Es war der grösste Kredit, über den die Lenzburger je abgestimmt haben. 25,5 Millionen für Bildung. Das war im Februar 2014. Nun ist das Werk vollbracht und die Schule neu organisiert; sowohl die Hüllen, wie auch der Inhalt der beiden Kompetenzzentren der Regionalschule Lenzburg. Mit der gestrigen Einweihung des Bleicherainschulhauses ist nun auch das Kompetenzzentrum Angelrain für die Primarschule fertiggestellt.

Die Bezler mussten ihre Bastion am Bleicherain bereits im August 2016 aufgeben und ins Lenzhard ziehen. Ein logistisch und emotional schwieriger Schritt. Waren doch die Bezler seit der Einweihung des Bleicherainschulhauses 1930 stets isoliert gewesen von den anderen Oberstufenschülern. Doch sowohl im Einwohnerrat als in der Bevölkerung wurde der Entscheid weg von der Zweiklassengesellschaft unterstützt.

Der Begriff Rochade stammt aus dem Schach und der Spieler, der diesen Zug ausführte, heisst Daniel Mosimann. Noch vor zwei Jahren, als sämtliche Figuren auf dem Spielfeld in Bewegung waren und der Ausgang der Partie noch nicht absehbar war, sagte der Stadtammann im Interview mit der AZ, dass ihm die Neuorganisation durchaus schlaflose Nächte bereitet hatte. Er habe Bewährtes auf den Kopf gestellt. Heute ist er zufrieden. «Es war eine grosse Übung; anspruchsvoll für die Stadt und die Schule», sagt Mosimann.

Im Juni sind die Primarschüler in ihre nigelnagelneuen Zimmer im Bleicherainschulhaus eingezogen, die Rochade ist vollzogen. «Beide Zentren haben sich etabliert», sagt Mosimann. «Ich höre nur Positives.» An der Oberstufe gibt es ein paar Jahrgänge, die nach der Primarschule auf verschiedene Schulhäuser aufgeteilt wurden und dann im Lenzhard wieder auf die Gspänli von früher trafen. «Aber für alle anderen ist klar, dass man nach der Primarschule im Angelrain ins Lenzhard in die Oberstufe geht.» Auch von den Lehrerinnen und Lehrern und den Schulleitungen hat Mosimann nur Gutes über die neue Organisation gehört.

Es hat noch Platz

Nieder mit den Pavillons, freie Sicht aufs Schloss: Ende Juli wurden die weissen Pavillons zwischen Angelrain- und Bleicherainschulhaus abgerissen. Fast 30 Jahre lang standen sie dort und boten zusätzlichen Schulraum. Mit der Sanierung des Bleicherainschulhauses wurden sie überflüssig. Hat das neue Primarschulzentrum auch genug Platz für zukünftiges Wachstum? Die Schule rechnet mit 100 neuen Kindern in den nächsten vier Jahren. «Momentan sieht es so aus, dass man die Räume im Mühlemattschulhaus, die momentan mit den Tagesstrukturen belegt sind, freilegen kann», sagt Mosimann.

Für die Tagesstrukturen laufen derzeit Abklärungen, ob diese ins Gebäude der alten Bleiche am Aabach ziehen könnten. Aus diesem Grund wurde an der letzten Einwohnerratssitzung ein Kreditantrag für die Instandsetzung des Wasserrads zurückgezogen – es soll eine Gesamtvorlage für die Gebäude erstellt werden. Auch im Lenzhard gibt es noch Kapazitäten für mehr Schüler; innerhalb der bestehenden Strukturen. «Das Wachstum verteilt sich dort auf drei Züge – Bez, Sek, Real – mit jeweils zwei bis vier Klassen», sagt Mosimann. «Wir gehen davon aus, dass wir im Oberstufenzentrum noch Luft haben.»

Bei den Kosten rechnet Mosimann mit einer leichten Überschreitung. «Es war eine lange Bauphase und zwei Teilprojekte in einem Kredit, die man noch verheiraten muss», sagt der Stadtammann. Von den 25,5 Millionen des Kredits wurden 17,5 Millionen für die Sanierung des Bleicherainschulhauses aufgewendet. Mosimann rechnet damit, die Abrechnung im nächsten Frühling dem Einwohnerrat vorlegen zu können.

Als die Schulhausrochade angetönt wurde, wandten sich besorgte Eltern mit einer Petition an den Stadtrat. Der längere Schulweg ins Angelrain sei für die Primarschüler eine Zumutung. «Der Schulweg ist gut machbar für die Schülerinnen und Schüler»», sagt Mosimann. Der Stadtrat hat konkrete Massnahmen für die Schulwegsicherheit ergriffen, unter anderem einen Lotsendienst. Die Petitionäre haben sich nicht mehr gemeldet. Vielleicht besuchen ihre Kinder unterdessen die nah gelegene Oberstufe.