Dintikon

«Brüderrivalität hat es bei uns noch nie gegeben»

Die Brüder Nick und Benjamin Riva (von links) wollen zusammen in den Nationalrat.

Benjamin und Nick Riva aus Dintikon kandidieren auf der Liste der Jungfreisinnigen. Den Wahlkampf absolvieren sie zusammen.

Zwischen all den Wahlplakaten, die zurzeit zu sehen sind, fällt jenes von Benjamin und Nick Riva auf. Nicht weil es durch aussergewöhnliche Farben oder Sujets besticht, sondern weil die Brüder sich ein Wahlplakat teilen.

«Brüderrivalität hat es bei uns noch nie gegeben», erklärt Benjamin Riva. «Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir einen grösseren Altersunterschied haben», ergänzt Bruder Nick. Benjamin (23) und Nick (18) kandidieren auf der Liste der Jungfreisinnigen des Kanton Aargaus für den Nationalrat.

Angefangen zu politisieren haben die Brüder früh. «Ich bin vor knapp fünf Jahren den Jungfreisinnigen beigetreten und habe vor vier Jahren schon für den Nationalrat kandidiert», so Benjamin Riva.

Ein Jahr später kam dann noch eine Kandidatur für den Grossen Rat dazu, diese dann aber auf der Liste der Mutterpartei. Auch Nick Riva engagierte sich früh in der Politik, mit 16 Jahren trat er den Jungfreisinnigen bei. «Im üblichen Alter», wie er findet.

Mehr Politik im Schulunterricht

Die Eltern der beiden Brüder, sind selbst nicht in der Politik aktiv. «Wir haben am Küchentisch schon immer gerne politische Themen diskutiert, das aktive Politisieren habe aber ich in die Familie gebracht», erklärt Benjamin Riva.

Das Interesse für Politik würden die Brüder auch gerne an andere Jugendliche weitervermitteln. Ihrer Meinung nach engagiert sich die junge Generation zu wenig in der Politik.

Mehr politische Bildung in Schulen

Ein Grund dafür: Es werde nicht genügend politisches Wissen in der Schule vermittelt. «Ich denke, wir benötigen schon in der Schule vielmehr politische Bildung, als eigenes Schulfach, wie es die Jungfreisinnigen auch gefordert haben.

Das wird jetzt glücklicherweise auch so umgesetzt. Viele Jugendliche wissen nicht, was der National- oder Ständerat macht», so Nick Riva. «Man muss in der Schule nicht jeden einzelnen Initiativtext besprechen», ergänzt Bruder Benjamin.

«Es geht vielmehr darum, dass man weiss, wie das System funktioniert und in diesem Zuge kann man sich auch mit einzelnen Initiativen befassen.»

Sein Bruder pflichtet ihm bei: « Es geht zuerst um das Verständnis, wie eine Initiative funktioniert. Wie viele Unterschriften muss man sammeln und in welcher Zeit?

Wenn man keine Grundlagen hat, ist es schwierig, Informationen aus den Medien oder Gesprächen aufzunehmen» so Nick Riva. Im Gespräch fällt auf: Die Brüder ersetzen oft gegenseitig ihre Sätze. Sind sie immer der selben Meinung?

«Wir haben wenig Grundsatzdiskussionen. Ich vertrete als Älterer vielleicht ein wenig für die gemässigtere Variante und Nick diejenige, die weitergeht», so Benjamin Riva. Was würde passieren, wenn einer von beiden gewählt wird? «Dann würde sich der andere für ihn freuen», sagt Nick Riva.

Für den Nationalrat kandidieren die Brüder aus mehreren Gründen: «Realistisch gesehen sind unsere Chancen nicht sehr gross, durch den Wahlkampf möchten wir aber auch bekannter werden. Im nächsten Jahr sind wieder die Grossratswahlen», sagt Benjamin Riva.

«Zudem möchten wir mit unserer Liste natürlich auch die FDP unterstützen, beim letzten Wahlkampf war der dritte Nationalratssitz dank der Stimmen der Jungfreisinnigen möglich.»

Auch in Zukunft wollen sie gemeinsam kandidieren

Für die Riva Brüder gibt es auch ein Leben neben der Politik. Benjamin Riva macht zur Zeit seinen Master in Volkswirtschaft an der Universität Zürich. Berufswunsch des Studenten: Professor. «Das Ziel ist natürlich ein langfristiges, aber ich unterrichte sehr gerne.»

Schon jetzt leitet der 23-Jährige Vorbereitungskurse in Mikroökonomie an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft (ZHAW) in Winterthur. Eine grosse Passion von Benjamin Riva: die Forschung.

«Ich finde es unglaublich toll, wirtschaftspolitisch zu forschen. Dadurch sieht man Effekte von Massnahmen, die in der Politik getroffen werden sollen, derer man sich zuvor gar nicht bewusst war.»

Nick Riva ist noch an der Kantonsschule. «Ich möchte gerne Mathematik studieren und im Nebenfach Wirtschaft. Später will ich mein mathematisches Wissen in der Wirtschaft anwenden können.»

Falls es keiner der Brüder in den Nationalrat schafft, sind die Grossratswahlen das nächste Ziel. Die Listenplätze seien jeweils sehr umkämpft, so Benjamin Riva. Antreten würden sie im Fall der Fälle aber sicherlich wieder gemeinsam.

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