Seengen
Brestenberg-Besitzer kämpfte um eigene Stühle in der Kirche

Der Jahrgang 2014 der «Heimatkunde aus dem Seetal» berichtet von einem Streit aus dem Jahr 1766.

Fritz Thut
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Früher waren für die Eigentümer von Schloss Brestenberg in der Seenger Kirche eigene Stühle reserviert. Toni Widmer

Früher waren für die Eigentümer von Schloss Brestenberg in der Seenger Kirche eigene Stühle reserviert. Toni Widmer

Der aktuelle Besitzer von Schloss Brestenberg in Seengen, der Winterthurer Immobilienkönig Bruno Stefanini, um dessen Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte gegenwärtig ein Machtkampf tobt, hat mit seinem Wankelmut in den letzten Jahrzehnten die kommunalen und kantonalen Behörden oft auf Trab gehalten.

Der mittlerweile 90-jährige und kaum mehr urteilsfähige Stefanini betritt damit nicht Neuland. Bereits der siebte Besitzer des im frühen 17. Jahrhundert erstellten Anwesens focht mit der Obrigkeit einen damals erbitterten, aus heutiger Sicht aber eher rührigen Streit aus. Es ging 1766 um die namentlich zugeteilten Stühle in der Seenger Kirche.

Tausch mit Eichberg

Oberst Vincent Dieudonné de Goumoens wurde am 23. Oktober 1760 Besitzer von Schloss Brestenberg. Damals tauschte er, «unter Aufzahlung» wie es heisst, den Eichberg auf der Höhe ob Seengen mit dem seenahen Brestenberg. Der ehemalige Berufsoffizier, der zuerst für Frankreich, später auch für Holland Kriegsdienste geleistet hatte, war durch seine Heirat mit Rosina Esther von Hallwyl in den Besitz des Eichbergs geraten.

1766, sechs Jahre nach dem Tausch von de Goumoens mit dem ehemaligen Brestenberg-Besitzer Johan Ludwig von Breitenlandenberg, wurde die damalige Seenger Kirche neu «gestuhlet und geglaset». Dadurch veränderte sich die kircheninterne Struktur und damit die Zugänge.

Beitrag in der «Heimatkunde»

De Goumoens fühlte sich durch die Veränderungen benachteiligt und kämpfte um die ihm seiner Meinung nach zustehenden Kirchenstühle. In der aktuellen «Heimatkunde aus dem Seetal» zeichnet der frühere Meisterschwander Gemeindeammann und versierte Brestenberg-Kenner Markus Remund in einem Artikel anhand von Original-Dokumenten den zugehörigen Schriftverkehr nach.

Ein Skizze von «Junker Oberst», wie de Goumoens oft bezeichnet wird, zeigt, wie er sich die Einteilung vorstellt. Vom «9. augsten 1766» datiert eine Rechnung von Johannes Hegnauwer für von de Goumoens in Auftrag gegebene acht Stühle. 28 Kreuzer brachte der Oberst in Abzug «für negel über die wo ich selbst gelieffert».

Das eigenmächtige Vorgehen von de Goumoens kam bei der Familie seiner Ehefrau im Schloss Hallwyl nicht gut an: Die «hinterucks und unbefragt vorgegangene Anzeichnung und Zueignung besagter Stühle» findet die «Herrschaftsschreiberei Hallwyl» überrissen. Vier der acht Stühle seien der Disposition der Kirchgemeinde vorbehalten.

Die Angelegenheit um die für die Schlossbesitzer reservierten Stühle in der Kirche wurde offensichtlich gütlich geregelt. Gemäss Autor Remund ist das Ende der Affäre «zumindest 1766 nicht aktenkundig belegt».

Das «Égalité» der französischen Revolution 1798, der Kirchenneubau 1821 und der Lauf der Zeit führten dazu, dass dieses Privileg zumindest im Seetal bereits im späten 19. Jahrhundert kein Thema mehr war.

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