Hertistrasse üben drei Männer aus dem solothurnischen Kriegstetten. Sie haben sich vier Geisseln machen lassen. «Extraanfertigung, nach unseren Wünschen», sagt Raphael Schärer.

Die Männer sind zufrieden mit der Arbeit von Robert Werren. Er hat das Handwerk vor rund 20 Jahren von Pionier Ernst Lüthi gelernt und füllt nun die Zeit seit seiner Pensionierung mit seiner Passion: 800 Stück sind dieses Jahr zwischen März und Sommer entstanden. «Teils auf Bestellung, teils, um einen Stock zu haben für interessierte Kundschaft», sagt Werren.

Und diese Kundschaft ist bereits da: Sechs jungen Mümliswilern demonstriert der Geisselkonstrukteur, wies geht. Zuerst umspinnt er ein Jutegarn mit Flachs, wobei ihm eine eigens umgebaute Maschine hilft. Gross ist das Staunen darüber, wie geschickt der Rentner daraus Seile macht.

Fabian Fuchs gibt Gas

Bei den Kriegstettern dabei ist Fabian Fuchs. Er erntet bewundernde Worte für seine «Arbeit» an der 4,5 Meter langen Geissel: «E verdammti huere Maschine! Eine solche will ich auch.» Fuchs – lange Haare, langer Bart, Piercings, und damit nicht der typischste Klöpfer – ist in Niederlenz aufgewachsen, wo er das Klöpfen gelernt hat.

Dieses ist mitnichten reine Männersache. Ebenfalls in die neue Heimat, in ihrem Fall ist dies Wikon im Luzerner Wiggertal, mitgenommen hat Barbara Hodel ihr Hobby. «Ich bin in Staufen aufgewachsen und habe meine Leidenschaft auf die Buben übertragen», sagt sie.

Vier sinds, Leo, Arno, Felix und Pius, und heute sind sie da, weil bei einer Geissel die Spitze repariert, das heisst ersetzt, werden muss, da sie «verfötzelt» ist. Wenn die Spitze nicht in der Luft bleibt, passiert das.

Und schliesslich sind die Buben im Alter zwischen 11 und 4 Jahren noch keine Profis. Der älteste braucht noch eine neue Geissel, 2,7 Meter lang. Den Stock dazu darf er wählen: Er nimmt einen dicken. Nun sind sie gerüstet für ihren Auftritt im Luzerner Hinterland.

Mümliswiler «Klöpfbild»

«150 bis 200 Mal im Jahr behebe ich solche Schäden», sagt Robert Werren. Das dauert etwa 10 Minuten, und zusammen mit der neuen Geissel bezahlt Barbara Hodel 90 Franken. Viele würden die Geissel wegwerfen und kauften sich eine neue, so Werren.

Die Mümliswiler sind übers Internet auf Werren gestossen, und sie kommen nicht nur aus Gwunder, nein, sie wollen sich eine neue Geissel leisten. Am 6. Dezember werden sie den Sami-
chlauseinzug im Dorf mit ihren Klängen garnieren. Die Treichler seien auch dabei. Und die sechs Klöpfer haben vor, eine klangliche Choreografie zu präsentieren: gemeinsame Knalleffekte und aufeinander folgende Knalle im Zusammenspiel. «Ein Klöpfbild, sozusagen», meint einer.

«Super! Aber noch etwas gstabig», sagt ein Mümliswiler nach den ersten Knallversuchen. «Die kommt schon, wenn sie richtig warm ist», sagt Werrens «Gehilfe» Thomas Körkel.

Und auch der Meister selber geizt nicht mit Tipps: «Ja nicht einölen oder fetten! Auf den Radiator legen, dann wird sie weich.» Er hat in den letzten Jahren immer etwa 50 bis 100 Geisseln mehr machen müssen; der Sport scheint im Trend zu liegen.