Seit August 2018 drücken die Fünft- und Sechstklässler aus Hallwil die Schulbank in Boniswil. Der Grund: Der Hallwiler Schule gingen die Schüler der Mittelstufe aus. Hallwil wollte nun auf das kommende Schuljahr den Vertrag mit der Nachbarsgemeinde vorzeitig kündigen. Das Schulgeld sei zu teuer. Boniswil gibt die Schüler aber nicht kampflos auf – und hat Hallwil ein Discount-Angebot gemacht.

Aber der Reihe nach: Die Schule des 875-Seelen-Dorfes Hallwil hat schwierige Jahre hinter sich, unter anderem war das Verhältnis zwischen Lehrern, Schulpflege und Gemeinderat gestört. 2018 tauchte ein weiteres Problem auf. Die Schule hatte zu wenig Schüler für die Mittelstufe, weshalb sie die 5. und 6. Klasse innerhalb des Schulverbundes Drüwil nach Boniswil (1427 Einwohner) auslagerte. Die Integration der Schüler sei dank des eingespielten Teams an der Schule Boniswil bestens geglückt, schreibt Gemeindeammann Gérald Strub in der aktuellen Ausgabe des «Dorfheftli».

Steuererhöhung wäre nötig

Doch schon ein halbes Jahr später suchte der Hallwiler Gemeinderat das Gespräch mit seinen Boniswiler Amtskollegen. Hallwil wollte seine Schüler wieder ins eigene Dorf zurückholen. Das Schulgeld sei zu hoch, die Gemeinde müsste die Steuern erhöhen, so die Begründung. Das würden die Hallwiler Stimmbürger kaum schlucken. Der Gemeinderat wollte deshalb den Vertrag mit Boniswil vor Ablauf der Vertragsdauer beenden.

Dieser Schritt hätte für die Boniswiler Schule Folgen: Ohne die zusätzlichen Schüler aus der Nachbarsgemeinde könnte Boniswil die Stufen nicht mehr einklassig führen. Dies würde sich auf die Unterrichtsqualität auswirken, schreibt Ammann Strub. Also ging Boniswil über die Bücher. Und dabei kam heraus: «Mit der standardisierten Schulgeldberechnung nach der kantonalen Schulgeldverordnung fällt das Schulgeld im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden recht hoch aus – und für Hallwil teuer», führt Strub im «Dorfheftli» aus. Kurzerhand entschied sich Boniswil, den Nachbarn entgegenzukommen: Anstatt den Vertrag mit Hallwil aufzulösen, hat Boniswil das Schulgeld «markant auf das Niveau der umliegenden Gemeinden» gesenkt, so Strub. «Dies im Sinne einer guten und fairen regionalen Zusammenarbeit, und weil Nachbarn sich eben aushelfen.»

Schulgeld bleibt geheim

Um wie viel Boniswil bereit war, das Schulgeld zu reduzieren, ist nicht bekannt. Nur so viel: «Der Gemeinderat von Boniswil am Hallwilersee hat das Schuldgeld auf das Niveau der Nachbargemeinde Seengen angepasst.» Ammann Strub bestätigt weiter: «Hallwil hat unser Angebot angenommen und schickt seine Fünft- und Sechstklässler auch in den kommenden Jahren nach Boniswil in die Schule.»