Lenzburg

Bezlerinnen beschäftigen sich mit Arbeitslosigkeit – mitten in Berufswahl

Die Erfahrung mit der Arbeitslosigkeit haben Gamze Gül (links) und Tamara Stojanovic für die eigene Berufswahl sensibilisiert. MCH

Die Erfahrung mit der Arbeitslosigkeit haben Gamze Gül (links) und Tamara Stojanovic für die eigene Berufswahl sensibilisiert. MCH

Ein Bezirksschuljahr liegt noch vor ihnen, es geht an die Berufswahl: Gamze Gül und Tamara Stojanovic wollten deshalb wissen, wie es ist, arbeitslos zu sein. Die Gespräche mit Arbeitslosen berührte die beiden Teenager.

Was, wenn der Notendurchschnitt nicht reicht, um die gewünschte Lehrstelle zu finden? Was, wenn die Jugendlichen noch bevor sie zu arbeiten beginnen können, schon arbeitslos sind?

Als Bezirksschülerinnen haben Gamze Gül (14) und Tamara Stojanovic (15) da wohl keine schlechten Karten in der Hand. Aber sie kennen Kollegen, die Mühe haben, eine Lehrstelle zu finden, und sorgen sich um diese.

«Eine Arbeit zu haben, sei eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es einem gut geht», sagt Gamze Gül. Es ist das Fazit aus ihrer Quartalsarbeit. Seit den Herbstferien im letzten Jahr beschäftigen sich die aufgeweckten jungen Frauen mit den konkreten Auswirkungen von Arbeitslosigkeit.

Die beiden sind erfahrungshungrig und haben ihren Blick positiv in die Zukunft gerichtet, dennoch haben sie ein aussergewöhnlich ernstes Thema für ihre Arbeit gewählt.

«Wir haben verschiedene Ideen gesammelt und zu diesem Thema ist uns gleich etwas eingefallen», sagt Gamze Gül. «Ausserdem», ergänzt Tamara Stojanovic, «wollten wir etwas Neues machen und wir wussten, dass diese Thematik zuvor noch nicht gewählt worden ist.»

Gespräch mit Arbeitslosem

Keine Statistik kann den persönlichen Schicksalsschlag, den die Arbeitslosigkeit in den allermeisten Fällen bedeutet, greifbar machen. «Über Zahlen wissen wir im Moment nicht so viel», sagt Tamara Stojanovic. «Uns interessiert die Frage, was es für den einzelnen Menschen und sein Umfeld bedeutet, wenn man arbeitslos wird.»

In Rücksprache mit ihrer Mentorin Annegret Dubach haben Tamara und Gamze deshalb ein ausführliches Gespräch mit einem Mann geführt, der seit rund eineinhalb Jahren einen neuen Job sucht.

Und sie haben das regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) in Suhr besucht und dort einen Fragekatalog abgegeben, der verschiedenen Menschen übermittelt wird, die inzwischen wieder eine Arbeit gefunden haben.

Aus ihren Recherchen erstellen sie ein Modell, das die Diskrepanz zwischen Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und Zukunftsträumen aufzeigt.

«Die Erzählungen über Arbeitslosigkeit sind sehr eindrücklich und berührend», sagen Gamze und Tamara. «Die Situation bedeutet ja auch immer eine grosse Belastung für die Familie. Der Stress nimmt zu. Man kommt vielleicht auf dumme Gedanken, fängt an Alkohol zu trinken.»

Viel Arbeit in der Freizeit

Die Quartalsarbeit, die mit einem Vortrag, einer Ausstellung und der Abgabe eines Aufsatzes am 27. Februar abgeschlossen wird, müssen die Schülerinnen zum grossen Teil in ihrer Freizeit erstellen.

Die Quartalsarbeit haben Gamze und Tamara, die beide eine weiterführende Schule besuchen wollen, als sehr intensive Zeit erlebt. Das Interesse am Thema hätten sie dabei nie verloren. «Eine so grosse Arbeit haben wir zuvor noch nicht gemacht.

Doch es ist eine gute Erfahrung, mit dem Zeitdruck umgehen zu müssen und sich lange in ein Thema zu vertiefen.» Die beiden jungen Frauen haben sich in ihre Aufgabe regelrecht reingekniet. Und darauf sind sie sichtlich stolz.

Jetzt befinden sich die 3.-Bezlerinnen noch im gesicherten Gefüge von Stundenplänen, Prüfungsterminen und Lernzeiten. Doch es gilt die Weichen für einen optimalen Berufsweg zu stellen.

Jeweils im März finden an der Bezirksschule Lenzburg deshalb die Laufbahngespräche mit Lehrern und Eltern statt. Die beiden finden nach ihrer Arbeit nun: «Grundsätzlich soll man zufrieden sein, wenn man eine Arbeit hat, denn ohne Arbeit könnte immer auch schlimmer sein.»

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