Seengen
Brestenberg-Renovation: Von Wirren um Stifter Stefanini unberührt

Das ehemalige Schlosshotel gehört zur Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, um die ein Machtkampf tobt. Die Renovierung des Brestensbergs wird jedoch nach Plan weiterlaufen. Ein weiteres Projekt ist auch schon geplant.

Fritz Thut
Merken
Drucken
Teilen
Das ehemalige Schlosshotel Brestenberg in Seengen mit der wegen der aktuellen Sanierungsarbeiten eingerüsteten Schlossscheune (rechts).

Das ehemalige Schlosshotel Brestenberg in Seengen mit der wegen der aktuellen Sanierungsarbeiten eingerüsteten Schlossscheune (rechts).

Fritz Thut

«Zank um Bruno Stefaninis Kunststiftung». «Streit um Stefanini-Stiftung eskaliert». «Stefaninis engste Vertraute kämpfen gegen dessen Kinder». Diese drei Schlagzeilen aus der «Neuen Zürcher Zeitung» der letzten zwei Wochen betreffen die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG), der auch das ehemalige und seit Jahrzehnten leerstehende Schlosshotel Brestenberg in Seengen gehört.

Haben die Wirren um die in Winterthur domizilierte Stiftung, die in Anzeigen von Bruno Stefaninis Tochter Bettina gegen SKKG-Stiftungsräte gipfelte, Auswirkungen auf das Seetaler Dornröschenschloss? Die Antwort auf diese Frage liefert Markus Brunner.

«Keinen direkten Einfluss»

Er ist Geschäftsführer der Terresta Immobilien- und Verwaltungs AG. Diese Firma gehört zu 100 Prozent dem vor wenigen Wochen 90 Jahre alt gewordenen Bruno Stefanini und ist für die Geschäftsleitung der SKKG, wo Brunner als Stiftungsrat ebenfalls einsitzt, verantwortlich.

«Die aktuellen Vorkommnisse rund um die Stiftung, zu denen ich keine Stellung nehmen will, haben keinen direkten Einfluss auf den Brestenberg», stellt der Immobilienverwalter klar.

Scheune und Parkplatz

Konkret heisst dies sicher, dass die gegenwärtig laufenden Sanierungsarbeiten an der Brestenbergscheune wie geplant weitergehen. «Mit diesem Projekt sind wir auf der Zielgeraden; sicher 80 Prozent der Arbeiten sind erledigt. Im Moment laufen, auch mit der kantonalen Denkmalpflege, die Diskussionen über die Farbgebung», so Brunner.

Ein nächstes Projekt ist, so bestätigt der Immobilienverantwortliche, bereits in der Pipeline. Der grosse Parkplatz beim ehemaligen Schlosshotel soll in absehbarer Zeit saniert werden. «Die Gemeinde ist mit einem entsprechenden Anliegen an uns herangetreten und wir haben den Wunsch aufgenommen», so Markus Brunner. Gespräche hätten stattgefunden und er sei «zur Zeit daran, die Kosten zusammenzustellen».

Anschliessend brauche es dann «einen Entscheid der Eigentümerschaft». Rein formell gehört der Brestenberg und damit auch der Parkplatz seit 1962 der Firma Tonerag AG. Für kolportierte 6,5 Millionen Franken übernahm 1986 Stefaninis Stiftung diese AG.

Für den Umbau des bisher kostenlos zu benützenden Parkplatzes, der künftig ins umfassende Parkplatzkonzept der Gemeinde integriert werden soll, schwebt Brunner eine «einfache, pragmatische Lösung» vor. Im Gespräch spürt man Vorbehalte, falls sich ein kompliziertes Verfahren mit mannigfachen Einsprachemöglichkeiten abzeichnet: «Dann lassen wir es halt, wie es ist.»

In der Gemeinde Seengen wissen viele Personen nicht, ob sie das Signal vom grundsätzlichen Status quo aus Winterthur positiv oder negativ werten sollen. Ganze Heerscharen von Lokalpolitikern haben sich in der Vergangenheit vergebens abgemüht, den mit Immobilien zu einem riesigen Vermögen gekommenen Stiftungsgründer zu bewegen, den Brestenberg wieder zu beleben.

Rätsel zur Gesundheit

Über Bruno Stefaninis aktuellen Gesundheitszustand kursieren unterschiedliche Angaben. Er «leide seit einer Operation im Januar 2013 an einer ‹rasch fortschreitenden Demenz›». Bei diesem Zitat stützt sich die «Neue Zürcher Zeitung» auf die «Kommunikationsagentur von Stefaninis Kindern».

Der Stiftungsrat, der eine Anpassung der Stiftungsurkunde anstrebt, hält im eigenen Internet-Auftritt fest: «Es ist jedoch kein Geheimnis, dass er (Bruno Stefanini) im Alter von 90 Jahren zunehmend an Altersschwäche leidet. Trotzdem kam er dieses Jahr mehrmals freiwillig und auf eigenen Beinen an die Sitzungen des Stiftungsrats.»

«Ob Stefanini auch komplexere Zusammenhänge wie die Änderung einer Stiftungsurkunde noch erfasst und beurteilen kann, lässt sich nicht sagen.» Zu diesem Schluss kam der Mitarbeiter der Winterthurer Regionalzeitung «Der Landbote», der am 9. September zusammen mit Sohn und Tochter den Immobilienmilliardär am Krankenbett besuchen konnte.

Bei den Querelen zwischen dem sechsköpfigen SKKG-Stiftungsrat und Stefaninis Nachkommen ist nun auch die Eidgenössische Stiftungsaufsicht ins Schussfeld der Kritik geraten. Ihr wird jahrelanges tatenlosen Zuschauen unterstellt.

In Seengen interessiert man sich für mögliche Konsequenzen für den Brestenberg: «Wir werden die Angelegenheit weiter aufmerksam verfolgen und hoffen, dass sie keine negativen Auswirkungen hat», so Gemeindeammann Jörg Bruder.