Verkehrsverein Lenzburg
Braucht es noch einen Verkehrsverein in Lenzburg?

Sein oder nicht Sein? Der Vorstand des Verkehrsvereins Lenzburg macht sich Grundsatzgedanken über den Fortbestand der eigenen Organisation.

Heiner Halder
Merken
Drucken
Teilen
Die neuen Lenzburger Stadtführerinnen Sabina Stöckli, Jacqueline Lehn und Anna Maria Ammann (von links). RST

Die neuen Lenzburger Stadtführerinnen Sabina Stöckli, Jacqueline Lehn und Anna Maria Ammann (von links). RST

«Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir entbehrlich geworden sind», sagt Verkehrsvereinspräsident Ueli Steinmann. Eine nüchterne Analyse nach 17 Jahren VVL-Führung zeigt auf, dass viele Aufgaben des Vereins von andern Institutionen übernommen worden sind oder eben so gut erfüllt werden können.

Der bevorstehende Rücktritt des Präsidenten Ende 2012 wird vom Vorstand zum Anlass genommen, angesichts der veränderten Rahmenbedingungen grundsätzliche Gedanken über den Fortbestand des über 100-jährigen Vereins anzustellen. Der lokale Lenzburger Verkehrsverein (VVL) hat während Jahrzehnten viele Anstösse und Initiativen lanciert – zuletzt mit den Stadtführerinnen – und damit schon früh Standortmarketing betrieben.

Tourismusbüro erweitert

Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Büro für Tourismus und Mobilität ist der Radius der Aktivitäten wesentlich erweitert worden. «Es ist nach drei Jahren so gut aufgegleist mit Fachpersonal, dass man sich fragen darf, ob es ehrenamtlich wirkende Vorstände im Hintergrund noch braucht», erklärte Steinmann an der GV. Mit der Pensums-Erhöhung von Nathalie Sager insbesondere für die Belange von Lenzburg und dem VVL sei man «künftig sehr gut bedient».

Das Tourismusbüro ist aber nicht die einzige Institution, die im Laufe der Zeit den Verkehrsverein von seinen traditionellen Aufgaben entlastet hat. Zwar ist dieser immer noch der «Heimathafen» für die Stadtführerinnen, die Koordination indes liegt beim Tourismusbüro. Dort ist auch neu der «Brunnenschmückerinnen-Apéro» angesiedelt, und die Brunnenführungen am Jugendfest-Vorabend könnten auch im Pflichtenheft der Jugendfestkommission stehen.

Wohin mit dem Verein?

Der Neuzuzügeranlass, ebenfalls ein erfolgreiches Produkt des VVL, ist eigentlich eine städtische Aufgabe, sowie die Organisation der Bundesfeier, welche schon 2006 von der Stadtverwaltung übernommen wurde. Das Sponsoring für den Räbeliechtli-Umzug wäre durchaus von der Schule zu erwarten. Diese Beispiele zeigen, dass es auch ohne den Verkehrsverein geht. Steinmann verweist zudem auf die Entwicklung im Luzerner Seetal, wo lokale Verkehrsvereine im Seetal Tourismus aufgingen.

Ueli Steinmann hat denn auch die Erfahrung gemacht, dass der VVL nicht mehr überall der erste Ansprechpartner für die Organisation gewisser grösserer Events ist. Sein Fazit: «Wir wollen nicht partout an Aufgaben festhalten, die andere Stellen ebenso gut erfüllen können.» Die Weichen für die Zukunft werden definitiv an der nächsten Generalversammlung gestellt.

Neue Stadtführerinnen

Von Resignation ist indes nichts zu spüren. So präsentierte der VVL mit Sabina Stöckli, Jacqueline Lehn und Anna Maria Ammann drei neue Stadtführerinnen, sodass das Team jetzt acht versierte mehrsprachige Guides umfasst. Letztes Jahr wurden insgesamt 95 Führungen verkauft. Die vom Tourismusbüro angebotenen öffentlichen Führungen wurden fünf Mal unternommen, die Stadtrundfahrt im Bus war ebenfalls fünfmal gefragt.

Nachdem die adretten Damen letztes Jahr mit neuen weissen Panama-Hüten ausgerüstet wurden, erhielten sie nun trendige Taschen, um ihre Unterlagen bequemer mittragen zu können. Das augenfällige Accessoire aus ungebrauchtem Blachenstoff mit den Lenzburger Farben und dem Kugel-Label ist professionell gestaltet und handgemacht von Sabina Stöckli. Es werden für die exklusive Wertarbeit noch Sponsoren gesucht, das Tourismusbüro nimmt Angebote gern entgegen.