Lenzburg

Boom in der Schönheitschirurgie: Nach dem Lockdown wächst der Wunsch nach Lifting

«Das Vertrauen ist zurück»: Felix Bertram, ärztlicher Leiter und Inhaber von Skinmed, und Tatjana Lanaras, Fachärztin.

«Das Vertrauen ist zurück»: Felix Bertram, ärztlicher Leiter und Inhaber von Skinmed, und Tatjana Lanaras, Fachärztin.

Aufgrund der Coronakrise steigt die Nachfrage nach Schönheistoperationen stark an. Nach dem Lockdown nutzen die Leute die freie Zeit im Homeoffice und das angesparte Feriengeld, berichtet Skinmed-Chef Felix Bertram.

Sechs Wochen ging in den Kliniken von Felix Bertram (45) gar nichts mehr: Seit dem 27. April läuft – im Rahmen der zusätzlichen Coronahygienevorschriften – bei Skinmed wieder der Normalbetrieb. Im Bereich Dermatologie seien sie wieder bei etwa 80 bis 90 Prozent, erklärt Felix Bertram. «Das Vertrauen der Patienten ist zurück.» Wesentlich stürmischer als erwartet läuft es bei der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie. «Da erleben wir einen Boom», sagt Bertram. «Normalerweise ist der Sommer eher schwach – das ist dieses Jahr überhaupt nicht der Fall. Bis Ende Juli sind wir nahezu ausgebucht.» Fachärztin Tatjana Lanaras (38) ergänzt, das sei ein allgemeiner Trend, Berufskollegen würden von ähnlichen Anstürmen berichten.

Andere Selbstwahrnehmung wegen Videokonferenzen

Nach dem Lockdown zum Schönheitschirurgen: Was sind die Gründe? Ganz genau wissen es die Skinmed-Ärzte nicht, aber sie haben Indizien. «Eine wichtige Rolle spielt das Home­office – und das in mehrfacher Hinsicht», erklärt Tatjana Lanaras. Nach operativen Eingriffen und ästhetischen Behandlungen könnten die Patienten jeweils ein paar Tage nicht unter die Leute gehen. «Wenn man im Homeoffice arbeitet, kann man sich zu Hause auskurieren und hat keinen Arbeitsausfall», erklärt Tatjana Lanaras. «Und man muss sich erst noch nicht rechtfertigen.»

Die Fachärztin hat zudem festgestellt, dass bei vielen Menschen in der Homeoffice-Phase der Wunsch nach einer Verschönerung gewachsen ist. Unter anderem, weil sie sich an Videositzungen immer wieder selber gesehen haben und das häufig ohne die sonst übliche Schminke.

Das wegen Corona gesparte Geld wird in OP investiert

Die Leute haben nicht nur mehr Zeit für die Schönheitseingriffe, sondern auch das Geld dafür: «Das kommt daher, dass viele ihre Ferien absagen mussten, und dass sie während des Lockdown nicht so viel ausgegeben haben», erklärt Tatjana Lanaras. «Sie sagen sich: Ich wollte das schon lange machen – jetzt tue ich es.» Es kämen alle Altersschichten, gefragt seien etwa Brustoperationen, Nasenchirurgie, Fettabsaugen.

Coronabedingte Rabatte gibt es nicht. «Wer zu uns kommt, hat nicht den Preis, sondern die Qualität im Kopf – er würde sich sonst im Ausland orientieren», sagt Bertram.

Skinmed beschäftigt in Lenzburg und Aarau über 60 Personen. Tatjana Lanaras ist im Februar zum Team gestossen. Sie ist eine von drei plastischen Chirurgen, was für vergleichbare Kliniken relativ viel ist. Die schweizerisch-griechische Doppelbürgerin war Oberärztin an der Klinik für Plastische- und Handchirurgie der Uni Zürich.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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