Lenzburg
Brunnen auf Markus-Roth-Platz: «Riesengrosser Haufen Bauschutt» oder «einmaliges Meisterwerk»?

Im Quartier «Im Lenz» wurde der Markus-Roth-Platz mit Brunnen eingeweiht. Die Meinungen zum neuen Brunnen gehen weit auseinander.

Janine Gloor
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Der spezielle Brunnen auf dem Markus-Roth-Platz in Lenzburg wurde offiziell eingeweiht.
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Ein kritischer Blick Einweihung Brunnen Markus-Roth-Platz
In zwei Monaten haben sich um und auf dem Brunnen Algen gebildet. Einweihung Brunnen Markus-Roth-Platz
Stadtammann Daniel Mosimann, Adrian Roth, Künstler Bob Gramsma und Benoît Demierre von Losinger Marazzi posieren vor dem Brunnen. Einweihung Brunnen Markus-Roth-Platz

Der spezielle Brunnen auf dem Markus-Roth-Platz in Lenzburg wurde offiziell eingeweiht.

Etwas misstrauisch beäugen die «Im Lenz»-Bewohner den Steinhaufen. Seit zwei Monaten lebt der Brunnen, ein Kunstwerk des schweizerisch-niederländischen Künstlers Bob Gramsma, im neuen Quartier. In dieser Zeit hat er Algen, Kalk und Rost angesetzt, auch der Boden ist schon ergrünt. Zusammen mit dem Markus-Roth-Platz wurde der Brunnen am Mittwoch eingeweiht.
Stadtammann Daniel Mosimann gefällt der Brunnen gut. Er freue sich, dass der Platz ein aussergewöhnliches, einmaliges Kunstwerk erhalten habe. «Der Brunnen lässt eine lebendige Tradition der Stadt aufleben», sagte er.

Mosimann meinte damit die Brunnentradition. Bob Gramsma erklärte den Anwesenden, wie das Kunstwerk entstand. «Ich fragte mich: Welchen Raum hat eine Quelle?» Gramsma hat im Traitafina-Areal einen fiktiven Quellenraum gegraben und mit Beton gefüllt. Als die Form aus dem Loch gehoben wurde, hatte der Beton die Steine aus dem Erdreich angenommen. «Es ist ein Abdruck aus dem Boden von Lenzburg.» Aufgrund seiner natürlichen Beschaffenheit werde sich der Brunnen im Laufe der Zeit verändern. Wie genau, das wisse er auch nicht. «Vielleicht wächst etwas darauf.»

Markus Roth, nach dem der neue Platz benannt wurde, war ein bedeutender Lenzburger (siehe Box rechts). Adrian Roth, Sohn des Namengebers, freute sich über die Ehre, die seinem Vater so zuteilwird.

«Lassen Sie sich Zeit»

Nicht alle Bewohner fühlen sich von den 12 Tonnen Beton und Stein ästhetisch angesprochen. «Würde sich freundlicherweise jemand um die fachgerechte Entsorgung dieses guerillamässig angehäuften Bauschuttes kümmern?», fragt ein Bewohner in der Quartier-App. «Hässlich», zischte eine junge Frau ein wenig zu laut ihrem Begleiter zu. Die Bewohner mögen noch zweifeln, aber der Brunnen ist genau nach dem Geschmack des Totalunternehmens Losinger Marazzi: «Das Erstellen des Werks war eine Baustelle für sich. Viel Beton, ein Schwertransport, das gefällt uns», sagte Leiter Region Mitte Benoît Demierre.

Wer war Markus Roth?

Markus Roth war ein einflussreicher Lenzburger. Einer Stadtschreiberdynastie entsprungen, besetzte er selber von 1936 bis 1958 dieses Amt. Danach wechselte er die Branche und wurde Chef der «Hero Conserven». Der promovierte Jurist prägte die Kulturförderung im Aargau massgebend. Er war Mitinitiant und erster Präsident der Kulturstiftung Pro Argovia und des Aargauer Kuratoriums. «Es ist der Stadt Lenzburg eine Ehre, den neu entstandenen Platz im Geiste einer solchen Persönlichkeit benennen zu dürfen», heisst es in einer Mitteilung. (JGL)

Gramsma hat einen Tipp für alle, die mit seinem Kunstwerk Mühe haben: «Lassen Sie sich Zeit. Gefallen hat mit der Wahrnehmung zu tun, den Leuten gefällt, was sie kennen. Der Brunnen wird sich wandeln, womöglich geschieht das auch mit der Wahrnehmung.» Falls auch das nichts nützen sollte, rät er: «Pflanzen Sie doch etwas Schönes auf dem Brunnen!»
Zwei kleinen Kindern waren die Diskussionen um Kunst und Ästhetik egal, sobald das Wasser sprudelte, zogen sie die Schuhe aus und flitzten unermüdlich im Kreis um die Quelle. Somit haben Brunnen und Platz ihren Zweck erfüllt.