Lenzburg

Black Jesus muss für dreieinhalb Jahre hinter Gitter

Ein Mann konsumiert Kokain (gestellte Aufnahme)

Ein Mann konsumiert Kokain (gestellte Aufnahme)

Der Kokaindealer von Holderbank muss dreieinhalb Jahre hinter Gitter. Das ist das Verdikt des Bezirksgerichts Lenzburg. Das ist weniger als die vom Staatsanwalt geforderten sechseinhalb Jahre, aber doch kein Freispruch, wie der Verteidiger wollte.

Zu dreieinhalb Jahren Gefängnis unbedingt verurteilte Gerichtspräsident Daniel Aeschbach gestern den Angeklagten A. am Bezirksgericht Lenzburg. Damit erhielt der Nigerianer, der wegen Kokainhandel in Holderbank und Umgebung sowie in Bern beschuldigt wurde, zwar weniger als die vom Staatsanwalt geforderten sechseinhalb Jahre, aber doch keinen Freispruch, wie vom Verteidiger verlangt. Freispruch hatte dieser aus Mangel an Beweisen gefordert. Die Anklage, begründete er, stütze sich lediglich auf Mutmassungen.

Kokainhandel in grossem Stil

A. wurde vorgeworfen, von März bis Oktober 2008 in grossem Stil mit Kokain gehandelt zu haben. Die Rede war eingangs von über 2000 Gramm Kokain – diese reduzierte sich dann aber beim Schuldspruch durch das Gericht auf gut die Hälfte. Laut Anklage sei der abgewiesene Asylsuchende zu «einer Vielzahl von Betäubungsmittelwiderhandlungen» bereit gewesen und so eine Verdienstquelle zu erhalten. Vor Gericht stritt A. gestern jedoch nahezu alle Anklagepunkte ab. Diese aber resultierten nicht nur aus der Auswertung des Mobiltelefons des Beschuldigten. Zuvor hatte er bereits Polizeiprotokolle unterschrieben und zugegeben, was er nun vor Gericht leugnete.

Geboren am 24. Dezember

Aus den Telefonkontrollen resultierte etwa, dass A. «Black Jesus» genannt wurde. Vor Gericht führte A. hingegen aus, nur gerade eine Freundin habe ihn, weil er am 24. Dezember geboren sei, so genannt. Im Asylantenheim in Holderbank würden sich mehrere «Black Jesus» nennen. Er aber habe mit Drogenhandel gar nichts zu tun. Vielmehr verkaufe er Autoreifen nach Afrika. Lediglich den Eigenkonsum von 50 Gramm Kokain gab der Beschuldigte gestern zu.

Polizei und Justiz beschäftigen sich schon seit einiger Zeit mit der «Holderbank-Connection». Bei Telefonüberwachungen tauchte immer wieder «Black Jesus» auf. Ob es sich um einen Gross- oder einen Zwischenhändler handelt, war unklar.

«Ein Zwischenhändler»

Auf der «obersten Stufe» sah der Staatsanwalt den Beschuldigten zwar nicht. «Eher ein Zwischenhändler», sagte er, «aber mit grosser krimineller Energie». Schon bei der Untersuchung habe A. ein widersprüchliches Aussageverhalten an den Tag gelegt: «Eine ganze Achterbahn von Behauptungen und Ausreden untermauert nun seine Glaubwürdigkeit.»

Das Gericht sprach den Beschuldigten in zwei Anklagepunkten frei, weil dem Angeklagten, wie Präsident Aeschbach erklärte, nicht nachgewiesen werden könne, dass es sich um zusätzliche und nicht um dasselbe Kokain handle. Das Gericht reduziert damit nicht nur die gehandelte Kokainmenge um die Hälfte, sondern verringerte auch das Strafmass.

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