Auf den ersten Blick klingt die Stellungnahme der Gemeinde Ammerswil zum Konzept Verkehrsmanagement Lenzburg kurios: «Wichtig ist, dass der Knoten bei der Einmündung aus der Hendschikerstrasse in die Bünztalstrasse auf der Achse Richtung Ammerswil nicht ausgebaut wird.» Normalerweise begrüssen es Gemeinden – abgesehen von den Kosten, die auf sie zukommen –, wenn Strassen und Kreuzungen ausgebaut werden. Sie werden breiter, der Verkehr fliesst besser.

Und genau hier liegt für Ammerswil der springende Punkt. Der Verkehr soll nicht besser fliessen. Die Gemeinde will auf keinen Fall, dass der Kanton mit baulichen Massnahmen den Schleichverkehr durch das Dorf begünstigt.

Ammerswiler Schleichweg

«Wenn die Einmündung in die Bünztalstrasse besser wird, werden wir viel mehr Verkehr haben», sagt Gemeindeammann Marianne Horner. Der ständig zunehmende Verkehr suche sich stets den einfachsten Weg. «Lenzburg ist mit seinen Rotlichtern und Tunneln unbeliebt.» So versuchen viele Autofahrerinnen und Autofahrer aus dem Seetal, via Ammerswil möglichst schnell auf die Autobahn zu gelangen.

Dieser Schleichweg ist aber heute mit einer Mutprobe verbunden: Um aus Ammerswil kommend auf die Bünztalstrasse zu gelangen, muss man auf einer 80er-Strecke links abbiegen. «Das ist gefährlich und braucht Geduld», sagt Horner. Momentan sei die Situation mit dem Durchgangsverkehr etwas beruhigt. Das dürfte an den zwei Baustellen-Rotlichtern im Dorf liegen.

Neben der gefährlichen Einmündung auf die Bünztalstrasse gibt es noch ein zweites Hindernis für den Schleichverkehr: die Barriere in Hendschiken. Der «Blick» bezeichnete sie einst als «die nervigste Barriere der Schweiz», da sie mehr zu als offen sei. Für Ammerswil ist sie aber ein Glücksfall. «Wenn die Barriere nicht wäre, könnte man via Ammerswil und Hendschiken in Mägenwil auf die Autobahn fahren», sagt Marianne Horner.

Unattraktiver Verkehr gefordert

In der Stellungnahme fordert die Gemeinde: «Der Pendler-Schleichverkehr über Ammerswil muss unattraktiv bleiben.» Konkret und in den Worten von Horner heisst das: «Zurückhaltend sein mit dem Ausbau von Strassen.» Wenn Strassen begradigt und breiter werden, sind sie für den Verkehr attraktiver. Für die Ammerswiler haben deshalb nicht nur Massnahmen im Dorf, sondern auf allen Zufahrtsstrassen Konsequenzen.

In diesem Zusammenhang führt auch der Veloverkehr immer wieder zu Diskussionen. Andernorts werden Strassen verbreitert und Velowege hinzugefügt. Eine gefährliche Stelle für Velofahrer ist die Strecke nach Lenzburg, wo auf der Höhe des Fünfweihers die Strasse überquert werden muss. In die Richtungen Hendschiken oder Egliswil müssen die Velofahrer gar auf der Strasse fahren.

Um diese Situation sicherer zu machen, schlägt die Gemeinde eine Temporeduktion vor. «Zum Beispiel auf der Strasse nach Lenzburg soll das Tempo auf 60 Stundenkilometer reduziert werden», sagt Horner. Eine solche Reduktion auf einer Kantonsstrasse ist schwierig zu erreichen, da die Strasse als Gefahrenzone eingestuft werden muss. Schon mehrere Jahre führe die Gemeinde Gespräche über Temporeduktionen mit dem Kanton, sagt Horner.