Schafisheim
Catering von Flüchtlingen: Hier geht Integration durch den Magen

Der Catering-Service «Al Salam» bietet Flüchtlingen die Chance für einen Berufseinstieg. Mit einem Gastronomie-Berater will das Projekt jetzt auch unternehmerisch durchstarten.

Marina Bertoldi
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Markus Zogg mit einer Migrantin des «Al Salam»-Catering im Kirchgemeindehaus in Gränichen.

Markus Zogg mit einer Migrantin des «Al Salam»-Catering im Kirchgemeindehaus in Gränichen.

Christine Bärlocher

Zur Vorspeise gibts Baba Ghanoush, gefolgt von einer Portion Kebe und zum süssen Abschluss wird Mchebak serviert. Bis vor drei Jahren hatte Markus Zogg noch nie von diesen Gerichten gehört. Heute isst er das syrische Auberginen-Püree, den Fleischkuchen und die frittierten Griessschnecken regelmässig. Sie sind eine Auswahl der Speisen, die sein Catering-Service «Al Salam» anbietet. Gekocht werden sie von Migranten und anerkannten Flüchtlingen. Das junge Gastronomie-Projekt soll ihnen helfen, den ersten Schritt in die Berufswelt zu schaffen.

Nur ein Fünftel hat Arbeit

Laut der aktuellen Statistik des Bundes leben im Aargau 1079 anerkannte Flüchtlinge im erwerbstätigen Alter. Doch nur 229 von ihnen arbeiten. Dass nur ein Fünftel der anerkannten Geflüchteten im Kanton eine Arbeit haben, ist nicht aussergewöhnlich, aber unter dem Schweizer Durchschnitt von 30 Prozent. In allen Kantonen harzt es mit der Integration von Flüchtlingen. Der Grund ist laut Barbara Cavelti, Sektionsleiterin beim Amt für Migration und Integration, zum Beispiel, dass es für Menschen, die unsere Form von Ausbildung nicht kennen würden, schwierig sei, Arbeit zu finden. Der Mediensprecher vom Departement Volkswirtschaft und Inneres, Samuel Helbling, bestätigt: «Der Aargau ist ein Hightech-Kanton. Es gibt deshalb nur wenige Stellen für Menschen ohne Ausbildung.»

Der Integrationsprozess dauere ausserdem lange, so Barbara Cavelti. «Die Menschen müssen zuerst die Sprache lernen, bevor sie angestellt werden. Des Weiteren ist es oftmals schwierig, überhaupt erst ein Praktikum zu finden, um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen», sagt sie. Den Menschen fehlte oft die Berufserfahrung und sie hätten meist nichts Schriftliches als Nachweis ihrer Ausbildung vorzuweisen.

Rezept für «Baba Ganoush»

Für 4 Personen :

- 4 Auberginen

- die ganzen Auberginen im Backofen bei 220°C während 30 min. backen

- Auberginen heiss schälen

- Auberginen mixen

- mit Salz und Pfeffer würzen

- Tahine (Sesampaste erhältlich in türkischem od. libanesischem Laden) beigeben

- 1/2 Zitrone pressen und Saft beigeben

- 1 EL Granatapfelsaft beigeben

Alles gut mischen.

Garnitur: Petersilie, Peperoni oder Granatapfelkernen

Den Dip mit Fladenbrot geniessen.

Sozialhilfe vermeiden

Markus Zogg kennt die Probleme. Mit Migranten hatte der Schafisheimer schon immer zu tun. Das brachte seine Arbeit als Diakon und Religionslehrer bei der reformierten Kirche mit sich. Als dann immer mehr Menschen beschlossen, ihr Heimatland zu verlassen und nach Europa zu flüchten, beschäftigte das den jungen Vater stark. Für ihn war klar, dass er helfen will. «Ich empfinde es als Auftrag, den Menschen zu dienen und sie nicht als Belastung zu sehen.»

Trotzdem hat Markus Zogg eine zwiespältige Meinung gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen. «Viele von ihnen haben hier keine Zukunft und werden von Sozialhilfe abhängig sein», sagt er. Dem will er mit «Al Salam» entgegenwirken. Das Projekt soll den Menschen Beschäftigung bieten und ihnen so den Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. Bis jetzt sind ein syrisches Ehepaar, ein Paar aus Äthiopien und ein Nepalese Teil des Projekts. Sie bestritten seit 2013 rund 50 Anlässe und hatten unter anderem bei der Demonstration «Aufstand der Anständigen» im September in Aarau einen Stand. Dieses Jahr soll das kleine Unternehmen durchstarten.

Dafür will auch Gastronomie-Berater Marcel Wissmann sorgen. Seit Anfang Jahr unterstützt der eidgenössisch diplomierte Küchenchef das Projekt auf ehrenamtlicher Basis. Er ist davon überzeugt, dass nicht nur die Mitarbeiter von «Al Salam» einen Nutzen aus dem Projekt ziehen werden. «Langfristig kann auch die Gastronomiebranche profitieren. Diese Leute können später als Personal angestellt werden», sagt er.

Wie «Al Salam» vorangetrieben werden soll, wissen der ehemalige Küchenchef und Markus Zogg genau. Das Hauptziel ist es, möglichst viele Stellen zu schaffen. Bald sollen deshalb nebst den Catering-Anlässen regelmässig orientalische Abende mit Musik und Tanz und Kochkurse stattfinden. Ausserdem will «Al Salam» zwei eigene Produkte auf den Markt bringen: handgemachte Bio-Falafel und ebenfalls handgemachte Samosas (indische Teigtaschen).

Zudem sollen Kochevents in Asylheimen stattfinden, bei denen die Asylbewerber ihnen bekannte Gerichte kochen. «Mit unserem Projekt leisten wir einen Anteil an die Integration dieser Menschen, was der ganzen Gesellschaft zugutekommt», sagt Markus Zogg.

Preis bei Start-up-Wettbewerb

Davon ist auch der Vorstand des Forums christlicher Führungskräfte überzeugt. Seit drei Jahren veranstaltet er Konferenzen, bei denen Unternehmer, Politiker und Führungskräfte aus der ganzen Schweiz zusammenkommen. Ausserdem bietet er jeweils vier Start-ups die Möglichkeit, ihr Geschäftsmodell beim Forum vorzustellen. Am vergangenen Wochenende hat «Al Salam» nun den ersten Preis gewonnen. Markus Zogg erhält damit ein Innovations-Package im Wert von 5000 Franken und darf sein Unternehmen nun im März dem Forum vorstellen.

Lob vom Amt für Migration

Auch das kantonale Amt für Migration und Integration lobt «Al Salam». «Wir kennen das Projekt, es ist sehr spannend», schreibt Sektionsleiterin Barbara Cavelti. Man sei mit Markus Zogg im Gespräch und kläre nun, ob und wie der Kanton das Projekt unterstützen wird.

Im Kanton gibt es verschiedene weitere Angebote, welche anerkannte Flüchtlingen und vorläufig aufgenommene Personen beim Einstieg in die Berufswelt unterstützen. Dazu gehören auch die verschiedenen Programme bei Lernwerk, Trinamo und Wendepunkt. Reicht dieses Angebot oder bräuchte es mehr private Projekte wie «Al Salam»? Barbara Cavelti: «Generell sind Unternehmen, welche Migranten den Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglichen, sehr gefragt. Alles, was hilft, diese Menschen nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist willkommen.»