«An ihm ist alles XXL.» Eine Besucherin an einer FDP-Wahlveranstaltung fasste die äussere Erscheinung von Emmanuel Schiess treffend zusammen.

Der FDP-Grossratskandidat aus Lenzburg ist eine eindrückliche Figur. Die Füsse stecken in riesigen Schuhen, für die Hände ist die Bezeichnung Pranken angebrachter. Und niemand wundert sich, dass auf seiner Hobbyliste unter anderem Rugby steht. Der raue Sport der Gentlemen passt.

Der erratische Block hat den originellsten Beruf aller 96 Kandidaten aus dem Bezirk Lenzburg: Er ist Bundesratsweibel. Da braucht einem um die Standfestigkeit der Eidgenossenschaft nicht bange werden.

Ein Exilbasler fühlt sich wohl

Mit seiner Ehefrau Rita lebt Schiess in Lenzburg. Und fühlt sich hier, gleichsam im Exil, äusserst wohl: «Ich stamme, das ist nicht zu überhören, aus Basel.» Noch gibt es Verbindungen in die alte Heimat, die nicht gerissen sind: Fasnacht oder FCB? «Bei mir ist es beides», kommt die spontane Antwort.

Als allfällig gewählter Grossrat will sich Emmanuel Schiess im Kantonsparlament dafür einsetzen, dass die Lebensqualität in der Region erhalten werden kann. Die Reize im Raum Lenzburg findet der Exilbasler derart schön, dass er am FDP-Wahlanlass als ein Ziel formulierte: «Der Tourismus muss hier mehr gefördert werden.»

Via Kosovo nach «Bern»

Wie wird man Bundesratsweibel? Ein Lehrberuf ist dies nicht und einen Standardweg zu dieser Aufgabe gibt es nicht. Emmanuel Schiess hat schon viel gemacht: Er war mal Pöstler. Im Hotelfach brachte er es vom Portier zum Night-Manager. Er lebte und arbeitete in vielen Ländern, unter anderem in Berlin und England.

Und dann kam der Kosovo dazu. Er meldete sich zum Friedenseinsatz der Schweizer Armee im Rahmen der internationalen Kfor. Organisation von Entminung und Lufttransporten waren da die Aufgabe. Der Schritt vom Militär nach «Bern» war da kein grosser mehr.

Von der Kanzlerin zum Sekretär

Zuerst wurde Emmanuel Schiess Bundesweibel von Corina Casanova, der damaligen Bundeskanzlerin. Diese zentrale Funktion im Bundeshaus wird oft als «achter Bundesrat» bezeichnet. Mit dem personellen Wechsel auf der Kanzlerposition wechselte auch Schiess.

«Im EDA, dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten, war eine Stelle frei, auf die mich beworben habe.» Schiess bekam die Stelle und ist nun als Bundesratsweibel zwar nicht zuständig für Aussenminister Burkhalter, aber für das EDA-Staatssekretariat.

Was macht ein Bundesratsweibel? Emmanuel Schiess beginnt eine lange Aufzählung: Säle und Besprechungsräume einrichten, Videokonferenzen organisieren, einkaufen … «Man ist von A bis Z für alles verantwortlich.» Als Heinzelmann im Hintergrund ist der Weibel zuständig, dass sich die Exponenten voll auf ihre Arbeit konzentrieren können. «Die Vielfalt der Aufgaben ist für mich entscheidend», schildert er den Reiz dieses besonderen Berufsbildes.

BDP als «gute Erfahrung»

Emmanuel Schiess hat nicht nur einen seltenen Beruf, er ist einer der in Schweiz doch eher raren Parteiwechsler. 2012 kandidierte er noch für die BDP für den Grossrat und 2013 für den Lenzburger Einwohnerrat. Beide Male ohne Erfolg; mal landete er auf dem zweiten, mal auf dem ersten Ersatzplatz.

Trotzdem möchte er seine Zeit in der Bürgerlich-Demokratischen Partei nicht missen: «Es war eine gute Erfahrung.» In der damals noch jungen, stark mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf verbundenen BDP habe er auf dem Platz Lenzburg noch «alles selbst gemacht», vom Flugblatt-Texten bis zum Plakataufhängen.

Nun, ohne das Zugpferd, habe sich herausgestellt, dass die BDP eine nationale Protestpartei gewesen ist, man regional oder kantonal doch eher wenig bewegen könne. «Ich habe schon immer liberales Gedankengut gepflegt», und so sei ein Wechsel zu «FDP. Die Liberalen» auf der Hand gelegen. Er sei von der FDP Lenzburg auch «sehr gut aufgenommen» worden.

Mit einer breiteren Basis im Rücken kann der Bundesratsweibel sein Credo besser unter die Leute bringen. Und seine Gedanken passen gut zu seiner äusseren Erscheinung: «Man muss viele Dinge in einem grösseren Rahmen anschauen. Dann lässt sich in Sachfragen viel besser eine gute Lösung oder ein Konsens finden.»

AZ Vimentis Wahlhilfe 2016