Birrwil
Brocante: An diesem Markt gibt es nichts, was es nicht gibt

Nicht nur Indianerfans kamen zum Weihnachts- und Flohmarkt des Countryclubs.

Peter Weingartner
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Indy Imbach (rechts) lässt sich beim Schmuckdesign von den Lakota-Indianern inspirieren.

Indy Imbach (rechts) lässt sich beim Schmuckdesign von den Lakota-Indianern inspirieren.

Peter Weingartner

«Man findet hier immer etwas, aber ehrlich gesagt, wir sind vor allem wegen der Rösti da», gesteht Franziska Niklaus aus Oberbuchsiten und zeigt nichtsdestotrotz ihre neuste Errungenschaft: ein schwarzes Bustier. Kaum etwas, das es nicht gibt an diesem Markt der Sammler, Trödler und Handwerker in Birrwil: Schwyzerörgeli-Noten und Geschirr, Büffelschädel und Kerzen, alles potenzielle Weihnachtsgeschenke.

Ursula Süess aus Menziken ist zum fünften Mal dabei, und ihr Stand ist an Uneinheitlichkeit des Angebots kaum zu überbieten. Sie ist eine Sammlerin; ihre Devise lautet: Freude machen – Platz schaffen. So kann man günstig zu einem Kuscheltier oder einer CD kommen.

Birrwil ist Indianerland

Die Mehrzweckhalle ist mehrheitlich in Indianerhand, obwohl die Mitglieder des organisierenden Countryclubs eher Cowboy-mässig daherkommen. An den Ständen gibt es Literatur über die Indianer, vor allem aber Kultgegenstände vom Traumfänger bis zur Perlenkette, Silberschmuck, Kraftsteine und Federbilder. «Man kann vom Verkauf dieser Sachen nicht leben, aber die Arbeit gibt Lebensfreude und den Seelenfrieden; unbezahlbar», sagt Heinz Moser aus dem Emmental. Da kann man Lebensgeschichten erfahren, wie bei Indy Imbach aus dem Kanton Obwalden. Er, ehemaliger Kickboxer und einst Nationalmannschaftskollege von Andy Hug, sagt, er habe sich beim Gestalten des Schmucks oder der Traumfänger von der Kultur der Lakota inspirieren lassen. «Das meiste stelle ich selber her; die Bogen habe ich direkt von den Lakota», sagt er.

«Wir könnten die Halle nochmals füllen», sagt Marianne Lehmann vom Countryclub Birrwil. Dieses Jahr, das fünfzehnte, seien es 57 Stände, und die Aussteller kämen von Sankt Gallen bis Lausanne. Der Markt spricht sich offenbar herum und ist für viele Besucher zur Tradition geworden.

«Sammeln macht Spass» heisst ein Buch, das man kaufen kann. Diesem Motto leben Maja und Roli Bernhard aus Neuenkirch nach. Da kommt ein solcher Markt, der Platz schafft, gelegen. «Wobei mir alle Gegenstände gefallen müssen; ich kaufe nichts, nur weil ich es vielleicht gut verkaufen könnte», sagt Maja Bernhard. Spiegel, kleine Möbel, Gläser, eine Kaffeemühle, ein Posthorn, ja sogar ein mit Gold verzierter Nachthafen warten auf Käufer: ein wahrer Gemischtwarenladen. Einen Spiegel erwirbt Hans Galliker aus Schlierbach – entgegen seinem ursprünglichen Vorhaben. «Eigentlich sind wir wegen Indianersachen gekommen», sagt er, «denn wir haben an der Fasnacht das Motto Wilder Westen.»

Gregory Larsen aus Beinwil am See, gebürtiger Amerikaner, ist mit einer Kollektion aus seinem Kleiderladen da, aber er lässt es sich nicht nehmen, zwischendurch zur Gitarre zu greifen und einen Country-Song zum Besten zu geben. Stephan Schaller aus Dagmersellen hat für sich einen silbernen Halsschmuck gekauft und sein Sohn trägt einen neuen Säbel herum. Ausserdem hat er eine Frauenlederjacke erstanden. Was hat er damit vor? «Das wird ein Weihnachtsgeschenk», raunt er.

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