Floristik

«Blumen schwatzen nicht»: TV-Redaktorin Marianne Erne kann in ihrem Paradies abschalten

Im Blumengarten schaltet Marianne Erne nach einem hektischen Tag beim Fernsehen ab.

Im Blumengarten schaltet Marianne Erne nach einem hektischen Tag beim Fernsehen ab.

Ihre Arbeit als Redaktorin bei der «Landfrauenküche» bei SRF hat Marianne Erne aus Staufen unverhofft zu ihrem liebsten Hobby verholfen.

Da blitzt es blau aus dem Blumenfeld hervor, das Korn­blüemli. «Letztes Jahr hatten wir gar keine», sagt Marianne Erne. Dieses Jahr gibt es Kornblumen und andere Schönheiten in Blau und Weiss, aber kein Jugendfest in Lenzburg. Doch das ist auf dem Blumenblätz in Schafisheim, zwischen Maisfeld und dem Wohnhaus von Maja und Ruedi Waser, halb so schlimm.

Hier bewirtschaftet die Fernsehjournalistin Marianne Erne (61) mit Bäuerin Maja Waser ihren Blumengarten. Als Hobby und mit grosser Leidenschaft. Das Blumenfeld ist nicht riesig, aber gross genug, dass Marianne Erne sich mit der Schere in der Hand einen Weg durch die Mohnblumen, den Rittersporn und die Löwenmäulchen bahnen kann.

Lange konnte sie mit Blumen gar nichts anfangen

Man glaubt ihr kaum, wenn sie sagt, dass sie bis 2007 mit Blumen nichts am Hut hatte. Erne arbeitet bei SRF, wo sie unter anderem die Sendung «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» gestaltet. Als sie einmal einen Dreh in einem prächtigen Blumengarten im Emmental vorbereitete, drückte ihr die Bäuerin eine Schere in die Hand und sagte: «Wir müssen die Blumen abschneiden, in der Nacht gibt es Frost.» Statt in der Kälte einzugehen, wurden die Blumen zu Sträussen gebunden. Diese Rettungsaktion hat Marianne Erne nachhaltig beeindruckt. Bisher mochte sie vor allem die Arbeit mit den Bäuerinnen und Bauern– jetzt hatten es ihr auch die Blumen angetan. Sie besuchte an der Migros-Klubschule mehrere Module in Floristik. Doch sie merkte, dass es gar nicht so einfach war, Blumen für eigene Sträusse zu kaufen. Zudem kamen diese oft von sehr weit weg. Der heimische Garten in Staufen war nah, aber nicht so gross, dass er alle Blumenträume erfüllen konnte. So entstand der Wunsch vom eigenen kleinen Blumenfeld, das dank Aquafitness-Kollegin und Bäuerin Maja Waser Realität wurde.

Heuer ist die dritte Saison auf dem kleinen Blumenfeld. Lokal, ungespritzt und ohne Plan. Nach hektischen Tagen beim Fernsehen kommt Marianne Erne hierher, schneidet, büschelt, jätet und kommt «reicher und glücklicher wieder raus». Hier fährt sie runter, «die Blumen schwatzen nicht mit einem und man muss auch keine Antwort geben». Und sie ist ganz vernarrt in die Cosmea, die Lupinen und die Jungfern im Grünen. Aus selbst gezogenen Blumen bindet sie Sträusse, Gestecke oder Kränze auf Bestellung. Das Angebot bestimmt das Blumenfeld, die Sträusse sind dementsprechend natürlich bunt, von allem ein bisschen. Doch sie bindet auch Sträusse ohne Auftrag.

Für Freundinnen oder als Überraschung: Manchmal postiert sie einen an einem öffentlichen Ort, zum Mitnehmen. Oder sie nimmt zwei Sträusse mit in den Zug nach Zürich und verschenkt einen, wenn jemand die Blumen bewundert. Neben Blumen bindet Marianne Erne auch Wörter zu Geschichten und Gedichten. Die beiden Leidenschaften lassen sich auch verbinden. Sie gibt öffentliche Lesungen und verwöhnt auf Wunsch auch Privatgesellschaften mit Kunst aus Blumen und Wörtern. Nicht alle Blumen und Gräser aus Marianne Ernes Sträussen wachsen im Blumenfeld. Wicken zum Beispiel wollen einfach nicht gedeihen. Doch sie kennt eine Stelle, wo sie wild und wunderbar wachsen. Regelmässig pedalt Ma­rianne Erne dort vorbei, schneidet die verblühten Köpfe ab und erntet ab und zu ein paar Ranken. Auch für andere Preziosen am Strassenrand hält sie unterwegs die Augen offen. Deshalb hat sie in ihrer Handtasche immer eine Blumenschere.

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