Lenzburg
Busbetrieb sucht Test-Fahrgäste

Ist der Chauffeur korrekt gekleidet? Wer mit dem Regionalbus fährt, kann sich in Zukunft als Test-Fahrgast ein Sackgeld verdienen.

Irena Jurinak
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Ist es im Bus zu heiss? Fährt der Chauffeur ruppig? Stimmt die Haltestellen-Durchsage? Diese und andere Fragen sollen in Zukunft Testkundinnen und -kunden der Regionalbus Lenzburg AG beantworten. Per Inserat sucht der Busbetrieb regelmässige öV-Benutzer, die nach einer Busfahrt einen Fragebogen ausfüllen.

«Wir wollen unsere Schwachstellen erkennen», sagt Geschäftsführer René Bossard, «wenn ich mich selber in einen Bus setze, ist meistens alles in Ordnung.» Dank den Rückmeldungen der Testfahrgäste wisse man in Zukunft, was man korrigieren müsse. Sie sollen das Unternehmen hinsichtlich Angebot, Freundlichkeit und Fachwissen beurteilen.

Vom Grüezi bis zur Krawatte

Die Testkunden erhalten von der RBL eine halbtägige Schulung zu den Grundsätzen, die beim Busbetrieb gelten. Zudem werden sie instruiert, wie die Fragebögen auszufüllen sind. Weitere Vorgaben zu den Testfahrten gibt es nicht. Die Testkunden fahren als normale Fahrgäste mit und wählen Linie und Zeit nach eigenem Gutdünken aus. Die Fragebögen decken die Bereiche Fahrpersonal, Fahrkomfort, Zuverlässigkeit, Verkauf, Reklamationen ab. Gefragt wird nicht nur, ob der Chauffeur freundlich ist und die Fahrgäste begrüsst, sondern auch, ob er korrekt gekleidet ist – RBL-Chauffeure tragen Krawatte und Namensschild.

Weiter können die Testfahrgäste angeben, ob sie sich wohlfühlen, es im Bus zu heiss oder zu kalt ist und ob die Fahrweise ruppig ist. Das Abwarten von Anschlüssen, Fahrgast-Information, Verständlichkeit der Haltestellen-Durchsagen, Billettverkauf, Vorgehen bei Problemen und Reklamationen werden ebenfalls bewertet.

Testfahrgäste erhalten Sackgeld

Dabei gehe es nicht darum, die Mitarbeiter zu überprüfen, sondern den Betrieb, hält René Bossard fest. Die Auswertung werde deshalb nicht veröffentlicht, sondern nur betriebsintern verwendet. «Wir wollen besser werden.»

In der Dienstleistungsbranche würden solche Befragungen an vielen Orten eingesetzt. «Wir sind nicht die Ersten, die solche Tests einführen. Die Postauto AG macht das schon seit zwei Jahren», sagt Bossard. So lehnt man sich bei der Umsetzung an das System der Postauto AG an. Die Testfahrgäste erhalten pro ausgefüllten Fragebogen eine Entschädigung. «Es ist ein schönes Sackgeld, wer einen Nebenerwerb sucht, ist bei uns falsch.»

Übrigens können RBL-Kunden schon seit drei Monaten ihre Meinung über den Betrieb kundtun: Auf der Homepage des Busbetriebes kann man unter dem Stichwort «Ihre Meinung» eine Rückmeldung erfassen. Leider wird diese Plattform bisher nicht genutzt. «Wir staunen selber darüber.» So läuft diese Form der Kundenreklamation bei der AAR
Bus + Bahn in der Region Aarau, die schon seit Jahren ein Forum im Internet betreibt, sehr erfolgreich.