Boniswil
Gemeinderatskandidatin: «Boniswil soll kein Schlafdorf werden»

Rebecca Leiser kandidiert für den Boniswiler Gemeinderat – früher, als sie es geplant hatte.

Valérie Jost
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Will ein massvolles Wachstum in der Gemeinde: Rebecca Leiser auf ihrer Terrasse in Boniswil.

Will ein massvolles Wachstum in der Gemeinde: Rebecca Leiser auf ihrer Terrasse in Boniswil.

Zvg / Aargauer Zeitung

«Wir möchten hier alt werden», sagt Rebecca Leiser. Die 42-Jährige ist in Staufen aufgewachsen, wohnt seit drei Jahren mit ihrer Familie im Elternhaus ihres Mannes in Boniswil und kandidiert neu für den Gemeinderat.

Mit ihr treten bei den Wahlen vom Sonntag fünf Kandidierende an: die Bisherigen Rainer Sommerhalder (53, Zukunft Boniswil) und Monika Herrmann (47, parteilos), die auch als Vizeammann kandidiert, sowie die Neuen Oliver Hippele (49, parteilos) und Tess Bellmont (26, parteilos). Es sieht also nach einer Frauenmehrheit im neuen Gemeinderat aus. «Grundsätzlich finde ich das positiv, mir persönlich ist aber wichtiger, dass mehrere Generationen und berufliche Hintergründe vertreten sind», sagt Leiser dazu.

Seit 2017 arbeitet sie Teilzeit als Anwältin in der Kanzlei «leiser meyer müller» in Aarau und im Homeoffice; zudem unterrichtet sie als Dozentin für öffentliches Gemeinwesen an der Fachhochschule Nordwestschweiz Gemeindemitarbeitende.

Beim Umweltschutz links, in Wirtschaftsfragen liberal

Als frühere juristische Mitarbeiterin der Stadt Solothurn erhielt sie schon Einblick in die Entscheidungsfindung eines Gemeinderats. Dabei kam der Wunsch nach dem Amt auf, so Leiser: «Ich habe als Protokollantin auch Sitzungen erlebt, der Einblick war sehr spannend.» Später selbst zu kandidieren, hatte sie deshalb schon fast entschieden – nun sei es einfach früher passiert als geplant: Vom Verein Zukunft Boniswil wurde sie als Kandidatin angefragt. «Ich habe mir das gut überlegt, ich möchte mich für die Zukunft von Boniswil einsetzen», sagt die 42-Jährige.

Mit den Zielen des gleichnamigen Vereins, die vor allem im Sozialbereich und beim Natur- und Umweltschutz liegen, könne sie sich gut identifizieren. So sei es ihr wichtig, dass Boniswil ein lebendiges Dorf bleibe und kein Schlafdorf werde: «Das gilt für den sozialen Austausch wie auch für Einkaufsmöglichkeiten und Gewerbe.» Dass Boniswil etwa kürzlich das letzte Restaurant verloren habe, bedaure sie sehr. Etwa bei Wirtschaftsfragen weicht sie aber vom Verein ab: «Da habe ich sicher eine liberale Grundhaltung.»

Als grosse Themen in der Gemeinde sieht Leiser unter anderem die kantonsweite Auflösung der Schulpflege auf Ende Jahr, die eine «grosse Herausforderung» darstelle. Sie könnte sich gut vorstellen, das Ressort im Gemeinderat zu übernehmen – sollte sie es bekommen: Nach der allgemeinen Praxis haben die Bisherigen das Erstwahlrecht. «Ich wäre aber selbstverständlich bereit, mich in jedes Ressort einzuarbeiten.» Als Juristin sei sie es sich gewohnt, sich in Dossiers einzulesen.

Zum Reizthema Bautätigkeit in der Gemeinde (momentan wehren sich viele im Dorfteil Allis­wil gegen ein Bauprojekt), sagt Leiser: «Auf persönlicher Ebene kann ich sehr gut nachvollziehen, dass sich die Anwohnenden daran stören.» Rein rechtlich gesehen geht sie jedoch davon aus, dass sich der Gemeinderat beraten liess und seine Entscheidung (jene, die Initiative «Nein zur Allis­wiler Staumauer» für ungültig zu erklären) gestützt auf die geltende Rechtslage gefällt hat.

Und: Bevölkerungswachstum generell sei «nicht per se etwas Schlechtes», wichtig seien aber Mass und Geschwindigkeit – wegen der Infrastruktur und damit letztlich der Kosten. «Unsere schöne Gegend am Hallwilersee ist ein grosser Pluspunkt. Diesen dörflichen Charakter möchte ich helfen zu erhalten.»

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