Lenzburg
Bezirksgericht Lenzburg: Kranführer wegen Arbeitsunfall verurteilt

Vor fünf Jahren stürzte ein Palett mit Backsteinen von der Gabel eines Krans in die Baustelle. Die Ladung stürzte auf einen darunter arbeitenden Maurer und verletzte diesen schwer. Nun hat das Gericht den Kranführer schuldig gesprochen.

Elia Diehl
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Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilte einen Kranführer wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe.

Das Bezirksgericht Lenzburg verurteilte einen Kranführer wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe.

Aargauer Zeitung

Sie treffen sich im Wartezimmer vor dem Gerichtssaal in Lenzburg: Kläger und Beschuldigter kennen sich von der Arbeit und grüssen sich. Vor und nach der Verhandlung unterhalten sie sich kurz – ohne Gehässigkeiten.

Beide scheinen froh zu sein, dass das Verfahren endlich auf die Zielgerade biegt. Bereits fünf Jahre sind seit dem kausalen Unfall auf einer Baustelle vergangen. Die Staatsanwaltschaft liess jedoch bis vor einem Jahr mit dem Strafbefehl auf sich warten.

Im Winter 2008 wurde der klagende Maurer unter einem Palett mit Backsteinen begraben, welches von einer Krangabel auf ihn herabstürzte. Heute ist der 58-Jährige zu einem Fünftel invalide und kämpft mit den Folgen des Unfalls. Nebst einer Hirnerschütterung und Verletzungen im Mund zog er sich mehrere komplizierte Knochenbrüche zu.

Der Angeklagte war an jenem verschneiten Tag der amtende Kranführer. Gemäss der Verordnung für die sichere Verwendung eines Krans zeichnet sich dieser verantwortlich für die der eisigen Witterung angepasste Sicherung der Ladung.

Die Staatsanwaltschaft sah den Strafbestand einer fahrlässigen schweren Körperverletzung als erwiesen.

Die Verteidigung plädierte heute Donnerstag vor dem Bezirksgericht Lenzburg ihrerseits auf Freispruch. Nicht Eis und Schnee respektive die ungenügende Sicherung sei die Ursache für den Unfall.

Das Palett sei aufgrund ungleichmässiger Beladung mit Backsteinen seitlich von der Gabel gekippt. Der «ahnungslose» (unbekannte) Handlanger des Kranführers, der die Ladung anbrachte, sei viel mehr in Verantwortung zu nehmen.

Das Gericht unter dem Vorsitz von Danae Sonderegger konnte der Argumentation der Verteidigung nicht folgen. Zu widersprüchlich waren einerseits die Aussagen des Angeklagten, welcher entgegen des Plädoyers seines Anwaltes als Ursache den vereisten Schnee unter dem Palett bezeichnete.

Die Verteidigung ihrerseits sprach in der heutigen Verhandlung erstmals von einem seitlichen Abrutschen wegen einem unsachgemäss beladenen Palett.

Gestützt auf die einstimmigen Aussagen aus früheren Einvernahmen und den Ermittlungsergebnissen sah es das Gericht aber als erwiesen, dass Schnee und Eis sowie eine unangemessene Sicherung den Unfall verursachten. Das Palett sei offensichtlich frontal über die Spitzen der Lastgabel abgerutscht.

Der Anwalt des Klägers kritisierte in seinem Schlussplädoyer, dass die Verteidigung den helfenden Bauarbeitern vorgängig Inkompetenz zuschreibe und gleichwohl behaupte, der Kranführer habe diesen vertraut.

Das Bezirksgericht Lenzburg sah letztlich die Sorgfaltspflicht des Kranführers verletzt und verurteilte diesen zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 70 Franken und einer Busse von 1000 Franken.

Der Verurteilte richtete sein Schlusswort an das Unfallopfer und drückte sein Bedauern aus: «Es tut mir wirklich Leid für dich.»

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