Seengen
Brestenberg: Das ehemalige Schlosshotel vor einer ungewissen Zukunft

Die 200 Millionen Franken für die Wiederbelebung des Brestenbergs wurden nicht gefunden. Das entsprechende Mandat wurde beendet. Nun laufen Bemühungen im Hintergrund.

Fritz Thut
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Das ehemalige Schlosshotel Brestenberg wartet weiterhin auf einen Märchenprinzen.

Das ehemalige Schlosshotel Brestenberg wartet weiterhin auf einen Märchenprinzen.

AZ

Für die Beobachter vor Ort war es keine Überraschung. Mit einer kurzen Notiz während der Weihnachtsfeiertage wurde still beendet, was im April 2008 mit grossem Brimborium und der Präsenz von Landammann Peter C. Beyeler angekündigt worden war: Der neueste Anlauf zur Wiedererweckung des Schlosshotels Brestenberg in Seengen ist gescheitert.

Der Innerschweizer Architekt Rolf Möri und der Freiämter Unternehmensberater Albin Lang hatten damals von der Brestenberg-Besitzerin, der vom Winterthurer Immobilienmagnaten Bruno Stefanini kontrollierten «Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte», ein Mandat bekommen, Investoren zu suchen, die dem Brestenberg eine Zukunft als Luxushotel mit 240 bis 270 Zimmern sichern sollte. Man sprach von einem Bedarf von rund 200 Millionen Franken.

Undurchsichtige Situation

Solch potente Investoren findet man nicht so schnell, und immer wieder wurde es alsbald ruhig, wenn Rolf Möri eine «heisse Spur» von möglichen Interessenten vermeldete. Gemäss Informationen aus dem Umfeld von Stefanini lief das Mandat bereits Ende September 2010 ab. Bestätigt wurde das Scheitern aber erst drei Monate später gegenüber den Medien.

Eine offizielle Mitteilung über das Ende des Mandats Möri/Lang ist im Seenger Gemeindehaus, wo vor bald drei Jahren über die «neue Zukunft für Schloss Brestenberg» informiert worden war, keine eingetroffen. Was hier nicht überrascht, hat man doch mit dem Besitzer schon einiges erlebt, seit das ehemals weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannte Schlosshotel seit dem Januar 1981 für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich ist.

«Die Situation ist weiterhin undurchsichtig», ist die Erkenntnis von Nelli Ulmi, Gemeindeammann von Seengen. «Offensichtlich hält weiterhin Bruno Stefanini die Fäden in der Hand und er ist nicht gewillt, an diesen Fäden zu ziehen», so Ulmi weiter.

Diese Vermutung wird bestätigt. Der mittlerweile fast 86-jährige Brestenberg-Besitzer hat sein Interesse an seinem Aargauer Ableger massiv reduziert - oder ganz verloren? Für die Aktivitäten seiner Stiftung favorisiert er nun Schloss Grandson im Waadtland, wo in diesem Jahr massive Ausbauten geplant sind. Die dortigen Behörden würden ihn besser unterstützen als jene im Aargau, die ihm in den 80er-Jahren die Freude am Investieren in den Brestenberg nachhaltig vergällt haben.

Eine klitzekleine Chance, dass doch noch ein reicher Märchenprinz gefunden wird, der das immer mehr verfallende Schloss wachküssen und zu neuem Leben erwecken könnte, besteht. Unternehmensberater Albin Lang wirkt immer noch im Hintergrund. «Mir liegt die Zukunft des Brestenbergs wirklich am Herzen», schildert er die Motivation für seine Anstrengungen.
Er kennt die örtliche Situation bestens und weiss um die Auflagen von Stefanini und seinen Repräsentanten an die Pläne eines Käufers: Kein Bordell, kein Casino, nur «schneeweisses Geld», lauten die drei wichtigsten Einschränkungen.

Die ursprünglich geplante Dimension hat viele mögliche Geldgeber abgeschreckt: «Wir haben zurückbuchstabiert», so Lang. Doch auch so wird die Aufgabe nicht einfach und Lang hütet sich davor, zu hohe Erwartungen zu wecken: «Ich habe offene Türen bei Stefanini und konkrete Kontakte zu Interessenten, will aber nicht euphorisch werden.»