73 Meter lang, 25 Meter breit: Marcel Urfer (45) plant für sein Unternehmen Urfer-Müpro Befestigungstechnik am Rand des Beinwiler Industriegebiets einen bis zu fünf Millionen Franken teuren Industriebau. Er beinhaltet eine Lagerhalle mit vier Zufahrtsrampen, ein Bürogebäude und eine Werkstatt. Noch bis zum 2. Mai liegt das Baugesuch bei der Gemeindeverwaltung auf.

Was hat der Geschäftsführer vor? Sein Familienunternehmen Urfer-Müpro braucht Platz. Denn der bisherige Standort im Wohnquartier an der Hofmattstrasse platzt aus allen Nähten, jede verfügbare Ecke ist zum Lagerplatz umfunktioniert. Überall stapeln sich Schrauben, Muttern und Muffen, insgesamt 6500 unterschiedliche Produkte hat Marcel Urfer im Sortiment. Sie alle dienen der Rohrbefestigung im Bau.

Wegen der Platznot ist der Chef in einen engen Bürocontainer ausgewichen, den er als Übergangslösung dazugemietet hat. Jetzt finden Bewerbungsgespräche schon mal an einem Gartentisch im Freien statt. «Zumindest das ist bei schönem Wetter ein Vorteil», witzelt Marcel Urfer. Er ist gut gelaunt. Seit er das Unternehmen im Jahr 2005 von seinem in Pension gegangenen Vater übernommen hat, ist es von zehn auf 24 Mitarbeiter angewachsen, die Platznot eine Konsequenz des Erfolgs, ein Luxusproblem.

Seit 1987 ist Urfer-Müpro an der Hofmattstrasse in einer gemischten Zone untergebracht, umgeben von Wohnhäusern. Ein Ausbau des bestehenden Gebäudes kommt in der gemischten Zone nicht infrage und ein zweites Gebäude auf der bestehenden Landreserve wäre zu ineffizient. Bald folgt nebenan auch noch eine Wohnsiedlung, die junge Familien an den Hallwilersee locken soll. Der Schulweg führt direkt an Urfer-Müpro vorbei und damit an manövrierenden Lastwagen, Staplern und einer Hebebühne: «Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis mit unseren Nachbarn, aber jetzt ist es an der Zeit, weiterzuziehen», sagt Marcel Urfer deshalb.

Milliardenschwere Konkurrenz

Gelingt das Unternehmen, wird es für Urfer-Müpro bereits der dritte Umzug sein. «Alle in Beinwil am See, jedes Mal noch etwas grösser», merkt Urfer an. Andere Standorte waren zwar im Gespräch, etwa an der A1, der Pulsader von Marcel Urfers Geschäft. Schlussendlich überwogen aber die Argumente für Beinwil am See, Marcel Urfers Heimat. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn die Konkurrenz ist hart.

Hilti heisst der grösste Mitbewerber: 27 000 Angestellte, fünf Milliarden Franken Umsatz. «Ich suche immer nach den Nachteilen, die so grosse Unternehmen mit sich bringen und versuche, dort besser zu sein als sie», sagt Urfer. Dazu gehören etwa kurze Bestellwege, Telefonate mit Stammkunden können nur wenige Sekunden dauern: «Hallo Marcel, morgen dasselbe wie beim letzten Mal, tschüss!». Oder schnelle Lieferzeiten: Wer bis 17 Uhr bestellt, hat die Ware am nächsten Tag auf der Baustelle. «Damit das klappt, ist vor allem auch ein gutes Team nötig, indem jeder seinen Beitrag leistet», sagt Marcel Urfer. Jeden Morgen fahren dann vier Lastwagen los und versorgen Büezer entlang der A1 mit allem, was es für die Rohrbefestigung braucht. Und das ist einiges.

Ein Fehler führt zu Rissen

Nicht ohne Grund führt Marcel Urfer 6500 Produkte, der deutsche Zulieferer hätte sogar noch mehr. Hinter der Rohrverlegung stecken komplexe Systeme, die den Rohren wo immer möglich Bewegungsspielraum geben und an strategischen Punkten ausreichend Halt bieten. Bei winterlichen Temperaturen montierte Rohre dürfen auch dann nicht bersten, wenn sie von 60 Grad heissem Wasser erhitzt werden. Ein einziger Fehler würde ein ganzes Bauprojekt ruinieren: «Ein Stahlrohr kann mit mehreren Tonnen auf den Bau drücken. Wenn da bei der Befestigung etwas schiefgeht, hat man schnell Risse im Gebäude», sagt Urfer.

Neben der Mechanik spielt oft auch die Leitfähigkeit eine Rolle: Halterungen, die die Wärme oder Kälte aus den Rohren auf die Mauern übertragen, führen zu hohen Energiekosten, Effizienzeinbussen und unter Umständen auch Schimmel. Auch das gilt es deshalb zu verhindern. Doch das kann auch Hilti. Ein weiterer Trumpf von Marcel Urfer ist deshalb die hauseigene Werkstatt. Dort kann etwa die Vormontage von Produkten und die Produktion von massgefertigten Einzelstücken bestellt werden: Die Pläne schicken und ein paar Minuten später läuft das Schweissgerät. «So was können Grosse gar nicht bieten», sagt Urfer. Und so läuft das Geschäft gut, trotz starker Konkurrenz und niedriger Margen. Das war nicht immer so.

Beinahe gescheitert

Gegründet haben das Unternehmen Marcel Urfers Vater und Onkel, als sie 1971 als Schlosserei starteten. Doch das Geschäft lief nicht gut an. Sie merkten schnell, dass sie zu klein und deshalb für kleine Aufträge zu teuer und für grosse zu langsam waren.

Auf der Suche nach einer Möglichkeit zur Umorientierung stiessen sie dann zufällig in einer Fachzeitschrift auf eine Annonce aus Deutschland: Das Unternehmen Müpro suchte einen Vertriebspartner in der Schweiz. Ohne Erfahrung zu haben, meldeten sich Vater und Onkel und bekamen tatsächlich den Zuschlag. «So gross war die Konkurrenz wohl nicht», schmunzelt der Sohn.

Mit einem Lieferwagen voller Produkte, die sie auf eigene Faust verkaufen mussten, legten Marcel Urfers Vater und Onkel den Grundstein für das heutige Erfolgsrezept: Der Vertrieb bringt die Kunden, die Schlosserei hält sie.

Wenn alles nach Plan verläuft, zieht das Familienunternehmen Urfer-Müpro Befestigungstechnik bereits Anfang 2019 aus dem Wohnquartier an der Hofmattstrasse in den eigenen Neubau am Rand des Industriequartiers.