Harmonischer könnte die Szene im Himmel nicht sein. Auf watteweissen Wolken sitzen die Himmelsbewohner, strickend und plaudernd. Doch das Paradies bröckelt. Vor der Himmelspforte herrscht Grossandrang, trotzdem wollen die Alteingesessenen nicht zusammenrücken. Ein Casting soll darüber entscheiden, wer eine Niederlassungsbewilligung erhält, und wer in die Hölle kommt.

«Verwolkt nochmal», so heisst das Theaterstück der Bezirksschule Lenzburg, das diesen Samstag im alten Munitionsdepot Premiere feiert. Der Titel des Stücks ist eine Anlehnung an den Ausspruch «Herrgott nochmal», die verzweifelte Anrufung der höheren Macht, wenn eine Situation aus dem Ruder gerät.

Individuelle Talente einbringen

«Mit dem Casting haben wir bewusst ein Thema aus der Lebenswelt der Jugendlichen gewählt», sagt Herbert Rinderknecht, Bezirksschullehrer und Produktionsleiter des Theaterstücks. Dies kommt offensichtlich an: «Hier können wir an unsere Grenzen gehen und mal etwas freakig sein», sagt die 16-jährige Selina Schwager, die im Stück die Himmelspförtnerin Petra spielt.

Und wie wurden die Rollen verteilt? Dies habe sich bereits bei den Proben während des Jahres herauskristallisiert, so Herbert Rinderknecht. «Die Rollen sind auf die individuellen Fähigkeiten der Jugendlichen abgestimmt.»

Um die Jury zu beeindrucken, wird also getanzt, gescherzt und gesungen, stets den Klischees von Star oder Antistar entsprechend. Der Bauer Ueli, der mit Hosenträgern und Zipfelmütze so gar nicht in die Glamour-Welt passt, weibelt mit einem Fünfliebertrick vergebens um die Gunst der Jury. Diese schickt ihn ohne Wimpernzucken in die Hölle.

Eine ernsthafte Komödie

«Das Stück ist mehr als nur eine unterhaltende Komödie», meint Herbert Rinderknecht. Bewusst werde die Brutalität der Castingwelt thematisiert, wo einzig die Vermarktbarkeit über Erfolg und Misserfolg entscheide. Ausserdem könne die «Das-Boot-ist-voll»-Thematik auch auf den aktuellen Diskurs in der schweizerischen Einwanderungspolitik übertragen werden.

Aufführungen im Munitionsmagazin: 28. April, 20 Uhr; 29. April, 17 Uhr; 1.- 3. Mai, je 20 Uhr.