Prozess in Lenzburg

«Burestobe»-Brand: Schuld waren selbstentzündbare Putzlappen

Am 3. April 2011 brannte es in der Seoner «Burestobe»; es entstand ein Millionenschaden. az-archiv/Michael Spillmann

Am 3. April 2011 brannte es in der Seoner «Burestobe»; es entstand ein Millionenschaden. az-archiv/Michael Spillmann

Vor bald vier Jahren brannte es im Restaurant Burestobe in Seon. Die Feuersbrunst richtete einen Millionenschaden an. Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilte den Wirt und seine Partnerin, weil sie den Brand fahrlässig verursacht haben.

Vor bald vier Jahren brannte es im Restaurant Burestobe in Seon. Gegen halb acht Uhr abends wurde die Feuerwehr alarmiert. Mit einem Grossaufgebot brachte man das Feuer unter Kontrolle. Es entstand trotzdem ein Millionenschaden; die «Burestobe» war acht Monate geschlossen.

Gestern standen der «Burestobe»-Wirt Jörg Dössegger und seine damalige Partnerin vor dem Bezirksgericht Lenzburg. Sie wurden verurteilt wegen der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst. Die Frau hatte mit einem scharfen Putzmittel getränkte Lappen in einen Plastikkübel geworfen. Der Wirt hatte ihr das Putzmittel gegeben, sie aber nicht auf die besondere Gefährlichkeit, vor allem auf die Selbstentzündbarkeit, aufmerksam gemacht.

Brand zerstört Restaurant Burestube (TeleM1, April 2011)

Das Restaurant Burestube ist zerstört (April 2011)

Keine Fahrlässigkeit nachgewiesen

Gemäss den beiden Strafbefehlen, die der Staatsanwaltschaft auch als Anklageschrift dienten, liessen die beiden Angeklagten, die «mit dem Holzpflegemittel kontaminierten Lappen in einem Kunststoffeimer auf dem hölzernen Korridorboden unbeaufsichtigt zurück». Dort geriet es «durch Selbstentzündung während der Abwesenheit der Bewohner in Brand».

Die beiden Angeklagten liessen an der Verhandlung durch ihre jeweiligen Rechtsanwälte jegliche aktive Schuld an der Feuersbrunst bestreiten. Die Grundlagen der Fahrlässigkeit seien in diesem Fall nicht nachgewiesen worden. «Die Staatsanwaltschaft bleibt auch die Antwort schuldig, weshalb ein Wirt, spezielles Wissen über Möbelpolituren haben soll.»

Dachstockbrand: Grossaufgebot der Feuerwehr in Seon

Dachstockbrand: Grossaufgebot der Feuerwehr in Seon (April 2011)

Und wie kam diese spezielle Möbelpolitur, die offensichtlich brandgefährliches Leinöl enthielt und so in der Schweiz nicht mehr verkauft werden darf, in die «Burestobe»? Wirt Dössegger hat das weniger als halbvolle Gebinde aus der Konkursmasse an seiner früheren Wirkungsstätte, dem «Löwen» in Beinwil am See, erworben. Als seine Partnerin in Seon auf einem eigenen Schrank Wasserflecken wegschrubben wollte, gab er ihr das Putzmittel. «Das ist das Beste, das es gibt», habe er ihr gesagt, schilderte die aus Siebenbürgen stammende Frau vor Gericht die Übergabe.

Spezielle Hinweise auf die Gefährlichkeit, habe es keine gegeben. Allfällige Warnungen auf dem Bidon seien vergilbt und deshalb nicht mehr lesbar gewesen. Dadurch habe seiner Mandantin Alternativen für ihr Verhalten gefehlt, so der Verteidiger.

Unwissen schützt nicht

Gemäss Gerichtspräsidentin Eva Lüscher schützt allerdings das auch im Gerichtssaal an den Tag gelegte Unwissen vor Strafe nicht: «Als erfahrene Berufsfrau hätten Sie die mögliche Gefahr voraussehen können, vor allem weil Sie ja gerade vorher die starke Wirkung des Putzmittels erfahren haben», richtete sich Lüscher an die Hauptangeklagte. Es bestehe kein Zweifel, dass die Putzlappen die Brandauslöser waren.

Aber auch Jörg Dössegger kam nicht ungeschoren davon: «Man kann sich als Wirt nicht darauf berufen, dass man mit dem Putzen nichts zu tun hat und einfach auf ‹Augen zu› schalten», so Lüscher. Die Angeklagten wurden je zu bedingten Geldstrafen, einer Busse und der Übernahme der Verfahrenskosten verurteilt. Zudem sieht sich die Frau mit einer Zivilforderung der Aargauischen Gebäudeversicherung von rund 220 000 Franken konfrontiert.

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