Niederlenz
Chefredaktor der Niederlenzer Dorfzeitung verurteilt

Der Chefredaktor der Niederlenzer Dorfzeitung ist wegen übler Nachrede gebüsst worden. Der Mann hatte geschrieben, dass das Referendumskomitee «Oberer Steinler» hinter anonymen Vorwürfen gegen den Gemeinderat stecken könnte. Er zieht den Fall weiter.

Pascal Meier
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Gemeinde Niederlenz

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Die Vorwürfe waren so heftig, dass Gemeindeammann Maurice Humard im Juni 2012 in die Offensive ging: An der Gemeindeversammlung informierte er über einen anonymen Brief, in dem Gemeinderat, Verwaltung und Kommissionsmitglieder der Korruption beschuldigt wurden.

Belegt waren die Vorwürfe nicht und der Brief glich einem feigen Rundumschlag. Maurice Humard rief deshalb an der Gmeind die Urheber auf, sich zu melden und Fakten auf den Tisch zu legen. Nichts geschah.

Attacke unter der Gürtellinie

Seither wurde in Niederlenz viel gemutmasst, wer hinter den Vorwürfen stecken könnte. Weit aus dem Fenster lehnte sich der «Dorfgeischt»: Die Dorfzeitung berichtete im September unter dem Titel «Attacke tief unter der Gürtellinie» über den Brief.

Im Artikel schrieb Chefredaktor Peter Schmid: «Der Verdacht liegt nahe, dass der Schreiberling aus den Reihen des Referendumskomitees ‹Oberer Steinler› stammen könnte.»

Denn dieses habe sich schon vor der Abstimmung über den Landverkauf an die Presse gewandt und Maurice Humard Irreführung der Stimmbürger vorgeworfen (siehe Ausriss unten).

Daraus zog Peter Schmid im Artikel folgenden Schluss: «Das Referendumskomitee hat zwar energisch dementiert, doch ist das glaubhaft?»

So hatte der «Dorfgeischt» im September 2012 berichtet.

So hatte der «Dorfgeischt» im September 2012 berichtet.

Die beiden Mitglieder des Referendumskomitees stellten kurz darauf Strafantrag wegen Ehrverletzung. Im Februar fanden Vergleichsverhandlungen statt, ohne Ergebnis. Nun hat die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Peter Schmid wegen übler Nachrede verurteilt und mit 600 Franken gebüsst. Der Strafbefehl liegt der Aargauer Zeitung vor.

Demnach gehen auch die Verfahrensgebühren von 500 Franken zulasten von Peter Schmid. Zudem wurde er zu einer bedingten Geldstrafe von 3000 Franken verurteilt.

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Das Referendumskomitee ist erfreut über das Urteil. «Es war uns wichtig, wieder eine weisse Weste zu haben», sagt Peter Erdin, der als Privatperson zusammen mit André Buser die Anzeige eingereicht hatte. Die Sache sei nun erledigt.

Peter Schmid zieht Urteil weiter

Gar nicht erledigt ist der Fall für Peter Schmid. «Ich akzeptiere das Urteil nicht und ziehe dieses weiter», sagt der «Dorfgeischt»-Chefredaktor.

«Ich habe die Mitglieder des Referendumskomitees im Artikel nicht namentlich beschuldigt, sondern nur geschrieben, aus welchen Kreisen die Vorwürfe stammen könnten».

Dabei habe er auch weitere Kreise genannt, die jegliche Überbauungen im «Oberen Steinler» verhindern wollten.

Untersuchung wegen anonymem Brief eingestellt

Damit beschäftigt der Knatsch zwischen «Dorfgeischt» und Referendumskomitee die Justiz weiter. Wer tatsächlich hinter den Korruptionsvorwürfen gegen den Gemeinderat steckt, ist nicht Gegenstand der Untersuchung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte deswegen in einem anderen Verfahren, nachdem der Gemeinderat als Behörde im Sommer 2012 wegen Ehrverletzung Anzeige gegen unbekannt eingereicht hatte.

Diese Untersuchung wurde nun eingestellt. «Eine Behörde kann im Gegensatz zu einer Privatperson nicht in der Ehre verletzt werden», sagt Elisabeth Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Deshalb könne ein Gesamtgemeinderat nicht wegen Ehrverletzung klagen.