Lenzburg

Cellist Croisé beflügelte das Orchester

Cellist Christoph Croisé konzertiert mit dem Orchesterverein. Romeo Crivelli

Cellist Christoph Croisé konzertiert mit dem Orchesterverein. Romeo Crivelli

Das Konzert des Musikvereins stand im Zeichen der französischen Romantik, eines begeisternden Solisten Christoph Croisé und herausragenden Orchesters.

Das Orchester des Musikvereins Lenzburg widmete sein Sinfoniekonzert am Sonntag herausragenden Werken der französischen Romantik. Das grosse Interesse – die Stadtkirche war bis auf den letzten Platz besetzt – galt unter anderem der Auseinandersetzung des Orchesters mit charakteristischen stilistischen Eigenschaften französischer Sinfonik wie Feuer, Tiefe, Elan, leuchtende Klangfarben, Charme, Ordnung und Klarheit, aber natürlich auch dem Auftritt des vielfach preisgekrönten Solisten Christoph Croisé, der bereits in jungen Jahren zur absoluten Spitzenklasse der Cello-Virtuosen gehört.

Brillanter Solist

Eröffnet wurde das Konzert mit dem Cellokonzert Nr. 1, a-Moll, op. 33 aus dem Jahr 1873 von Camille Saint-Saens, einem Paradestück, einer «Perle», die heute zum festen Repertoire aller namhaften Cellisten gehört. Das klassisch dreiteilige aber doch einsätzige Werk ist ein Bravourstück voller «bon sens», Virtuosität, Eleganz, Farbenpracht – Musik zum Gebrauch, aber vom Feinsten! Nicht überraschend gehört dieses für den Solisten sehr dankbare Cello-Konzert zu Christoph Croisés Lieblingswerken. Sehr angetan war man vom ausbalancierten, fein abgestimmten Wechselspiel von gut disponiertem Orchester und Solist, das vom Dirigenten Beat Wälti souverän gestaltet und geführt wurde. Christoph Croisé kostete die melodischen und dynamischen Nuancen derart schwungvoll und brillant aus, dass das begeisterte Publikum eine Zugabe forderte.

Hervorragendes Orchester

Mit «Stonehenge» von Peter Pejtsik, einem ungemein virtuosen Stück gab Christoph Croisé eine weitere Kostprobe seines Könnens. Als zweites Werk stand Georges Bizets Sinfonie Nr. 1, C-Dur auf dem Programm. Bizet galt als eines der grossen Wunderkinder der Musikgeschichte. Mit nur 17 Jahren komponierte er 1855 seine 1. Sinfonie, die aber erst 80 Jahre später durch Felix Weingartner in Basel uraufgeführt wurde. Seither wird die 1. Sinfonie als frühes Meisterstück gefeiert – als Zeugnis eines jugendlichen Geniestreichs, für Bizets künstlerisches Selbstverständnis, durchgebildet als Synthese zwischen Inspiration und technischer Meisterschaft, mit spritziger Eleganz und jugendlichem Charme.

Das Orchester des Musikvereins stellte sich mit grossem Engagement und Spielfreude, aber auch mit dem entsprechenden Respekt vor den spieltechnischen Herausforderungen und den Ansprüchen an Prägnanz und Transparenz. Beat Wälti gelang es durch seine ruhige, zugleich bestimmte Führung und seine überaus positive Ausstrahlung das Orchester an die Grenze des Möglichen zu leiten. Die Begeisterung der Ausführenden übertrug sich von Beginn an auf das sehr aufmerksame Publikum, welches dies mit langem, grossem Beifall lohnte.

Erstaunlich und erfreulich ist die Tatsache, dass es auch in der Kleinstadt möglich ist, derartige Werke des klassischen Kanons mit Engagement, Gemeinschaftssinn und Kompetenz zur Aufführung zu bringen.

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