Birrwil
Birrwil möchte das zersplitterte Kulturland neu einteilen

Nach 2009 nimmt die Seetaler Gemeinde Birrwil einen neuen Anlauf: Mit einer Modernen Melioration soll das in unzählige Parzellen aufgeteilte Landwirtschaftsland neu strukturiert werden. Im Sommer stimmt die Gemeindeversammlung über das Vorprojekt ab.

Pascal Meier
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Unzählige Parzellen:

Unzählige Parzellen:

Aargauer Zeitung

In kaum einer Gemeinde im Kanton sind die Parzellen so zersplittert wie in Birrwil. Während zu einem Landwirtschaftsbetrieb in der Regel rund 10 Parzellen gehören, sind es in der 1000-Seelen-Gemeinde bis 100 kleine und verstreute Parzellen. Für die Bauern bedeutet das längere Fahrwege und eine umständliche Bewirtschaftung. Die Zersplitterung erschwert auch Unterhalt und Kostenverteilung der Entwässerungsdrainagen.

Diese Situation soll nun verbessert werden. Kanton und Gemeinderat wollen das Birrwiler Kulturland in einer sogenannten Modernen Melioration neu strukturieren. Dazu sollen die Parzellen neu definiert, wo nötig zusammengefasst und erschlossen werden. Die Landwirtschaft im Dorf soll so wettbewerbsfähiger werden.

Wie tief greifend die Optimierungen ausfallen, ist noch unklar. In einem ersten Schritt werden Ist-Zustand analysiert und Massnahmen gesucht. Für diese Vorplanung beantragt der Gemeinderat an der Sommergmeind vom 7. Juni einen Kredit von 52 000 Franken. «Wird dieser angenommen, möchten wir die Melioration 2014 zur Abstimmung vorlegen», sagt Vizeammann Verena Christen.

Diese Pläne dürfen nicht nur auf offene Ohren stossen. Bereits 2009 war ein Melioration-Vorprojekt an der Gemeindeversammlung bachab geschickt worden. Kritiker warnten vor hohen Kosten und argumentierten, dass die Zahl der Höfe sowieso bald auf ein halbes Dutzend sinken würde. Zudem würden sich die Bauern bei der Bewirtschaftung ihrer versplitterter Parzellen absprechen.

Trotzdem nehmen Kanton und Gemeinde jetzt einen neuen Anlauf. Warum? «Der Kanton kam nochmals auf uns zu und der Gemeinderat ist überzeugt, dass die Melioration für die Zukunft Birrwils wichtig ist», erklärt Verena Christen. Man wolle aber das Projekt nicht gegen den Willen der Bauern lancieren, sondern diese einbinden. So konnten sich die Landwirte in einer Umfrage äussern. In dieser befürworten über die Hälfte der Betriebe, dass die Melioration wieder aufgegriffen wird. Weniger kritisch als 2009 war auch die Stimmung am Infoabend vom Montag.

Woher kommt dieser Meinungsumschwung? «Vielleicht wegen der Kosten», vermutet Verena Christen. Denn mit dem neuen Landwirtschaftsgesetz von 2012 beteiligt sich der Kanton neu mit 80 statt 50 Prozent an die Vorplanung von 52 000 Franken – dies, falls die eigentliche Melioration später abgelehnt wird. Stimmt Birrwil der Melioration zu, werden die Kosten der Vorplanung dem Gesamtprojekt angerechnet. An diesem beteiligen sich Bund und Kanton zu je einem Drittel. Wie viel die Melioration schliesslich kostet, kann noch nicht beziffert werden.

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